Der Bremer Kreuzfahrtveranstalter Plantours Kreuzfahrten hat für den Spätherbst des Jahres 2026 einen mehrwöchigen Werftaufenthalt für sein einziges Hochseeschiff, die MS Hamburg, angekündigt. Nach Abschluss der regulären Reisesaison im November wird das für maximal 400 Passagiere ausgelegte Schiff nach Istanbul überführt, um dort Renovierungs- und Umbauarbeiten unterzogen zu werden.
Im Zentrum der Maßnahmen stehen die Neugestaltung sämtlicher Kabinenkategorien, der Einbau neuer Balkonsuiten sowie die optische und funktionale Überarbeitung der öffentlichen Decks und der Lounge. Mit diesem Schritt reagiert das Unternehmen auf den veränderten Wettbewerb im Bereich der kleineren Kreuzfahrtschiffe, bei dem der Wohnkomfort der Gäste eine zunehmende Rolle spielt. Die Fertigstellung ist für Mitte Dezember geplant, woraufhin das Schiff unmittelbar in das Winterprogramm im Mittelmeer und rund um die Kanarischen Inseln startet.
Technische und konzeptionelle Details der geplanten Werftzeit
Die MS Hamburg, die im Jahr 1997 in Dienst gestellt wurde und zeitweise als C. Columbus für Hapag-Lloyd fuhr, befindet sich in einem Alter, das für Passagierschiffe regelmäßige Investitionen in die Substanz und das Interieur erfordert. Bereits im Jahr 2020 wurde eine größere Modernisierung durchgeführt, bei der unter anderem die Rezeption und das Buffet-Restaurant umgestaltet wurden. Der anstehende Aufenthalt in einer spezialisierten Werft im Raum Istanbul, die für Refits im maritimen Sektor bekannt ist, konzentriert sich nun vor allem auf die Passagierunterkünfte und die Freidecks.
Sämtliche Kabinen erhalten ein verändertes Design, um dem aktuellen Publikumsgeschmack zu entsprechen. Eine deutliche bauliche Veränderung betrifft den Einbau von vier neuen Mini-Suiten, die mit einem eigenen Balkon ausgestattet werden. Dies stellt auf dem älteren Schiffskörper eine technische Herausforderung dar, da nachträgliche Balkonbauten die Statik und Gewichtsverteilung des Schiffsrumpfes beeinflussen. Bei den bestehenden Innen- und Außenkabinen wird primär das Raumdesign optimiert, um eine funktionale Flächenausnutzung zu erreichen. Die höheren Kategorien, wie die Suiten mit Infinity-Fenstern oder Veranden, erhalten ein verändertes Wohnkonzept mit ausgewählten Materialien. Parallel dazu wird das Pooldeck saniert und erhält einen neuen Bodenbelag mit maritimem Dekor, während die Lounge als zentraler Treffpunkt an Bord ein funktionales Update erfährt.
Marktanalyse des Segments für kleinere Kreuzfahrtschiffe
Der Markt für Hochseekreuzfahrten teilt sich zunehmend in zwei Bereiche. Auf der einen Seite stehen die expandierenden Großschiffe mit mehreren tausend Passagieren, die über Skaleneffekte niedrige Reisepreise realisieren können, dafür jedoch viele kleinere Häfen nicht mehr anlaufen können. Auf der anderen Seite agieren Anbieter wie Plantours, die mit kleineren Einheiten gezielt Nischen besetzen. Die MS Hamburg kann aufgrund ihrer Abmessungen und ihres geringen Tiefgangs Reviere befahren, die für moderne Megaliner unzugänglich sind, wie etwa die Großen Seen in Nordamerika oder den schmalen Kanal von Korinth in Griechenland.
Allerdings wächst auch in diesem Nischensegment der Druck durch Mitbewerber, die modernere Schiffe in den Dienst stellen. Ältere Schiffe weisen konzeptionell oft den Nachteil auf, dass der Anteil an Außenkabinen mit echtem Balkon im Vergleich zu Neubauten sehr gering ist. Die nachträgliche Integration von Balkoneinheiten ist daher ein Versuch der Reedereien, den Erwartungen von Gästen gerecht zu werden, die ungern auf einen privaten Außenbereich verzichten. Kritische Branchenbeobachter merken an, dass solche Modernisierungen die grundlegenden mechanischen und antriebstechnischen Gegebenheiten eines fast 30 Jahre alten Schiffes nicht verändern. Der Fokus der Betreiber muss daher zwingend auf dem Service, der Routenexklusivität und dem Kabinenkomfort liegen, um die geforderten Reisepreise am Markt durchzusetzen.
Routenplanung und wirtschaftliche Perspektiven für den Winterbetrieb
Die Werftzeit im türkischen Istanbul ist terminlich eng getaktet und soll am 11. Dezember 2026 abgeschlossen sein. Für den Betreiber bedeutet jeder Tag im Trockendock einen vollständigen Einnahmeausfall bei gleichzeitig laufenden Fixkosten für Werftarbeiter, Material und Schiffsbesatzung. Direkt nach der geplanten Übergabe ist eine elftägige Premierenfahrt vorgesehen, die von der Türkei über Piräus, Malta, Sizilien, Tunesien und Sardinien bis nach Malaga in Andalusien führt. An diese Route schließt sich das traditionelle Winterprogramm an, welches eine kombinierte Weihnachts- und Silvesterkreuzfahrt umfasst. Die Reise führt von Südspanien aus über Gibraltar und Marokko zu den Kanarischen Inseln, gefolgt von Stopps auf Madeira und im portugiesischen Portimao, bevor die Fahrt in Lissabon endet.
Um den Erfolg der Modernisierung auch im Heimatmarkt zu verankern und neue Kundengruppen sowie Reisebüropartner zu überzeugen, sind für den Januar 2027 exklusive Besichtigungstermine im Hamburger Hafen anberaumt. Diese Maßnahme dient dem Zweck, den veränderten Standard des Schiffes direkt der Fachöffentlichkeit zu präsentieren. Die wirtschaftliche Auslastung im ersten Quartal 2027 wird als Indikator dafür gewertet werden, ob das neue Gestaltungskonzept die Erwartungen der Stammkundschaft erfüllt und gleichzeitig Neukunden anzieht, um die Rentabilität des Schiffes für die kommenden Jahre zu sichern.