Der geplante Betrieb der neuen Fluggesellschaft Fischer Air am Flughafen Kassel-Calden sorgt für zunehmende Unruhe und scharfe Kritik seitens des Verbraucherschutzes. Obwohl die Airline bereits ab Ende 2025 regelmäßige Verbindungen auf die Kanaren und ans Rote Meer fest im Flugplan verankert hatte, ist bislang kein einziges Flugzeug abgehoben.
Betroffene Fluggäste, die ihre Tickets bereits im Voraus bezahlt haben, berichten von kurzfristigen Stornierungen und ausbleibenden Rückerstattungen. Die Verbraucherzentrale Hessen stuft das Geschäftsgebaren als höchst fragwürdig ein und prüft derzeit rechtliche Schritte wegen des Verdachts auf irreführende Werbung. Besonders kritisch wird dabei die mangelnde Erreichbarkeit des Unternehmens bewertet, das auf Anfragen lediglich mit automatisierten Standardnachrichten reagiert.
Zusätzliche Recherchen offenbaren Unstimmigkeiten bei den Unternehmensangaben. Während Fischer Air im Impressum einen Sitz am Flughafen Friedrichshafen angibt, existieren dort laut lokalen Berichten keine unterzeichneten Mietverträge oder bezogene Büroräume. Auch an anderen Standorten wie Hamburg tauchen die angekündigten Verbindungen nicht in den offiziellen Flugplänen auf, was die Zweifel an der operativen Fähigkeit der Gesellschaft verstärkt. Branchenkenner weisen darauf hin, dass für den Betrieb einer Fluggesellschaft komplexe Genehmigungsverfahren und Sicherheitszertifikate notwendig sind, über deren Vorliegen im Fall von Fischer Air derzeit keine belastbaren Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Die Verschiebung des Erstfluges in den März 2026 lässt die Skepsis bei Reisebüros und Kunden weiter wachsen.
Der Flughafen Kassel-Calden gerät unterdessen selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Trotz der anhaltenden Probleme bewirbt der Airport die Ziele von Fischer Air weiterhin auf seinen Kanälen. Flughafengeschäftsführer Lars Ernst verteidigt dieses Vorgehen als übliche Praxis und betont, dass keine exklusiven Verträge oder eine Mitverantwortung für die Buchungen der Passagiere bestünden. Kritiker und die Verbraucherzentrale halten dagegen, dass die werbliche Unterstützung durch den Flughafen ein falsches Vertrauen beim Kunden erwecke. Da Fischer Air nach dem Rückzug anderer Anbieter als wichtiger Akteur für die Passagierzahlen in Calden eingeplant war, wiegt der Ausfall der Flugbewegungen für den regionalen Airport wirtschaftlich schwer.
Reisebüros in Nordhessen befürchten zudem einen langfristigen Imageschaden für den Luftverkehrsstandort Kassel. Der Vertrauensverlust bei den Urlaubern könnte dazu führen, dass künftige Angebote am Flughafen Calden schlechter angenommen werden. Die rechtliche Prüfung durch die Verbraucherschützer konzentriert sich nun darauf, ob die Buchungsseite der Airline aufgrund fehlender Kontaktmöglichkeiten und irreführender Verfügbarkeiten gegen geltendes Wettbewerbsrecht verstößt. Solange keine Flugzeuge starten und Rückzahlungen ausbleiben, bleibt die Lage für geprellte Kunden und die regionale Reisebranche prekär.