Insel Baljenac (Foto: Boris Kačan / CNTB).
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Kroatiens lebendiges Erbe: Eine Reise durch die Tiefen traditionellen Handwerks

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Jenseits der sonnenverwöhnten Küsten und der historischen Städte verbirgt sich in Kroatien ein reiches Geflecht kultureller Traditionen, das über Generationen hinweg sorgfältig bewahrt und weitergegeben wurde. Dieses immaterielle Kulturerbe entfaltet ein beeindruckendes Spektrum an handwerklichem Können, das tief in der Geschichte und im alltäglichen Leben des Landes verwurzelt ist.

Von der filigranen Nadelarbeit der Pager Spitze über das farbenfrohe Holzspielzeug aus Hrvatsko Zagorje bis hin zu den kunstvoll verzierten Lebkuchenherzen und der uralten Kunst des Trockenmauerbaus – diese Ausdrucksformen regionaler Identität und kreativer Vielfalt sind nicht nur Zeugnisse vergangener Zeiten, sondern lebendige Bestandteile der kroatischen Gegenwart. Viele dieser Traditionen haben internationale Anerkennung gefunden und wurden von der UNESCO als besonders schützenswert in ihre Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Sie bieten Besuchern einzigartige Einblicke in die Seele Kroatiens und die Bedeutung, die diesem kulturellen Reichtum bis heute beigemessen wird.

Kunstvolle Handarbeit: Die geschätzte Spitzenherstellung

Die Spitzenherstellung in Kroatien ist ein immaterielles Kulturerbe, das seit Jahrhunderten in verschiedenen Regionen des Landes gepflegt wird. Diese feine Handarbeit ist ein Symbol für Geduld, Präzision und künstlerisches Geschick. Besonders hervorzuheben sind die Spitzen aus drei spezifischen Orten: Pag, Lepoglava und Hvar. Jede dieser Regionen hat ihre eigene, überlieferte Technik und verwendet unterschiedliche Materialien, was die Vielfalt dieses Handwerks unterstreicht.

Die Pager Spitze, deren Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, wird in einer äußerst filigranen Nadeltechnik gefertigt. Sie zeichnet sich durch ihre feine Struktur und ihre komplexen Muster aus, die oft von der Natur inspiriert sind. Die hohe Qualität dieser Spitze war einst sogar am prestigeträchtigen Wiener Hof geschätzt, wo sie als Zeichen von Eleganz und Status galt. Einzigartig ist auch die Tatsache, daß die Technik des Pager Spitzenklöppelns nur von Frauen der Insel Pag von Generation zu Generation weitergegeben wurde, oft in speziellen Schulen oder Kursen, um das Wissen zu bewahren.

In Lepoglava, einer Stadt im Norden Kroatiens, wird hingegen die Klöppeltechnik angewendet. Hier werden feine Fäden mithilfe von Klöppeln auf einem Kissen zu kunstvollen Mustern verarbeitet. Die Lepoglava-Spitze ist bekannt für ihre geometrischen Formen und ihre besondere Dichte. Auf der Insel Hvar wiederum kommt eine noch speziellere Methode zum Einsatz: Hier werden feine, helle Fäden aus den Blättern der Agave gewonnen und zu einzigartigen Spitzen verarbeitet. Diese Agavenspitzen sind von besonderer Zartheit und Schönheit.

Die Bedeutung dieser Handarbeiten wurde 2009 von der UNESCO anerkannt, als die Spitzenherstellung in Kroatien offiziell in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Heute sind diese kunstvollen Handarbeiten nicht nur kulturelle Symbole und ein Stolz Kroatiens, sondern auch begehrte Souvenirs für Besucher, die ein authentisches Stück kroatischer Kultur mit nach Hause nehmen möchten. Museen und Galerien widmen sich der Bewahrung und Ausstellung dieser einzigartigen Handwerkskunst, während lokale Märkte und Werkstätten die Gelegenheit bieten, den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen und die fertigen Produkte zu erwerben.

Pager Spitze (Foto: Mladen Šćerbe / CNTB).

Süße Tradition: Das Lebkuchenhandwerk von „Licitar“-Herzen

Eine weitere charmante und tief verwurzelte Tradition in Nordkroatien ist das Lebkuchenhandwerk, insbesondere die Herstellung und Verzierung der sogenannten „Licitar“-Herzen. Diese süßen, kunstvoll dekorierten Lebkuchen sind ein lebendiges Zeugnis kroatischer Handwerkskunst und Volkskunst, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.

Die Herstellung der Licitar-Herzen ist ein aufwendiger Prozeß, der Präzision und künstlerisches Talent erfordert. Zunächst wird der Lebkuchenteig zubereitet und in Herzformen gebacken. Nach dem Abkühlen beginnt der eigentliche künstlerische Teil: die kunstvolle Verzierung. Hierbei werden essbare Farben verwendet, um filigrane Muster, oft floral oder geometrisch, auf die Herzen zu malen. Zusätzlich werden kleine Spiegel angebracht, die dem Lebkuchen einen besonderen Glanz verleihen. Oft werden auch persönliche Botschaften oder Widmungen hinzugefügt, was jedes Herz zu einem Unikat macht.

Besonders beliebt sind die leuchtend roten Licitar-Herzen, die traditionell zu festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen oder Weihnachten verschenkt werden. Sie symbolisieren Liebe, Zuneigung und Gemeinschaft. In der Adventszeit schmücken sie außerdem die Weihnachtsbäume in vielen kroatischen Haushalten und tragen zu einer festlichen Atmosphäre bei.

Das Lebkuchenhandwerk ist nicht nur eine kulinarische Tradition, sondern auch ein Ausdruck der Volkskunst und ein Symbol der regionalen Identität. Es wird seit Generationen weitergegeben, oft innerhalb von Familienbetrieben, die das Wissen und die Techniken von Eltern an Kinder weiterreichen. Die Anerkennung dieses Handwerks durch die UNESCO im Jahr 2010 als immaterielles Kulturerbe unterstreicht seine Bedeutung für die kroatische Kultur. Zahlreiche Feste und Märkte in Nordkroatien, insbesondere in der Region um Zagreb, zelebrieren dieses Handwerk und bieten die Möglichkeit, die Herstellung der Licitar-Herzen live zu erleben und diese süßen Kunstwerke zu erwerben.

Lebkuchenhandwerk (Foto: Julien Duval / CNTB).

Tradition in Holz: Spielzeug aus Hrvatsko Zagorje

Im malerischen Hrvatsko Zagorje, einer Region im Norden Kroatiens, blüht eine weitere einzigartige Handwerkstradition: die Holzspielzeugherstellung. Dieses Handwerk wird seit dem 19. Jahrhundert gepflegt und ist ein lebendiges Beispiel für die kreative Nutzung lokaler Ressourcen und die Bewahrung überlieferter Fertigkeiten.

In kleinen Dörfern wie Marija Bistrica, Laz und Stubica fertigen Handwerker aus lokal verfügbaren Hölzern wie Ahorn, Buche, Linde und Weide eine Vielzahl von Spielzeugen. Das Sortiment umfaßt traditionelle Spielzeuge wie Pfeifen, kleine Pferde, Miniaturmöbel und verschiedene Musikinstrumente. Der Herstellungsprozeß ist dabei klar aufgeteilt: Die Männer schnitzen die rohen Formen der Spielzeuge aus dem Holz, während die Frauen die fertigen Holzrohlinge mit leuchtenden Farben und vielfältigen Mustern verzieren. Diese Muster sind oft floraler oder geometrischer Natur, wobei die Bemalung frei aus der Vorstellung erfolgt. Dies bedeutet, daß jedes Stück ein Unikat ist und die individuelle Kreativität der Künstlerin widerspiegelt.

Die Holzspielzeuge sind nicht nur einfache Spielzeuge, sondern auch kleine Kunstwerke, die von der reichen Volkskunst der Region zeugen. Sie waren in der Vergangenheit wichtige Begleiter der Kinder in ländlichen Gebieten und sind heute begehrte Sammlerstücke. Die Bedeutung dieser Tradition wurde 2009 gewürdigt, als sie in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Heute sind die Holzspielzeuge aus Hrvatsko Zagorje nicht nur in Museen und bei speziellen Wallfahrten, wie der berühmten Wallfahrt nach Marija Bistrica, präsent, sondern auch auf lokalen Märkten und in spezialisierten Geschäften erhältlich. Sie sind ein beliebtes Souvenir und ein Symbol für die handwerkliche Geschicklichkeit und die kulturelle Identität der Region.

Lebkuchenhandwerk (Foto: Julien Duval / CNTB).

Stein für Stein: Die zeitlose Kunst des Trockenmauerbaus

Ein besonders beeindruckendes und archaisches Handwerk in Kroatien ist die Kunst des Trockenmauerbaus. Diese jahrhundertealte Technik ist tief in den Küsten- und Inselregionen Kroatiens verwurzelt und zeugt von einem tiefen Verständnis für Materialien und Landschaftsgestaltung. Das Besondere am Trockenmauerbau ist, daß die Mauern ohne Mörtel errichtet werden. Stattdessen werden Natursteine sorgfältig aufeinandergeschichtet und so miteinander verbunden, daß sie stabil und dauerhaft sind.

Diese Mauern erfüllten und erfüllen bis heute vielfältige praktische Funktionen. Sie dienen dazu, Felder abzugrenzen, Hänge zu terrassieren, um Landwirtschaft zu ermöglichen, und bieten wichtigen Schutzfunktionen. Sie verhindern Erosion des Bodens, schützen vor Überschwemmungen bei starken Regenfällen und bewahren den Boden vor Austrocknung, indem sie Feuchtigkeit speichern und Schatten spenden. Gleichzeitig schaffen diese Mauern geschützte Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, tragen so zur ökologischen Vielfalt der Region bei und unterstützen ein einzigartiges Mikroklima.

Über ihren praktischen Nutzen hinaus besitzen Trockenmauern eine große ästhetische und kulturelle Bedeutung. Sie gestalten die Landschaften Kroatiens maßgeblich mit und prägen den historischen und visuellen Charakter von Hängen, Weinbergen und den faszinierenden Inselwelten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind die etwa 23 Kilometer langen Mauern auf der Insel Baljenac, die aus der Luft betrachtet wie ein gigantischer Fingerabdruck wirken. Auch die historischen Terrassenanlagen auf der Insel Hvar, die für den Weinbau angelegt wurden, sind Meisterwerke des Trockenmauerbaus.

Im Jahr 2018 wurde diese traditionelle Bautechnik von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Diese Anerkennung würdigt nicht nur die handwerkliche Fertigkeit, sondern auch die kulturelle Bedeutung und die harmonische Integration des Trockenmauerbaus in die Naturlandschaft. Die Trockenmauern sind ein Symbol für die Beständigkeit und die Fähigkeit des Menschen, im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten zu bauen und zu leben. Sie sind ein Zeugnis einer Baukunst, die bis heute Bestand hat und die Besucher Kroatiens in Staunen versetzt.

Kulturelle Reise durch Kroatien: Ein Erlebnis für die Sinne

Für Besucher Kroatiens bieten diese lebendigen Traditionen einzigartige und tiefgehende Einblicke in die Kultur und Geschichte des Landes. Eine Reise nach Kroatien ist somit nicht nur ein Erlebnis für die Sinne, geprägt von den Schönheiten der Adria und der malerischen Landschaften, sondern auch eine Entdeckung wertvoller Handwerkskunst. Diese Traditionen sind ein fester Bestandteil der regionalen Identität und prägen das kulturelle Profil Kroatiens auf eine Weise, die über die bekannten touristischen Attraktionen hinausgeht. Die Möglichkeit, Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen, die Produkte direkt von den Erzeugern zu erwerben oder gar an Workshops teilzunehmen, macht das kulturelle Erbe greifbar und erlebbar. Dies fördert nicht nur das Verständnis für die kroatische Kultur, sondern trägt auch zur Bewahrung dieser wertvollen Traditionen bei, indem sie wirtschaftliche Impulse erhalten. Die Bemühungen Kroatiens und der UNESCO, dieses immaterielle Erbe zu schützen, sind entscheidend für die Weitergabe an zukünftige Generationen und für die Bewahrung der kulturellen Vielfalt des Landes. Eine solche Reise wird zu einem tieferen Eintauchen in die Seele eines Landes, das stolz auf seine Wurzeln und seine künstlerischen Ausdrucksformen ist.

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