Ein Flug der französischen Fluggesellschaft Air Corsica wurde am 15. September 2025 in der Nähe des Flughafens Ajaccio Napoleon Bonaparte (AJA) zu einer ungewöhnlichen Warteschleife gezwungen. Der Grund: Der Fluglotse im Kontrollturm war eingeschlafen und reagierte weder auf Funkrufe noch schaltete er die Landebahnbeleuchtung ein.
Erst nachdem die Crew die Flughafenfeuerwehr alarmierte und diese schließlich mit Hilfe der Polizei in den Tower gelangte, konnte der Fluglotse geweckt werden. Das Flugzeug, das rund 20 Minuten lang über dem Flughafen kreiste, landete schließlich sicher, jedoch mit erheblicher Verspätung. Der Vorfall, der von der französischen Zivilluftfahrtbehörde (DGAC) untersucht wird, wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen von Nachtschichten an weniger stark frequentierten Flughäfen.
Der genaue Hergang des nächtlichen Zwischenfalls
Der Flug XK777 von Air Corsica war am 15. September von Paris Orly Airport (ORY) nach Ajaccio unterwegs. Mit einer einstündigen Verspätung startete die Airbus A320neo um 22:46 Uhr. Die reguläre Flugzeit für die Strecke von rund 70 bis 80 Minuten verlief ohne Zwischenfälle. Die Probleme begannen, als die Maschine sich dem Zielflughafen näherte und in den Sinkflug ging. In einer Höhe von 15.000 Fuß (ca. 4.572 Meter) bemerkten die Piloten, daß die Landebahnbeleuchtung noch ausgeschaltet war. Mehrere Funkversuche, den Fluglotsen zu kontaktieren, blieben unbeantwortet.
In dieser ungewöhnlichen Situation entschlossen sich die Piloten, in eine Warteschleife einzutreten. Der Kapitän des Fluges erklärte später, er habe in seiner jahrzehntelangen Erfahrung nie eine solche Situation erlebt. Die Passagiere im Flugzeug, von denen einige das Dilemma mitbekamen, nahmen es Berichten der Zeitung „Corse-Matin“ zufolge mit Humor. Die Flugbegleiter bestätigten den Passagieren jedoch die Schwierigkeiten, mit der Flugverkehrskontrolle in Kontakt zu treten.
Nachdem alle Versuche, den Fluglotsen zu erreichen, scheiterten, wandten sich die Piloten über Funk an die Flughafenfeuerwehr. Diese wurde zum Tower entsandt, konnte aber ebenfalls keine Verbindung zum Lotsen herstellen. Daraufhin wurde die Polizei gerufen. Nach anfänglichen Problemen, die Zugangsvorschriften des Towers zu umgehen, gelang es dem Sicherheitsteam schließlich, in den Kontrollraum vorzudringen, wo sie den Fluglotsen schlafend an seinem Arbeitsplatz vorfanden. Nachdem er geweckt wurde, konnte der Funkverkehr wieder aufgenommen und die Landebahnbeleuchtung eingeschaltet werden. Die Maschine landete schließlich um 00:35 Uhr sicher in Ajaccio, rund eine Stunde und zehn Minuten später als geplant.
Die Reaktion der Behörden und die Hintergründe
Der Vorfall wurde umgehend von der französischen Zivilluftfahrtbehörde DGAC zur Kenntnis genommen und eine Untersuchung eingeleitet. Ein Sprecher der DGAC bestätigte, daß der Fluglotse negativ auf Alkohol und Drogen getestet wurde. Dennoch wird eine mögliche Sanktion gegen ihn in Betracht gezogen. Es ist nicht das erste Mal, daß Flugverkehrsmanager oder sogar Piloten bei der Arbeit einschlafen. So schlief beispielsweise 2022 eine Crew von Ethiopian Airlines mid-flight ein, während im Jahr 2024 Piloten von Batik Air während eines Fluges eingenickt sind.
Der Vorfall in Ajaccio stellt die allgemeine Sicherheit des Flughafens oder des Kontrollturms nicht in Frage, verdeutlicht jedoch die Herausforderungen, mit denen Fluglotsen konfrontiert sein können, wenn sie allein Dienst haben, insbesondere an Flughäfen mit geringem Flugaufkommen. Der letzte Flug vor XK777 war um 22:16 Uhr gelandet, was zu einer längeren Phase der Ruhe im Tower führte.
Der Flughafen Ajaccio Napoleon Bonaparte ist der Hauptflughafen der korsischen Hauptstadt und dient als wichtige Basis für Air Corsica, die als Flaggschiff-Fluggesellschaft der Insel gilt. Der Flugverkehr ist saisonal und im Vergleich zu großen Drehkreuzen gering. Laut Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium hat der Flughafen Ajaccio etwa 144 wöchentliche Abflüge. Air Corsica ist mit 82 wöchentlichen Abflügen der größte Carrier. Weitere Fluggesellschaften, die den Flughafen anfliegen, sind Air France, easyJet, Luxair und Transavia France.
Maßnahmen und Konsequenzen für die Zukunft
Der Vorfall in Ajaccio wird wahrscheinlich zu einer Überprüfung der Sicherheits- und Schichtpläne für Fluglotsen an Flughäfen mit geringer Aktivität führen. Es müssen Mechanismen geschaffen werden, die sicherstellen, daß die Wachsamkeit und Reaktionsfähigkeit des Personals jederzeit gewährleistet ist. Dazu könnten verbesserte technische Überwachungssysteme, Alarme oder eine Überprüfung der Schichtzeiten gehören, um lange Phasen der Inaktivität zu vermeiden.
Obwohl der Zwischenfall glimpflich ausging und keine Passagiere zu Schaden kamen, hätte die Situation auch anders ausgehen können. Die Tatsache, daß die Piloten die Ruhe bewahrten und die richtigen Maßnahmen ergriffen, indem sie die Feuerwehr kontaktierten, verhinderte eine mögliche Katastrophe. Dieser Vorfall dient als Mahnung an die gesamte Luftfahrtindustrie, daß menschliches Versagen, auch in scheinbar harmlosen Situationen, schwerwiegende Konsequenzen haben kann und die Sicherheitsvorkehrungen ständig überprüft und verbessert werden müssen. Die laufende Untersuchung der DGAC wird hoffentlich Empfehlungen liefern, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.