Boeing 767-300ER (Foto: Mark Harkin).
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Kurswechsel in der isländischen Luftfahrt: Icelandair mustert Großraumflugzeuge aus

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Icelandair, die nationale Fluggesellschaft Islands, vollzieht einen bedeutenden strategischen Wandel in ihrer Flottenplanung. Wie Airlinechef Bogi Nils Bogason gegenüber dem Fachportal „CH-Aviation“ bekanntgab, werden die letzten drei verbliebenen Großraumflugzeuge des Typs Boeing 767-300ER bis zum Ende des Jahres 2029 aus der Flotte genommen. Mit diesem Schritt verabschiedet sich Icelandair endgültig von dem Einsatz von Großraumflugzeugen im Passagierverkehr und setzt künftig verstärkt auf eine modernisierte Flotte von Schmalrumpfflugzeugen.

Bogi Nils Bogason erläuterte die Entscheidung mit dem fortgeschrittenen Stand der Flottenmodernisierung des Unternehmens. „Wir gehen davon aus, daß 2029 das letzte Jahr sein wird, in dem Icelandair Passagierflugzeuge vom Typ Boeing 767 betreiben wird“, so Bogason. Die älteren Maschinen könnten dank der bereits erfolgten und geplanten Neuzugänge effizienter Flugzeugtypen sukzessive ersetzt werden.

Die Boeing 767 galt lange Zeit als Rückgrat der Langstreckenflotte von Icelandair und ermöglichte die Anbindung Islands an wichtige Destinationen in Nordamerika. Die Entscheidung zur Ausmusterung deutet auf eine veränderte strategische Ausrichtung hin, bei der Flexibilität und Wirtschaftlichkeit durch den Einsatz kleinerer Flugzeugtypen im Vordergrund stehen.

Fokus auf Schmalrumpfflugzeuge: Boeing 737 Max und Airbus A321

Im Zuge der Flottenmodernisierung hat Icelandair bereits in Flugzeuge der Boeing 737 Max-Familie investiert und den Airbus A321 LR in die Flotte integriert. Zukünftig soll diese Entwicklung weiter vorangetrieben werden. Ab dem Jahr 2029 erwartet Icelandair die ersten Auslieferungen von insgesamt 13 bestellten Airbus A321 XLR. Laut Bogason ist dieser Flugzeugtyp in der Lage, das derzeitige Streckennetz von Icelandair problemlos zu bedienen.

Auch die längste aktuell mit einer Boeing 767 bediente Strecke von Reykjavík-Keflavík nach Seattle mit einer Flugzeit von etwa acht Stunden könne mit dem Airbus A321 XLR wirtschaftlich und effizient durchgeführt werden. Die übrigen Flugzeiten der Boeing 767-Teilflotte zu Zielen in den Vereinigten Staaten und Europa betragen in der Regel maximal sechs Stunden, was ebenfalls im operationellen Rahmen der neuen Schmalrumpfflugzeuge liegt.

Reykjavík als Drehkreuz im Nordatlantikverkehr

Icelandair nutzt den Flughafen Reykjavík-Keflavík strategisch als wichtiges Umsteigedrehkreuz für Flüge über den Nordatlantik. Dieses Geschäftsmodell ermöglicht es Passagieren, bequem zwischen europäischen und nordamerikanischen Zielen via Island umzusteigen. Die Entscheidung, künftig auf Großraumflugzeuge zu verzichten, wirft die Frage auf, inwieweit sich diese Strategie auf die Kapazität und die Frequenz der Langstreckenverbindungen auswirken wird.

Die Reichweite und die Passagierkapazität des Airbus A321 XLR sind zwar beachtlich für ein Schmalrumpfflugzeug, liegen aber naturgemäß unter denen einer Boeing 767. Es ist daher denkbar, daß Icelandair zukünftig die Frequenzen auf bestimmten Strecken erhöhen wird, um die geringere Kapazität pro Flugzeug zu kompensieren.

Konkurrenz durch Low-Cost-Carrier und veränderte Geschäftsmodelle

Die strategische Neuausrichtung von Icelandair erfolgt in einem sich wandelnden Marktumfeld. Mit Play existiert eine weitere isländische Fluggesellschaft, die jedoch einen anderen Ansatz verfolgt. Play konzentriert sich laut den vorliegenden Informationen auf das Wet-Lease-Geschäft und auf Urlaubsflüge innerhalb Europas und verwirft das traditionelle Drehkreuzmodell über den Nordatlantik.

Dieser Wettbewerbsdruck könnte ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung von Icelandair gespielt haben, die Flotte zu verschlanken und auf modernere, treibstoffeffizientere Schmalrumpfflugzeuge zu setzen, die eine höhere Flexibilität im Streckennetz ermöglichen. Die Abkehr von den Großraumflugzeugen markiert somit einen Wendepunkt in der Geschichte von Icelandair und eine Anpassung an die aktuellen Herausforderungen und Chancen im globalen Luftverkehr.

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