Am Frankfurter Flughafen sorgt die Landebahn Nordwest für Aufsehen, doch nicht wegen beeindruckender Bauvorhaben oder technischer Innovationen, sondern wegen eines schwerwiegenden Problems: Der Anti-Rutsch-Belag, der im Mai 2023 zur Verbesserung der Sicherheit aufgebracht wurde, wird nun wieder entfernt. Die vermeintlich fortschrittliche Beschichtung hat sich nicht bewährt und führte zu erheblichen Schäden, die sowohl die Sicherheit als auch die Betriebsabläufe beeinträchtigen.
Der sogenannte Anti-Skid-Belag wurde ursprünglich eingeführt, um Flugzeugen auf der 2800 Meter langen Landebahn besseren Halt zu bieten, insbesondere bei Nässe oder Vereisung. Doch schon kurz nach der Inbetriebnahme traten erhebliche Probleme auf. Erste Rückmeldungen von Airlines wie der Lufthansa wiesen auf ungewöhnlich hohen Reifenverschleiß hin. Mehrere Maschinen mussten nach der Landung aufgrund beschädigter Reifen außer Betrieb genommen werden. Hinzu kamen strukturelle Schäden am Belag selbst, der sich an einigen Stellen vom Beton ablöste.
Die Kosten für die Einführung der Beschichtung beliefen sich auf rund 3,5 Millionen Euro. Nun müssen erneut erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht werden, um den Belag auf den beiden Aufsetzzonen zu entfernen. Betroffen sind rund 500 Meter an beiden Enden der Landebahn, die Betriebsrichtungen 07 und 25.
Die Arbeiten an der Landebahn führen zu erheblichen Einschränkungen im Flugbetrieb. Während der Sperrung der Piste sank die Kapazität des Flughafens auf 40 Landungen pro Stunde, was besonders in den Herbstmonaten zu Verzögerungen und Umschichtungen führte. Um den Schaden für Airlines und Passagiere zu minimieren, fanden die Arbeiten an Tagen mit geringerem Flugaufkommen statt.
Warum ist der Belag problematisch?
Die Idee hinter dem Anti-Skid-Belag war, durch eine griffigere Oberfläche die Bremswirkung zu verbessern und das Risiko von Ausrutschern zu verringern. Doch in der Praxis erwies sich der Belag als „zu rau“, was nicht nur den Verschleiß der Flugzeugreifen erhöhte, sondern auch die Wartungsintervalle und Betriebskosten der Airlines in die Höhe trieb. Vertreter der Lufthansa bezeichneten die Situation als unhaltbar und forderten schnelle Maßnahmen.
Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, steht unter Druck, eine nachhaltige Lösung zu finden. Die Fehler bei der Auswahl des Belags werfen Fragen zur Qualitätskontrolle und zu den Entscheidungsprozessen auf. Kritiker mahnen zudem an, dass ein Unternehmen dieser Größe solche Risiken besser abwägen müsse.
Für die Airlines und Passagiere bleibt zu hoffen, dass der Flughafen nach der Entfernung des problematischen Belags keine weiteren Überraschungen bereithält. Mit Blick auf den Winter ist eine sichere und effiziente Nutzung der Landebahn von entscheidender Bedeutung, um den Betriebsablauf des größten deutschen Drehkreuzes nicht zu gefährden.