Eine der bekanntesten und oft als lästig empfundenen Regelungen an Flughäfen steht vor dem Wandel: Die seit 2006 geltende Beschränkung für Flüssigkeiten im Handgepäck wird an ausgewählten Kontrollstellen deutscher Flughäfen gelockert. Ermöglicht wird dies durch die Einführung von modernsten Computertomografie-(CT)-Scannern, die eine detaillierte und dreidimensionale Durchleuchtung von Gepäckstücken ermöglichen.
Diese technologische Neuerung erlaubt es den Behörden, Flüssigkeitsbehälter mit einem Fassungsvermögen von bis zu zwei Litern sicher zu prüfen und von gefährlichen Substanzen zu unterscheiden. Während der Flughafen Frankfurt am Main als größter deutscher Airport die Neuerung ab Mitte September an bestimmten Kontrollspuren einführt, laufen auch in München und Berlin bereits die Vorbereitungen. Die Umstellung verspricht nicht nur eine deutlich höhere Effizienz bei den Sicherheitskontrollen, sondern auch einen spürbaren Komfortgewinn für Reisende. Allerdings gilt zu beachten, daß die neuen Regelungen nur dort angewendet werden, wo auch die neueste Technik installiert ist.
Die schrittweise Revolution: Von der 100-Milliliter-Regel zur Zwei-Liter-Flasche
Die strikte 100-Milliliter-Regel, die vorschreibt, daß Flüssigkeiten in transparenten, wiederverschließbaren Beuteln mit einem maximalen Fassungsvermögen von einem Liter transportiert werden müssen, wurde im Jahr 2006 eingeführt. Der Grund für diese drastische Massnahme war die Entdeckung eines terroristischen Anschlagsplans, bei dem die Täter versuchten, Flüssigsprengstoffe an Bord von Flugzeugen zu schmuggeln, getarnt als Getränke. Die Regelung, die weltweit an Flughäfen umgesetzt wurde, diente dazu, eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Sie führte jedoch auch zu längeren Wartezeiten, da Passagiere gezwungen waren, ihre Flüssigkeiten aus dem Handgepäck zu nehmen, um sie gesondert durch die Röntgengeräte zu schicken.
Die jetzt bevorstehende Lockerung der Regelung ist daher eine direkte Folge technologischer Fortschritte. Die neuen CT-Scanner, die aus der Medizin bekannt sind, bieten eine ungleich höhere Auflösung und Detailgenauigkeit als die herkömmlichen Röntgengeräte. Statt eines flachen, unscharfen Bildes liefern sie Hunderte von Aufnahmen eines Gepäckstücks, die von einer leistungsstarken Software zu einer dreidimensionalen Ansicht zusammengesetzt werden. Dies ermöglicht es dem Sicherheitspersonal, den Inhalt des Gepäcks schichtweise zu durchleuchten und somit organische und anorganische Materialien präzise zu identifizieren. Laut der EU-Kommission wurden nach einem notwendigen Software-Update alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt, und die Geräte können nun auch größere Flüssigkeitsmengen zuverlässig auf Sprengstoff untersuchen und von anderen Flüssigkeiten unterscheiden.
Die neue Technologie im Detail: Ein Blick in das Innere des Gepäcks
Die in den neuen Scannern angewandte Computertomografie (CT) ist ein komplexes bildgebendes Verfahren. Während herkömmliche Röntgengeräte lediglich Schattenbilder erzeugen, die eine genaue Analyse des Gepäckinhalts erschweren, dreht sich bei der CT-Technik das Röntgengerät wie ein Ring um das Gepäckstück. Hunderte von Detektoren erfassen die durchdringenden Strahlen und erstellen eine Vielzahl von Schnittbildern. Diese Daten werden dann von der Software so verarbeitet, daß das Sicherheitspersonal auf einem Bildschirm eine dreidimensionale Darstellung des Gepäckstücks erhält. Die Software ist darüber hinaus in der Lage, verdächtige Objekte und Materialien automatisch zu identifizieren und hervorzuheben. Dies reduziert die Notwendigkeit für das Sicherheitspersonal, die Koffer manuell zu öffnen und zu durchsuchen, erheblich.
Ein weiterer entscheidender Vorteil der neuen Technik ist die Möglichkeit, elektronische Geräte wie Laptops und Tablets im Handgepäck zu belassen. Auch diese Gegenstände mußten bisher separat kontrolliert werden, um die Sicht auf das Gepäckinnere nicht zu behindern. Da die CT-Scanner jedoch eine schichtweise Durchleuchtung ermöglichen, ist dies nicht mehr notwendig. Der gesamte Kontrollprozeß wird dadurch beschleunigt, was zu kürzeren Wartezeiten und einem flüssigeren Ablauf führt.
Die Lage an den deutschen Flughäfen: Ein Flickenteppich der Vorschriften
Trotz des revolutionären Potentials der neuen Technologie ist die vollständige Umstellung ein langwieriger Prozeß. Dies führt zu einer Übergangsphase, in der an den großen deutschen Flughäfen noch eine Mischung aus alter und neuer Technik anzutreffen ist. Am Flughafen Frankfurt am Main, dem größten in Deutschland, sind derzeit 40 der insgesamt rund 160 Kontrollspuren mit den neuen CT-Scannern ausgestattet. Wie von Fraport-Luftsicherheitsleiter Dennis Wildhirt bestätigt, sind die Abflugbereiche A und Z, die hauptsächlich von der Fluggesellschaft Lufthansa und deren Partnern genutzt werden, bereits vollständig umgerüstet. Das zukünftige Terminal 3, das im Frühjahr 2026 seine Pforten öffnen soll, wird von Anfang an mit der neuesten Technologie ausgestattet sein.
An anderen Flughäfen verläuft die Einführung ähnlich. In München sind 20 derartiger Scanner im Einsatz, unter anderem an der zentralen Kontrollstelle in Terminal 2. Die Regierung von Oberbayern gab bekannt, daß die Lockerung der Flüssigkeitsregelungen dort nach erfolgreichem Abschluß der laufenden Tests erfolgen wird. Auch am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) werden derzeit alle neuen Geräte mit der notwendigen Software ausgestattet, um die neue Technik in Betrieb zu nehmen.
Die heterogene Situation birgt jedoch auch Tücken. Da Passagiere vorab nicht wissen können, an welcher Kontrollspur sie den Sicherheitsbereich betreten, raten die Flughäfen weiterhin dazu, sich vorsorglich an die alten Regelungen zu halten, um Verzögerungen und Verwirrung zu vermeiden.
Europa im Wandel: Die breite Einführung der neuen Sicherheitssysteme
Die Einführung der CT-Scanner ist kein rein deutsches Phänomen. Die EU-Kommission hat die Technologie nach einer intensiven Prüfungsphase freigegeben. Laut ihren Angaben werden derzeit rund 700 Geräte des britischen Herstellers Smiths Detection auf Flughäfen in 21 Ländern der Europäischen Union eingesetzt oder installiert. Flughäfen wie der Londoner Flughafen Heathrow, der Flughafen Helsinki und der Flughafen Amsterdam Schiphol haben die CT-Scanner bereits in Betrieb genommen und berichten von positiven Erfahrungen hinsichtlich der Passagierabfertigung und der Sicherheit. Die breite Einführung der neuen Geräte signalisiert, daß sich die Flugsicherheitsstandards in Europa auf breiter Front wandeln und in Zukunft eine neue Ära des Reisens einläuten werden.
Die neuen CT-Scanner sind nur ein Teil der Bemühungen, die Passagierkontrollen an Flughäfen zu modernisieren. Ein weiterer vielversprechender Fortschritt sind neuartige Ganzkörperscanner. An diesen Geräten müssen die Passagiere nicht mehr stehen bleiben und die Arme heben, sondern können einfach durch das Gerät hindurchgehen. Wie Fraport berichtet, befindet sich ein solches Gerät seit Februar im Dauereinsatz und hat bereits zu kürzeren Wartezeiten beigetragen. Im belebten Sommerreiseverkehr sei es an den Passagierkontrollen zu keinen längeren Wartezeiten mehr gekommen. Die Kombination aus schnelleren Gepäckscannern und flüssigeren Personenkontrollen zielt darauf ab, die Abläufe zu automatisieren, die Arbeitsbelastung des Personals zu verringern und gleichzeitig die Sicherheitsstandards zu erhöhen.