Die Krise um die ehemalige türkische Fluggesellschaft Onur Air verschärft sich weiter, während rund 1.800 ehemalige Angestellte, darunter Piloten und Kabinenpersonal, seit Jahren auf ausstehende Gehaltszahlungen und Abfindungen warten.
Der Insolvenzprozess des Unternehmens, das den Flugbetrieb bereits im Jahr 2021 eingestellt hatte, bleibt aufgrund widersprüchlicher Gerichtsentscheidungen rechtlich festgefahren. Nachdem das 2. Handelsgericht in Bakırköy zunächst die Insolvenz erklärt hatte, wurde dieses Urteil durch ein Berufungsgericht aufgehoben, nur um später durch eine erneute Insolvenzentscheidung des 1. Handelsgerichts ersetzt zu werden. Diese juristische Hängepartie verhindert bis heute den Abschluss von Vollstreckungsverfahren und die Auszahlung der rechtmäßigen Ansprüche an die Betroffenen.
Besonders kritisch bewerten die ehemaligen Mitarbeiter die Art ihrer Entlassung sowie die Kommunikation der Unternehmensleitung. Viele Angestellte erfuhren erst im April 2023 durch eine Mitteilung der Sozialversicherungsanstalt (SGK) von ihrem offiziellen Ausscheiden aus dem Unternehmen. Zuvor war die Belegschaft über längere Zeit mit Versprechungen über einen angeblichen Verkauf der Airline oder den Einstieg neuer Investoren hingehalten worden. In den Akten der Sozialversicherung wurden die Kündigungen unter dem spezifischen Code „23“ vermerkt, was die rechtliche Aufarbeitung der Ansprüche zusätzlich verkompliziert. Inzwischen hat der Fall auch die politische Ebene erreicht, wobei das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit auf parlamentarische Anfragen bisher lediglich mit Verweisen auf laufende Prüfungsverfahren reagierte.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen betreffen nicht nur das Fachpersonal, sondern tausende Familienmitglieder, die durch die ausbleibenden Zahlungen in finanzielle Not geraten sind. Während die Rechtsstreitigkeiten andauern, verfällt das verbliebene Vermögen der Fluggesellschaft zusehends. Einige Maschinen der Flotte befinden sich weiterhin auf den Flughäfen Atatürk und Antalya, sind jedoch seit Jahren nicht mehr flugfähig und verlieren durch den Stillstand massiv an Wert. Experten für türkisches Wirtschaftsrecht betonen, dass ohne ein rechtskräftiges und endgültiges Urteil zur Insolvenzmasse keine Verwertung der Flugzeuge zugunsten der Gläubiger und Arbeitnehmer erfolgen kann.
Zusätzliche Recherchen im Umfeld der türkischen Luftfahrtbehörden verdeutlichen, dass Onur Air einst eine der bedeutendsten privaten Fluggesellschaften des Landes war, bevor Managementfehler und die Auswirkungen der globalen Pandemie zum Zusammenbruch führten. Die aktuelle Antwort der Regierung auf die Anfrage des Abgeordneten Ulaş Karasu bietet den Betroffenen weiterhin keine konkrete Perspektive auf einen Zahlungsplan. Die Gewerkschaften fordern nun eine Beschleunigung der Justizverfahren und eine staatliche Absicherung der Lohnausfälle, da die betroffenen Mitarbeiter seit über drei Jahren ohne die ihnen zustehenden Vergütungen für ihre geleistete Arbeit bleiben.