Embraer 190 (Foto: Steffen Lorenz).
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Lapsus im Cockpit: Der brisante Zwischenfall, der die Luftfahrtwelt alarmiert

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Ein Vorfall an Bord eines Fluges von British Airways von London nach New York hat die Debatte über Sicherheit im Cockpit neu entfacht. Ein Pilot der Fluggesellschaft wurde suspendiert, weil er während des Fluges die Cockpit-Tür für eine längere Zeit offen gelassen haben soll, um seiner Familie, die als Passagiere mitflog, einen Blick auf das Steuer zu gewähren.

Das Ereignis, welches bei Passagieren Bedenken auslöste, ist nicht nur eine schwere Verletzung der strengen Sicherheitsvorschriften, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die kritische Rolle des Pilotverhaltens und der Disziplin in einer Branche, die auf dem absoluten Vertrauen der Reisenden aufbaut. Der Fall, der glücklicherweise ohne sicherheitsrelevante Folgen blieb, unterstreicht die Fragilität der professionellen Standards, wenn selbst kleinste Verstöße die operative Sicherheit gefährden können

Verstoß gegen strenge Regeln: Der Hergang von Flug BA 173

Der Vorfall ereignete sich am 6. August an Bord des Fluges BA 173, einer Boeing 777-300ER mit 256 Passagieren an Bord, die den Transatlantikflug von London Heathrow nach New York JFK durchführte. Berichten von Augenzeugen zufolge bemerkten Passagiere mitten im Flug, daß die Cockpit-Tür über einen „signifikanten Zeitraum“ hinweg offen und ungesichert war. Einige besorgte Fluggäste machten die Flugbegleiter auf den Umstand aufmerksam. Es stellte sich heraus, daß der Pilot des Fluges Familienmitglieder an Bord hatte und beabsichtigte, diesen einen Blick in sein Arbeitsumfeld zu ermöglichen – eine Geste, die als unüberlegter, aber gut gemeinter Akt der persönlichen Verbundenheit zu werten war, jedoch in krassem Widerspruch zu den geltenden Vorschriften stand.

Weder die Passagiere noch die Crew von British Airways zeigten sich von dieser Geste beeindruckt. Nach der sicheren Landung in New York meldete die Besatzung den Vorfall umgehend den zuständigen Behörden. British Airways reagierte schnell und entschlossen, indem es den Piloten umgehend vom Dienst suspendierte. Die Konsequenzen für die Airline waren unmittelbar spürbar: Der für den Rückflug nach Heathrow geplante Flug mußte abgesagt werden. Hunderte von Passagieren mußten neu gebucht werden, was die Airline vor eine große logistische und finanzielle Herausforderung stellte. Ein Insider der Fluggesellschaft bestätigte gegenüber der Presse, daß es sich nicht um eine Nachlässigkeit von wenigen Sekunden gehandelt habe, sondern um eine bewußte Handlung über eine längere Zeit. Die Crew sei so alarmiert gewesen, daß eine Meldung an die Vorgesetzten in den USA unvermeidlich war.

Die Lektionen von 9/11 und Germanwings: Die Regeln hinter der Cockpit-Tür

Der tragische Hergang der Terroranschläge am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten ist das Fundament der modernen Cockpitsicherheit. Nachdem Terroristen auf vier Flügen Zugang zu den Cockpits erlangt hatten, verschärften globale Luftfahrtbehörden, darunter die ICAO (Internationale Zivilluftfahrt-Organisation), die amerikanische FAA (Federal Aviation Administration) und die europäische EASA (Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit), die Vorschriften. Die Cockpit-Türen wurden seither massiv verstärkt, um Schüssen, Sprengstoffen und gewaltsamem Eindringen standzuhalten.

Seitdem ist es Standard, daß die Cockpit-Türen während des gesamten Fluges, vom Start bis zur Landung, verschlossen bleiben. Der Zugang ist nur autorisierten Besatzungsmitgliedern über ein elektronisches Zugangssystem erlaubt, das der Pilot von innen steuert. Die meisten Flugzeuge sind zudem mit Überwachungskameras und Türspionen ausgestattet, um die Identität der eintretenden Person zu überprüfen. Ein weiteres brisantes Thema der Cockpitsicherheit war die Einführung der „Zwei-Personen-Regel“ nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 im Jahr 2015, bei dem der Copilot den Kapitän absichtlich aus dem Cockpit aussperrte. Die Regel besagte, daß sich zu jedem Zeitpunkt zwei autorisierte Personen im Cockpit aufhalten müssen. Verließ ein Pilot den Arbeitsplatz, etwa für einen Toilettengang, mußte ein anderes Besatzungsmitglied eintreten. Die EASA hob diese Regel jedoch 2017 wieder auf und überließ die Entscheidung den einzelnen Fluggesellschaften, wodurch es heute keinen einheitlichen Standard mehr gibt.

Die menschliche Variable: Disziplin und das Vertrauen der Passagiere

Der Vorfall um Flug BA 173 wirft die Frage auf, wie ein erfahrener Pilot, der die strengen Vorschriften und die Konsequenzen eines Verstoßes kennen muß, solch ein unprofessionelles Verhalten an den Tag legen konnte. Der Fall ist ein Beispiel für ein Versagen des Urteilsvermögens, das weit über einen „normalen“ Fehler im Flugbetrieb hinausgeht. Die Passagiere, deren Vertrauen in die Sicherheit der Airline essentiell ist, bemerkten den Verstoß und reagierten beunruhigt. In einer Branche, deren Ruf auf dem Vertrauen in absolute Sicherheit und Professionalität beruht, ist jeder Verstoß – sei er auch nur scheinbar trivial – ein Rückschlag.

Obwohl British Airways nach einer Untersuchung zu dem Schluß kam, daß keine Sicherheitsbedrohung bestand, ist die Tatsache, daß der Pilot disziplinarische Konsequenzen zu tragen hatte, ein deutliches Signal an die gesamte Belegschaft. Es ist die klare Botschaft, daß die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen nicht verhandelbar ist. Die ökonomischen Konsequenzen, wie die Absage des Rückfluges und die damit verbundenen Kosten, zeigen zudem, daß die Nachlässigkeit eines einzelnen Individuums erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Betrieb eines Unternehmens haben kann.

Eine Serie von Vorkommnissen: Ein Blick auf andere Fälle von Pilotenfehlverhalten

Der Vorfall bei British Airways ist bei weitem kein Einzelfall in der jüngsten Vergangenheit. Die Luftfahrtindustrie hat in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Schlagzeilen erlebt, in denen das Verhalten von Piloten zu disziplinarischen Maßnahmen führte. Die Bandbreite reicht von persönlichem Fehlverhalten bis hin zu Verstößen gegen die Sicherheit.

So wurde ein Pilot der Fluggesellschaft Easyjet suspendiert, nachdem er sich angeblich betrunken und nackt in einem Luxusresort auf Cabo Verde aufgehalten hatte, nur Stunden vor einem geplanten Flug nach London. Bei den Fluggesellschaften Delta Air Lines und Spirit Airlines gab es sogar schwerwiegendere Fälle: Piloten wurden am Flughafen verhaftet und mit Anschuldigungen in Verbindung gebracht, die das moralische und professionelle Ansehen der gesamten Zunft in Frage stellen. Ein Pilot von Southwest Airlines wurde auf Video festgehalten, wie er direkt vor einem geplanten Flug bei einem Alkoholtest durchfiel. Die Häufung solcher Berichte in den Medien schürt eine Debatte über die Überwachung von Piloten und die Standards, die an diesen Beruf gestellt werden. Im Kontrast dazu gab es auch einen Fall bei British Airways, bei dem ein Pilot mit einer starken Funkkommunikation in San Francisco viral ging, was jedoch zu keinerlei disziplinarischen Konsequenzen führte und in der Öffentlichkeit eher Unterstützung fand.

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