Nach einer intensiven Phase der Unsicherheit und einer drohenden Zerschlagung ist dem deutschen Start-up-Unternehmen Lilium ein Durchbruch gelungen: Das Unternehmen, das sich auf die Entwicklung elektrisch betriebener Senkrechtstarter spezialisiert hat, konnte ein Investorenkonsortium gewinnen, um seinen Betrieb fortzuführen. An Heiligabend wurde bekanntgegeben, daß die Mobile Uplift Corporation das Betriebsvermögen der Lilium-Tochtergesellschaften übernehmen wird. Dieser Schritt markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens, das sich trotz großer Visionen und beeindruckender technologischer Fortschritte in einer tiefen finanziellen Krise befand.
Lilium, einst gefeiert als Vorreiter in der Luftfahrtindustrie, meldete im Oktober 2023 Insolvenz an, da dem Unternehmen auf der Zielgeraden zu seinen ehrgeizigen Zielen das Geld ausging. Die Entwicklung eines elektrisch betriebenen Kleinflugzeuges, das senkrecht starten und landen kann, ist eine technische Meisterleistung – doch die finanziellen Herausforderungen erwiesen sich als noch größere Hürde.
Die Rettung kam buchstäblich in letzter Minute: Ein Team unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Klaus Roewe und unterstützt von der Unternehmensberatung KPMG konnte die Mobile Uplift Corporation als Investor gewinnen. Dieses Konsortium, das aus Investoren aus Europa und Nordamerika besteht, unterzeichnete einen Kaufvertrag für die Betriebsvermögen der Tochtergesellschaften Lilium GmbH und Lilium eAircraft GmbH. Nach Angaben des Unternehmens soll der Abschluß der Transaktion Anfang Januar 2024 erfolgen, vorbehaltlich der Erfüllung bestimmter Bedingungen.
„Wir freuen uns sehr, die Unterzeichnung einer Investitionsvereinbarung mit einem erfahrenen Investorenkonsortium bekanntzugeben“, erklärte Roewe. Dies werde es Lilium ermöglichen, die Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen und das ambitionierte Projekt eines bemannten Testflugs Anfang 2025 fortzusetzen.
Restrukturierung und neue Hoffnungen
Im Zuge der Transaktion sollen die Tochtergesellschaften restrukturiert werden, wodurch das vom Amtsgericht Weilheim angeordnete vorläufige Insolvenzverfahren beendet werden kann. Rund 750 der zuvor entlassenen 1.000 Mitarbeiter sollen zurückgeholt werden, was nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die betroffenen Beschäftigten eine entscheidende Wendung bedeutet.
Lilium verfügt über rund 700 Fest- und Vorbestellungen aus verschiedenen Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich und Saudi-Arabien. Diese beeindruckende Nachfrage zeigt das Vertrauen von Kunden und Partnern in die Technologie und Vision des Unternehmens. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung erheblich: Allein im ersten Halbjahr 2024 wurden fast 200 Millionen Euro ausgegeben, und das anstehende Zulassungsverfahren sowie der Aufbau einer Serienproduktion erfordern weitere massive Investitionen.
Kritik und Ablehnung einer Kreditbürgschaft
Nicht alle Maßnahmen zur Rettung des Unternehmens fanden Unterstützung. Ein Antrag auf eine Kreditbürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro wurde von der Bundesregierung abgelehnt. Diese Entscheidung löste in der Branche und in Teilen der Politik Diskussionen aus, da Lilium als eines der innovativsten deutschen Technologieunternehmen gilt.
Trotz dieser Rückschläge bleibt die Zukunft des Unternehmens nicht ohne Perspektive. Das Engagement des neuen Investorenkonsortiums und die weiterhin bestehende Nachfrage nach umweltfreundlichen Mobilitätslösungen in der Luftfahrt geben Anlaß zur Hoffnung, daß Lilium seine ambitionierten Ziele erreichen kann.
Technologische Innovation mit Hindernissen
Das Herzstück der Lilium-Technologie ist ein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug, das senkrecht starten und landen kann. Diese Technologie soll die urbane Mobilität revolutionieren und neue Möglichkeiten für Kurzstreckenflüge schaffen. Der erste bemannte Testflug ist für 2025 geplant, während die erste Auslieferung an Kunden im Jahr 2026 erfolgen soll.
Der Weg dorthin ist jedoch von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Neben den hohen Kosten für Entwicklung, Zulassung und Produktion steht das Unternehmen weiterhin unter dem Druck, die Erwartungen der Investoren zu erfüllen und gleichzeitig die Technologie auf höchstem Niveau zu perfektionieren.
Mit der Übernahme durch die Mobile Uplift Corporation hat Lilium eine zweite Chance erhalten, sich auf dem Markt zu behaupten. Ob das Unternehmen jedoch die finanziellen und operativen Herausforderungen meistern kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für die Luftfahrtbranche bleibt Lilium ein faszinierendes Beispiel für die Möglichkeiten und Risiken bahnbrechender Technologien.