Die baltische NATO– und EU-Nation Litauen hält einen Teil ihres Luftraums entlang der Ostgrenze zum eng mit Russland verbündeten Belarus weiterhin gesperrt. Die ursprünglich bis Oktober befristete Anordnung wurde nun bis zum 1. Dezember verlängert, wie die litauische Armee über die Nachrichtenagentur BNS mitteilte. Die Maßnahme war im August angesichts der angespannten Sicherheitslage und der Risiken durch mögliche Luftraumverletzungen mit Drohnen eingeführt worden, insbesondere im Vorfeld des russisch-belarussischen Militärmanövers „Sapad“ (Westen).
Die Verteidigungsministerin, Dovilè Sakalienè, begründete die Verlängerung mit der Notwendigkeit, neu beschlossene Gesetzesänderungen zur Drohnenabwehr vollständig umzusetzen. Diese Änderungen, die das litauische Parlament in der Vorwoche verabschiedet hatte, erlauben es der Armee, unbemannte Flugobjekte schneller und einfacher zu neutralisieren, notfalls auch durch Abschuss. Nach den Worten der Ministerin müssen noch „bestimmte Verfahren und Algorithmen festgelegt und das System so vorbereitet werden, dass es in der Praxis funktionieren“ kann. Bis diese technischen und operativen Anpassungen abgeschlossen sind, bleibe die Sperrung des Luftraums bestehen. Die erhöhte Vorsicht Litauens ist eine direkte Reaktion auf wiederholte Grenzverletzungen. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind mehrfach Drohnen in den litauischen Luftraum eingedrungen. Medienberichten zufolge waren darunter im Juli auch zwei sogenannte Gerbera-Drohnen russischer Bauart, von denen eine mit Sprengstoff beladen war und auf litauischem Territorium abstürzte. Solche Vorfälle stellten nicht nur eine Bedrohung für die nationale Sicherheit Litauens, sondern auch für die zivile Luftfahrt dar. Die etwa 679 Kilometer lange Grenze zu Belarus ist zugleich Teil der EU-Außengrenze, was die regionale und bündnispolitische Dimension des Sicherheitsproblems unterstreicht.