Die deutsche Luftfrachtbranche sieht den Logistikstandort Bundesrepublik durch erhebliche Defizite im Bereich der sogenannten Straßenersatzverkehre (Road Feeder Services, RFS) belastet. Bei einem Fachforum des Branchenverbandes Aircargo Club Deutschland (ACD) in Frankfurt am Main wiesen Logistikunternehmer und Speditionsvertreter auf wachsende operationelle Hürden hin, welche die Abwicklung zeitkritischer Frachtströme blockieren.
Da ein Großteil des Gütertransports zwischen europäischen Flughäfen mangels rentabler Kurzstreckenflüge per Lkw unter Flugnummer abgewickelt wird, wirken sich Ineffizienzen im Straßensektor unmittelbar auf die Lieferketten im internationalen Luftverkehr aus. Als primäre Problemfelder nannte das Branchennetzwerk eine mangelhafte behördliche Digitalisierung, den akuten Personalmangel im Fahrsektor sowie regulatorische Barrieren bei der Flottenumstellung.
Ein wesentlicher Kritikpunkt der Logistikexperten betrifft den geringen Digitalisierungsgrad an den Schnittstellen zwischen Flughäfen, Zollbehörden und Transportunternehmen. Sogenannte Medienbrüche und das Festhalten an papierbasierten Dokumentationsprozessen führen im täglichen Betrieb zu Abfertigungsverzögerungen an den Frachtterminals. Da im Luftfrachtsegment Schnelligkeit das primäre Produktmerkmal darstellt, entwertet der administrative Stau am Boden den Zeitvorteil des eigentlichen Flugtransports. Christopher Stoller, Präsident des Aircargo Club Deutschland, betonte in diesem Zusammenhang, dass die gesamte Transportkette durch bürokratische Auflagen unnötig belastet werde, was die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen im Vergleich zu europäischen Konkurrenz-Drehkreuzen schwäche.
Verschärft wird die Situation durch den anhaltenden Fahrermangel im Straßengüterverkehr, der den verlässlichen Einsatz von Transportkapazitäten erschwert. Zudem stoßen Unternehmen beim politisch gewünschten Umstieg auf batterieelektrische Nutzfahrzeuge im internationalen Fernverkehr auf enge Grenzen. Als Haupthemmnisse gelten die hohen Anschaffungskosten für E-Lkw sowie eine unzureichende Ladeinfrastruktur an den Transportrouten und Frachthöfen. Solange keine flächendeckende Stromversorgung für schwere Nutzfahrzeuge gewährleistet ist, lohnen sich entsprechende Investitionen für die Speditionen wirtschaftlich nicht. Als kurzfristig umsetzbare, praxisnahe Übergangslösung fordern Verbandsmitglieder wie Christine Reischl daher die verstärkte Zulassung von Lang-Lkw, um das Transportvolumen pro Fahrt zu steigern und Personalengpässe abzufedern.
Branchenanalysten betrachten die Forderungen des Verbandes als Reaktion auf eine drohende Abwanderung von Frachtströmen an internationale Logistikhubs außerhalb Deutschlands. Steigende staatliche Standortkosten und Infrastrukturmängel führen bereits dazu, dass Speditionen Güter vermehrt über benachbarte europäische Flughäfen abwickeln. Neben technischen und personellen Investitionen sieht die Branche daher vor allem die Politik in der Pflicht, durch einheitliche europäische Regelungen und den Abbau bürokratischer Hürden bei alternativen Antrieben die Rahmenbedingungen für den Straßentransport zu verbessern.