Flughafen London-Gatwick (Foto: Gatwick Airport).
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London-Gatwick: Fund einer leblosen Person im Fahrwerkschacht

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Die britischen Strafverfolgungsbehörden und die Luftaufsicht stehen vor einer komplexen Untersuchung auf dem Flughafen London-Gatwick. Am Dienstagvormittag des 16. Juni 2026 stießen Bodenmitarbeiter bei einer routinemäßigen Inspektion nach der Landung einer Maschine aus Marokko auf den Leichnam eines Mannes im Fahrwerkschacht.

Das Flugzeug der Gesellschaft Air Arabia Maroc hatte kurz zuvor die nordafrikanische Küstenstadt Tanger verlassen und befand sich auf einem regulären Linienflug in das Vereinigte Königreich. Der Vorfall löste einen Großeinsatz der Rettungskräfte und der Polizei von Sussex aus, während der betroffene Bereich des Rollfelds zeitweise für die Spurensicherung abgesperrt werden musste. Neben der Identifizierung des Verstorbenen konzentrieren sich die behördlichen Ermittlungen vor allem auf die Sicherheitsvorkehrungen am Abflughafen in Tanger. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die extremen physischen Gefahren von illegalen Mitreiseversuchen in den technischen Hohlräumen von Verkehrsflugzeugen sowie auf die anhaltenden Herausforderungen bei der Überwachung von internationalen Flughafenperimetern.

Ablauf des Vorfalls auf dem Rollfeld und unmittelbare Reaktion der Behörden

Der Vorfall ereignete sich im direkten Anschluss an die Landung des Fluges mit der Flugnummer 3O102. Die Maschine des Typs Airbus A320 hatte planmäßig in Tanger abgehoben und setzte gegen Mitte des Vormittags auf der Landebahn des zweitgrößten Londoner Flughafens auf. Nach dem Erreichen der zugewiesenen Parkposition bemerkte das Bodenpersonal während der ersten technischen Durchsicht Unregelmäßigkeiten im Bereich des Hauptfahrwerks. Umgehend nach der Entdeckung der leblosen Person im Unterbau der Maschine wurden gegen 11:30 Uhr Ortszeit die Flughafenrettungskräfte sowie die zuständige Dienststelle der Sussex Police alarmiert.

Sowohl die Fluggesellschaft Air Arabia Maroc als auch das Management des Flughafens Gatwick bestätigten den Vorfall kurz darauf in offiziellen Stellungnahmen. Die Airline betonte, dass man nach der Identifizierung des Vorfalls sofort die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt habe und nun eng mit den britischen Ermittlern kooperiere. Zu Details über die Identität des Mannes oder die genauen Umstände, wie dieser Zugang zum abgesperrten Sicherheitsbereich in Marokko erlangen konnte, machten bisher weder die Fluggesellschaft noch die Ermittlungsbehörden nähere Angaben. Die Polizei von Sussex gab bekannt, dass ein umfassender Untersuchungsbericht für den zuständigen Gerichtsmediziner, den HM Coroner, erstellt wird, um die genaue Todesursache und die Identität des Mannes rechtlich einwandfrei festzustellen. Der geplante Rückflug der Maschine nach Marokko musste für die Dauer der polizeilichen Maßnahmen und der kriminaltechnischen Untersuchung um mehrere Stunden verschoben werden.

Extreme physische Risiken und medizinische Aspekte von Mitreiseversuchen im Fahrwerk

Der Fund in London-Gatwick verdeutlicht auf tragische Weise die physikalischen Bedingungen, die in den ungeschützten Bereichen eines fliegenden Verkehrsflugzeugs vorherrschen. Der Radkasten eines Passagierjets zählt zu den gefährlichsten Orten überhaupt, um als blinder Passagier zu reisen. Die Überlebenschancen bei Flügen in großen Höhen tendieren statistisch gegen Null, da diese Hohlräume im Gegensatz zur Passagierkabine weder über eine Druckregulierung noch über eine Beheizung verfügen.

Luftfahrtmediziner und technische Experten verweisen auf eine Reihe von tödlichen Faktoren, die während eines solchen Fluges bereits kurz nach dem Start einsetzen. Unmittelbar nach dem Abheben wird das Fahrwerk mechanisch in den Rumpf eingezogen. In diesem Moment besteht für Personen im Fahrwerkschacht das akute Risiko, von den massiven Hydraulikstangen und den schweren Reifenelementen erdrückt zu werden. Übersteht eine Person diese Phase, setzen bei Erreichen der Reiseflughöhe, die bei einem Airbus A320 meist zwischen 10.000 und 12.000 Metern liegt, extreme Umweltbedingungen ein. Die Außentemperaturen sinken in diesen Höhenbereichen auf Werte von bis zu minus 50 bis minus 60 Grad Celsius, was innerhalb kürzester Zeit zu einer tödlichen Unterkühlung führt. Zudem sinkt der Sauerstoffpartialdruck drastisch, sodass nach wenigen Minuten eine schwere Hypoxie, also ein akuter Sauerstoffmangel im Gehirn, eintritt, der zur Bewusstlosigkeit und schließlich zum Erstickungstod führt. Sollte eine Person während des Fluges einfrieren, besteht beim erneuten Ausfahren des Fahrwerks vor der Landung zudem die Gefahr, bewusstlos aus dem Flugzeug zu stürzen.

Historische Parallelen und die Problematik der internationalen Flughafensicherheit

Ein Blick in die jüngere Luftfahrtgeschichte zeigt, dass es sich bei dem Vorfall in Gatwick nicht um ein isoliertes Ereignis handelt. Bereits im Dezember 2022 wurde auf demselben Flughafen die Leiche eines Mannes im Fahrwerk einer Maschine der Fluggesellschaft TUI Airways entdeckt, die aus Banjul in Gambia eingetroffen war. Die anschließende britische Untersuchung bestätigte damals als offizielle Todesursache das Erfrieren des Passagiers. Weltweit werden den internationalen Luftfahrtbehörden immer wieder ähnliche Fälle gemeldet, die fast ausnahmslos tödlich enden.

Diese Vorfälle werfen regelmäßig gravierende Fragen bezüglich der Sicherheitsstandards an den Herkunftsflughäfen auf. Internationale Abkommen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation verpflichten alle Mitgliedsstaaten zu einer lückenlosen Überwachung der Flughafenzäune, der Hangars und der Vorfelder. Das unbemerkte Eindringen in den Fahrwerkschacht erfordert in der Regel, dass sich eine Person entweder nachts auf dem Rollfeld versteckt oder die Sicherheitsbarrieren an den Außenzäunen überwindet, während das Flugzeug für den Abflug vorbereitet wird. Im aktuellen Fall werden die marokkanischen Luftfahrtbehörden in enger Abstimmung mit den britischen Ermittlern die Überwachungsvideos des Flughafens in Tanger auswerten müssen, um die Sicherheitslücke zu identifizieren und zukünftige Vorfälle dieser Art durch verschärfte Kontrollen zu verhindern.

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