Am späten Nachmittag dieses Sonntags kam es am Londoner Flughafen Heathrow zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte, der die Evakuierung des gesamten Abflugbereichs in Terminal 4 zur Folge hatte. Feuerwehr, Polizei und Sanitäter wurden zu einem mutmaßlichen „Gefahrstoffvorfall“ gerufen, nachdem mehrere Personen über Unwohlsein geklagt hatten.
Trotz der umfassenden Vorsichtsmaßnahmen und der sofortigen Räumung des Bereichs konnte die Metropolpolizei später Entwarnung geben: Es wurde keine gefährliche Substanz gefunden. Dennoch mußten rund 20 Personen medizinisch betreut werden, die über leichte Verletzungen klagten. Die Behörden vermuten, daß der Vorfall auf eine Form der „Massenhysterie“ zurückzuführen sein könnte. Der Zwischenfall, der dreieinhalb Stunden andauerte, zeigt, wie sensibel die Sicherheitsvorkehrungen an einem der größten Flughäfen der Welt sind.
Schreckmoment und rasche Reaktion
Der Alarm wurde gegen 17:00 Uhr Ortszeit ausgelöst, als die Londoner Feuerwehr (London Fire Brigade) zu einem Einsatz in Terminal 4 gerufen wurde. Sofort entsandten die Einsatzkräfte Spezialteams, um die Lage zu beurteilen. Aus reiner Vorsicht wurde der gesamte Check-in-Bereich geräumt, während die Experten die Lage untersuchten. Die Metropolpolizei bestätigte in einer späteren Mitteilung, daß die Notfallmaßnahmen unverzüglich eingeleitet wurden, um die Sicherheit von Passagieren und Personal zu gewährleisten.
Der Vorfall wurde nach etwa dreieinhalb Stunden für beendet erklärt, und die Behörden gaben Entwarnung. „Es wurde keine Spur einer schädlichen Substanz gefunden“, bestätigte die Metropolpolizei. Obwohl die Ursache des Unwohlseins unklar blieb, deuteten die Behörden an, daß es sich um eine Form von Massenpanik oder Hysterie handeln könnte, die auf eine anfängliche, falsche Wahrnehmung zurückzuführen war. Insgesamt 20 Personen klagten über leichte Beschwerden, die jedoch keine lebensbedrohlichen oder bleibenden Schäden hinterließen.
Der Flughafen Heathrow entschuldigte sich in einer Stellungnahme für die verursachten Unannehmlichkeiten und betonte, daß die Sicherheit von Passagieren und Mitarbeitern oberste Priorität habe. Trotz der Evakuierung und des Großeinsatzes der Rettungskräfte gab es keine Berichte über Flugausfälle oder größere Verspätungen am Terminal 4. Die Fluggesellschaften, die das Terminal nutzen, darunter eine Vielzahl von internationalen Carriern wie Qatar Airways, Korean Air und KLM, konnten ihren Betrieb weitgehend aufrechterhalten.
Terminal 4: Das Tor zum Fernverkehr
Terminal 4, das südlich der Start- und Landebahnen von Heathrow liegt, ist ein wichtiger Umschlagplatz für den internationalen Flugverkehr. Es bedient eine breite Palette von Fluggesellschaften, die Langstreckenflüge nach Asien, in den Nahen Osten und nach Afrika anbieten. Das Terminal, das auch die Heimat mehrerer Premium-Lounges ist, war während der Pandemie für zwei Jahre geschlossen und wurde erst im Juni 2022 wiedereröffnet. Während der Schließung wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt, die die Modernisierung der Klimaanlagen, der Bäder und der Gepäckkontrollsysteme umfaßten.
Der aktuelle Vorfall wirft die Frage auf, wie Flughäfen auf ungewöhnliche Ereignisse reagieren, die nicht direkt mit technischen Problemen an Flugzeugen zusammenhängen. Das schnelle und umfassende Eingreifen der Behörden zeigt, daß die Protokolle für derartige Notfälle funktionieren. Gleichzeitig unterstreicht es die verletzliche Natur der Flughafeninfrastruktur, die selbst durch einen unbegründeten Verdacht auf eine Gefahrstoffsituation zum Stillstand gebracht werden kann.
Erinnerungen an den totalen Zusammenbruch
Obwohl der jüngste Vorfall in Terminal 4 relativ glimpflich ausging, erinnert er an ein viel gravierenderes Ereignis, das London Heathrow nur wenige Monate zuvor erschütterte. Am 21. März 2025 legte ein Brand in einem elektrischen Umspannwerk in Hayes, nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt, den gesamten Flugbetrieb lahm. Die Stromversorgung des Flughafens brach zusammen, was zu einem kompletten Stillstand führte.
Die Folgen waren verheerend. Über 1.000 Flüge wurden gestrichen, und rund 270.000 Passagiere waren von den massiven Störungen betroffen. Piloten mußten ihre Flugzeuge umleiten, was zu einem globalen Domino-Effekt führte. Flughäfen in Europa, darunter London Gatwick, Amsterdam Schiphol und Paris Charles de Gaulle, nahmen einen Großteil des europäischen Verkehrs auf. Auch kleinere Flughäfen wie Shannon und Birmingham mußten ausweichende Flugzeuge aufnehmen.
Der Flughafen blieb für einen ganzen Tag geschlossen. Für die Fluggesellschaft British Airways, die als größter Betreiber in Heathrow gilt, war dies ein harter Schlag. Sie mußte ihren gesamten Flugplan für den Tag annullieren und erlitt allein im ersten Quartal 2025 Kosten von über 50 Millionen US-Dollar.
Die beiden Vorfälle, obwohl von unterschiedlicher Natur, verdeutlichen die immense Bedeutung von kritischer Infrastruktur in der Luftfahrt. Während der Stromausfall eine unmittelbare und unzweideutige Katastrophe darstellte, zeigt der jüngste Vorfall, wie ein nicht verifizierter Verdacht eine Kaskade von Sicherheitsmaßnahmen auslösen und zu erheblichen Störungen führen kann. Die reibungslose Koordination der Rettungsdienste am Sonntag hat jedoch bewiesen, daß Heathrow aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat und in der Lage ist, schnell und effektiv auf Notfälle zu reagieren.