Eine Untersuchung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) im Auftrag des Mietwagenbrokers Sunny Cars zeigt ein spezifisches Buchungsverhalten deutscher Urlaubsgäste.
Bei rund neun Prozent aller Urlaubsreisen mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen greifen deutsche Reisende auf einen Mietwagen zurück, was rechnerisch rund sechs Millionen Reisen entspricht. Etwa 90 Prozent dieser Anmietungen erfolgen im Rahmen der Haupturlaubsreise des Jahres, wobei knapp zwei Drittel der Fahrten auf klassische Pauschalreisen entfallen. Mit einem durchschnittlichen Urlaubsbudget von knapp 2.000 Euro pro Person und einer Reisedauer von 15 Tagen konzentrieren sich diese Buchungen vor allem auf die Sommermonate Juni bis September mit den Hauptzielgebieten Spanien, Griechenland und Portugal.
Die Erhebung verdeutlicht eine zeitliche Divergenz zwischen dem Entschluss zum Mietwagen und der tatsächlichen Reservierung. Während sich 61 Prozent der Befragten bereits einen Monat oder früher vor Reiseantritt für die Nutzung eines Leihwagens entscheiden, nimmt ein beträchtlicher Teil die verbindliche Reservierung erst deutlich später vor. Bei drei von vier Reisen wird das Fahrzeug nicht zusammen mit der Hauptreise gebucht, sondern im Anschluss separat über digitale Vermittler oder Direktanbieter reserviert.
Für den stationären Reisevertrieb ergibt sich aus der Erhebung ein ungenutztes Ertragspotenzial. Der Vermittler Sunny Cars sieht im frühzeitigen Ansprechen von Mietwagenangeboten im Beratungsprozess eine Möglichkeit für Reisebüros, zusätzliche Margen zu sichern. Das nachträgliche Ausweichen von Kunden auf andere Buchungskanäle zeigt jedoch, dass Beratungsstellen am Point of Sale Mietwagenangebote bislang oft nur nachrangig behandeln oder preislich nicht gegen spezialisierte Online-Vergleichsportale bestehen können.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die späte Festlegung von Urlaubern auch durch schwankende Mietpreise und unübersichtliche Stornobedingungen bei der Fahrzeuganmietung beeinflusst wird. Viele Kunden vergleichen Preise über einen längeren Zeitraum und warten mit der Buchung ab, um flexible Tarife zu nutzen. Für Reiseveranstalter und Vermittler bleibt die Einbindung von Zusatzleistungen in die Erstberatung eine operative Herausforderung, da der Mehraufwand im Verkaufsgespräch nicht immer durch die erzielten Provisionen gedeckt wird.