Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage Kubas hat im Februar 2026 eine neue Eskalationsstufe erreicht. Aufgrund eines massiven Mangels an Kerosin sah sich die kubanische Regierung gezwungen, den Verkauf von Flugtreibstoff an ausländische Fluggesellschaften mit sofortiger Wirkung einzustellen.
Diese Entscheidung, die alle internationalen Flughäfen des Inselstaates betrifft, folgt auf einen verschärften wirtschaftlichen Druck durch die Vereinigten Staaten von Amerika, die ihre Sanktionspolitik gegenüber Havanna drastisch ausgeweitet haben. Der Mangel droht nicht nur den für die Devisenbeschaffung lebensnotwendigen Tourismussektor weiter zu schwächen, sondern stellt internationale Carrier vor massive logistische und finanzielle Herausforderungen. Experten befürchten weitreichende Flugstreichungen und eine zunehmende Isolation der Insel, da viele Flugzeugtypen für die Rückflüge auf lokale Betankungen angewiesen sind.
Erschöpfte Reserven und der Druck aus Washington
Am 9. Februar 2026 erklärten die kubanischen Behörden offiziell, dass die nationalen Vorräte an Flugkraftstoff aufgebraucht seien. Ein konkreter Zeitplan für die Wiederaufnahme der Versorgung konnte nicht genannt werden. Auslöser für diesen Engpass ist eine verschärfte Strategie der Trump-Administration, die den Druck auf Kubas Energieversorgung gezielt erhöht hat. Das Weiße Haus deklarierte die kubanische Regierung jüngst erneut als eine ungewöhnliche und außerordentliche Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten. Diese Einstufung ermöglicht es Washington, weitreichende wirtschaftliche Restriktionen durchzusetzen und insbesondere Drittstaaten davor zu warnen, Öl oder raffinierte Erdölprodukte an die Insel zu liefern.
Besonders wirkungsvoll erwies sich die Drohung mit Strafzöllen gegen Länder, die weiterhin als Energielieferanten für Kuba auftreten. Dies führte unter anderem dazu, dass Mexiko, ein bisher verlässlicher Partner, seine Lieferungen von Rohöl und Raffinerieprodukten vorerst ausgesetzt hat. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte zwar, man prüfe diplomatische Wege und humanitäre Hilfe, doch ein Ende des Lieferstopps ist derzeit nicht in Sicht. Ohne diese Importe bricht die kubanische Energiebilanz zusammen, da die heimischen Raffineriekapazitäten veraltet und für die Produktion moderner Luftfahrtkraftstoffe kaum ausreichend sind.
Operative Hürden für den internationalen Flugverkehr
Für internationale Fluggesellschaften bedeutet die aktuelle Situation ein logistisches Dilemma. Um den Betrieb nach Havanna, Varadero oder Holguín aufrechtzuerhalten, müssen die Airlines nun Strategien anwenden, die den Flugbetrieb deutlich verteuern. Eine Option besteht im sogenannten Tankering, bei dem die Flugzeuge bereits beim Abflug im Heimatland oder an einem Zwischenstopp genügend Treibstoff für den gesamten Hin- und Rückflug aufnehmen.
Dies ist jedoch aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen erhöht das zusätzliche Gewicht des Treibstoffs den Verbrauch und verringert die maximale Nutzlast, was bedeutet, dass weniger Passagiere oder Fracht befördert werden können. Zum anderen stoßen insbesondere kleinere Maschinen auf regionalen Routen an ihre technischen Kapazitätsgrenzen; sie können schlicht nicht genug Kerosin für eine Rundreise ohne Zwischenstopp laden. Für diese Verbindungen müssen nun alternative Tankstopps in Drittländern wie der Dominikanischen Republik oder auf den Bahamas eingeplant werden, was die Flugzeiten verlängert und zusätzliche Landegebühren verursacht.
Kaskadeneffekte auf die kubanische Binnenwirtschaft
Die Auswirkungen des Treibstoffmangels beschränken sich nicht nur auf den Luftraum. Die kubanische Regierung hat bereits umfassende Rationierungsmaßnahmen für das gesamte Land angeordnet. Dazu gehören strikte Limits beim Verkauf von Benzin und Diesel an Tankstellen, verkürzte Arbeitswochen in staatlichen Betrieben sowie reduzierte Unterrichtszeiten an Schulen. Selbst prominente Touristenattraktionen mussten temporär schließen, um Energie zu sparen.
Der Tourismus, der als wichtigste Quelle für harte Devisen gilt, leidet unter einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen. Die offiziellen Ziele für das Jahr 2026 liegen bereits jetzt in weiter Ferne. Die Nachricht, dass der Flugverkehr unsicher ist, schreckt internationale Reiseveranstalter ab und führt zu Stornierungswellen. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla verurteilte die Maßnahmen der Vereinigten Staaten scharf und bezeichnete sie als wirtschaftliche Nötigung mit dem Ziel, die Insel vollständig zu isolieren. Er wies darauf hin, dass die alternde Infrastruktur des Landes durch die jahrzehntelange Unterinvestition ohnehin vulnerabel sei und nun durch die gezielte Blockade der Energiemärkte an den Rand des Kollapses getrieben werde.
Die Rolle der internationalen Partner
Russland, einer der engsten Verbündeten Havannas, bezeichnete die Lage als wahrhaft kritisch. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, dass der Druck der Vereinigten Staaten erhebliche Schwierigkeiten für Kuba geschaffen habe. Moskau stehe in engem Kontakt mit den kubanischen Behörden, um nach Lösungen zu suchen. Dennoch ist die physische Lieferung von Treibstoff über den Atlantik logistisch aufwendig und kostspielig, insbesondere wenn Tanker mit Sanktionen belegt werden könnten.
Während die kubanischen Fluggesellschaften versuchen, ihre internationalen Routen durch Tankstopps im Ausland aufrechtzuerhalten, wächst die Sorge vor einer dauerhaften Einstellung vieler Verbindungen durch ausländische Carrier. Einige Fluggesellschaften haben bereits angekündigt, ihre Frequenzen zu reduzieren oder den Dienst ganz auszusetzen, sollte der Mangel länger als einige Wochen anhalten. Das Risiko, dass eine Maschine aufgrund technischer Probleme oder unvorhergesehener Wetterereignisse in Kuba festsitzt und ohne Treibstoffvorrat nicht mehr starten kann, wird von vielen Sicherheitsabteilungen der Airlines als zu hoch eingestuft.
Strukturelle Defizite und langfristige Aussichten
Hinter der aktuellen Krise stehen Jahre struktureller Probleme. Kuba verfügt zwar über eigene Rohölvorkommen, diese sind jedoch schwer und schwefelhaltig, was die Verarbeitung in den bestehenden Raffinerien erschwert. Der Mangel an Zugang zu globalen Finanzmärkten verhindert die notwendige Modernisierung der Energieinfrastruktur. In der Vergangenheit konnte das Land diese Defizite durch vorteilhafte Abkommen mit Ländern wie Venezuela ausgleichen, doch auch diese Quellen sind versiegt oder politisch instabil geworden.
Die internationale Luftfahrtbranche beobachtet die Entwicklungen genau. Sollte Havanna nicht in der Lage sein, eine minimale Versorgung für Notfälle oder bestimmte Kernrouten sicherzustellen, droht Kuba ein Rückfall in eine Phase der Isolation, die an die schwersten Zeiten der Wirtschaftsgeschichte des Landes erinnert. Für die Bevölkerung bedeutet dies nicht nur Einschränkungen in der Mobilität, sondern auch eine Verschlechterung der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern, die oft per Luftfracht ins Land kommen.