Die führenden Organisationen des europäischen Luftverkehrs, ACI EUROPE, Airlines for Europe (A4E) und der Weltluftfahrtverband IATA, schlagen Alarm wegen massiver Probleme bei der Einführung des neuen Schengen-Ein- und Ausreisesystems (EES). In einem dringenden Appell an den EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, weisen die Verbände darauf hin, dass bereits in der aktuellen Phase der schrittweisen Implementierung Wartezeiten von bis zu zwei Stunden an den Grenzkontrollen der Flughäfen zur Regel werden. Derzeit müssen bereits 35 % aller Drittstaatsangehörigen biometrisch registriert werden, was die vorhandene Infrastruktur und das Personal an ihre Belastungsgrenzen bringt.
Die Branchenvertreter benennen drei Hauptursachen für die prekäre Lage: eine chronische Unterbesetzung der Grenzkontrollstellen durch die nationalen Behörden, erhebliche technologische Mängel bei den automatisierten Kontrollsystemen sowie eine mangelnde Akzeptanz der Frontex-Vorregistrierungs-App durch die Mitgliedstaaten. Ohne sofortige Korrekturen drohe in der bevorstehenden Sommerreisezeit im Juli und August ein völliger Zusammenbruch der Abfertigungsprozesse. Prognosen der Verbände gehen davon aus, dass sich die Wartezeiten bei einem Anstieg des Passagieraufkommens auf über vier Stunden verdoppeln könnten, was den Ruf Europas als Reiseziel nachhaltig beschädigen würde.
Ein zentraler Forderungspunkt ist die Flexibilisierung der EU-Verordnung 2025/1534. Die Verbände verlangen von der Europäischen Kommission die rechtliche Bestätigung, dass die Mitgliedstaaten das EES-Verfahren bis Ende Oktober 2026 bei Bedarf teilweise oder vollständig aussetzen dürfen. Nach aktuellem Stand würden die Aussetzungsmechanismen pünktlich zum Beginn der Hauptreisesaison im Juli auslaufen. Die Luftfahrtindustrie kritisiert eine gravierende Diskrepanz zwischen der positiven Wahrnehmung der EU-Institutionen und der tatsächlichen betrieblichen Realität an den Terminals, wo Passagiere aus Nicht-EU-Ländern bereits jetzt mit erheblichen Unannehmlichkeiten konfrontiert sind.
Zusätzliche Berichte aus Sicherheitskreisen stützen die Bedenken der Verbände und weisen darauf hin, dass die komplexe Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsscans bei Erstregistrierungen pro Person mehrere Minuten in Anspruch nimmt. Dies führt bei großen Ankunftswellen aus den USA, Großbritannien oder Asien zu einem Rückstau, der die räumlichen Kapazitäten vieler Flughäfen übersteigt. Die Airline-Chefs fordern daher eine pragmatische Anwendung des Schengener Grenzkodex, um in Phasen extremen Aufkommens Kontrollen lockern zu können und so die Sicherheit sowie den geordneten Betrieb an den europäischen Drehkreuzen zu gewährleisten.