Boeing 787 (Foto: Granit Pireci).
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Luftfahrtzwischenfall über dem Pazifik: Air Canada Boeing 787 muss nach Geruchsentwicklung umkehren

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Ein Langstreckenflug der Air Canada von Auckland nach Vancouver musste am Dienstag kurz nach dem Start unterbrochen werden, nachdem die Besatzung eine unvorhergesehene Geruchsentwicklung im Cockpit gemeldet hatte. Der Vorfall ereignete sich an Bord von Flug AC40, einer Verbindung, die mit über 11.000 Kilometern zu den anspruchsvollsten Routen im Netzwerk der kanadischen Fluggesellschaft zählt. Wenige Minuten nach dem Abheben vom Auckland Airport stellten die Piloten in einer Höhe von etwa 12.000 Fuß einen ungewöhnlichen Geruch sowie Dämpfe fest, woraufhin umgehend ein Notfall deklariert wurde.

Um das für den 13-stündigen Flug geladene Treibstoffgewicht zu reduzieren und eine sichere Landung zu ermöglichen, vollzog das Flugzeug zwei Warteschleifen über dem Hauraki-Golf, bevor es sicher zum Ausgangsflughafen zurückkehrte. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine auffällige Serie von Geruchs- und Rauchereignissen bei der Fluggesellschaft im vergangenen Jahr und wirft erneut Fragen zur technischen Überwachung und den gesundheitlichen Aspekten solcher Vorkommnisse auf.

Details zum Flugverlauf und zur Notlandung

Die betroffene Maschine vom Typ Boeing 787-9, die Platz für 298 Passagiere bietet, war mit 269 Fluggästen und 14 Besatzungsmitgliedern besetzt. Nach einer leichten Verzögerung beim Abflug erreichte die Maschine die erste Steigphase, als die Piloten die Entscheidung zur Umkehr trafen. Die Daten der Flugüberwachung zeigen, dass das Flugzeug den Steigflug bei 12.900 Fuß abbrach. Die anschließenden Manöver über dem Ozean dienten primär dazu, das Landegewicht durch das Ablassen oder Verbrennen von Treibstoff zu optimieren, da Langstreckenmaschinen beim Start deutlich schwerer sind, als es die strukturellen Grenzwerte für eine reguläre Landung erlauben.

Nach der sicheren Landung in Auckland bestätigte ein Sprecher von Air Canada, dass die Maßnahme aus reiner Vorsicht erfolgt sei. Es wurden keine Verletzungen gemeldet. Das Flugzeug wurde vorerst aus dem Betrieb genommen und wird derzeit von technischen Spezialisten und Wartungsprofis untersucht, um die Ursache der Dämpfe zu lokalisieren. Für die Passagiere wurden Umbuchungen organisiert, wobei die Zusammenarbeit mit dem Star-Alliance-Partner Air New Zealand die logistische Abwicklung beschleunigte. Dennoch bleibt die Maschine in Auckland am Boden, bis eine vollständige technische Freigabe vorliegt.

Systematische Häufung von Vorfällen im Flottenbetrieb

Der aktuelle Zwischenfall in Auckland ist kein isoliertes Ereignis für Air Canada. Eine Analyse der Vorfälle des Jahres 2025 zeigt eine signifikante Häufung ähnlicher Ereignisse, die unter dem Fachbegriff Fume Events zusammengefasst werden. Allein im letzten Jahr verzeichnete die Fluggesellschaft sechs prominente Fälle, in denen Gerüche oder Rauch im Cockpit oder in der Kabine zu Notlandungen oder Ausweichlandungen führten. Bemerkenswert ist dabei, dass die meisten dieser Vorfälle die Airbus-Flotte der Airline betrafen – darunter Modelle der Typen A320, A319, A330 und A220.

Am 18. November 2025 musste beispielsweise ein Flug von Las Vegas nach Toronto umkehren, nachdem Dämpfe im Cockpit und in der Kabine wahrgenommen wurden; in diesem Fall mussten drei Passagiere medizinisch versorgt werden. Nur wenige Tage zuvor, am 15. November, zwangen Dämpfe eine A319 auf dem Weg von Antigua nach Toronto zu einer außerplanmäßigen Landung in Punta Cana. Weitere Vorfälle ereigneten sich im August in Denver und im April in Des Moines. Der Vorfall in Auckland ist nun das erste Mal seit über einem Jahr, dass ein Langstreckenflugzeug des Typs Boeing 787-9 von einer solchen Problematik betroffen ist. Zuletzt gab es bei diesem Modell im Juli 2024 einen ähnlichen Fall auf einem Flug von Montreal nach London, der in Neufundland abgebrochen werden musste.

Hintergründe und Gefahren von Dämpfen an Bord

In der Luftfahrtindustrie werden Ereignisse, bei denen die Kabinenluft durch Dämpfe, Öle oder verbrannte Gerüche kontaminiert wird, zunehmend kritisch beobachtet. Untersuchungen zeigen, dass die Häufigkeit solcher Meldungen branchenweit steigt. Interne Branchendaten deuten darauf hin, dass allein im US-Luftraum rechnerisch über 20 solcher Vorfälle pro Tag auftreten könnten, wobei die Dunkelziffer aufgrund nicht gemeldeter oder nicht wahrgenommener Ereignisse vermutlich höher liegt. Statistiken legen nahe, dass die gemeldeten Fälle im Jahr 2024 fast zehnmal so hoch waren wie noch ein Jahrzehnt zuvor.

Experten für Arbeitsmedizin weisen darauf hin, dass die Auswirkungen solcher Expositionen auf den menschlichen Organismus sehr unterschiedlich ausfallen können. Während viele Passagiere keine unmittelbaren Symptome verspüren, berichten Besatzungsmitglieder, die diesen Bedingungen häufiger ausgesetzt sind, von neurologischen Beschwerden. In extremen Fällen können Atembeschwerden, schwere Migräne, kognitive Beeinträchtigungen oder Störungen des Nervensystems auftreten. Da die Kabinenluft bei den meisten modernen Flugzeugtypen – mit Ausnahme der Boeing 787, die ein anderes Belüftungssystem nutzt – direkt an den Triebwerken abgezapft wird, können kleinste Undichtigkeiten in den Dichtungen dazu führen, dass erhitzte Öle oder Hydraulikflüssigkeiten in das Belüftungssystem gelangen. Dass nun jedoch eine Boeing 787 betroffen ist, bei der die Luft elektrisch über Kompressoren und nicht direkt vom Triebwerk bezogen wird, rückt andere potenzielle Quellen wie Klimaanlagen oder elektrische Komponenten in den Fokus der Ermittler.

Protokolle und Sicherheitsmaßnahmen der Fluggesellschaften

Für die Piloten ist das Auftreten von Rauch oder Dämpfen ein ernstes Warnsignal, das sofortiges Handeln erfordert. Die Standardprozeduren sehen in solchen Fällen das Anlegen von Sauerstoffmasken und die schnellstmögliche Landung auf dem nächstgelegenen geeigneten Flughafen vor. Dass Air Canada in Auckland das Notfallprotokoll aktivierte, entspricht den strengen Sicherheitsrichtlinien der internationalen Luftfahrtbehörden. Dennoch stellen die wiederkehrenden Vorfälle die Wartungsabteilungen vor große Herausforderungen, da die Ursachensuche oft schwierig ist und die Gerüche oft nur temporär während bestimmter Flugphasen auftreten.

Passagiere werden dazu angehalten, ungewöhnliche Gerüche sofort dem Kabinenpersonal zu melden und bei Unwohlsein nach der Landung einen Arzt aufzusuchen. Bestimmte Tests, etwa auf Kohlenmonoxidbelastung, sind zeitkritisch und müssen unmittelbar nach der potenziellen Exposition durchgeführt werden. Für Air Canada bedeutet der erneute Vorfall nicht nur einen logistischen Mehraufwand und Kosten durch Treibstoffablass und Umbuchungen, sondern auch eine verstärkte Beobachtung durch die Aufsichtsbehörden. Die technischen Untersuchungen der Boeing 787 in Auckland werden zeigen müssen, ob es sich um einen mechanischen Defekt, eine Verunreinigung im Belüftungssystem oder ein Problem mit elektrischen Bauteilen handelt. Bis zur Klärung der Ursache bleibt die Sicherheit der Passagiere und der Besatzung die oberste Priorität des operativen Managements.

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