Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG, Carsten Spohr, hat in Ausführungen gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den laufenden Sparkurs des Luftfahrtkonzerns bekräftigt und als dauerhaftes Element der Unternehmensführung eingeordnet.
Kontinuierliche Effizienzsteigerungen seien ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells in der Zivilluftfahrt. Angesichts einer operativen Gewinnspanne von umgerechnet rund zehn Euro pro befördertem Passagier bleibe der Handlungsdruck auf die Kostenstrukturen bestehen. Neben den Konsolidierungsmaßnahmen in den betrieblichen Abläufen nahm Spohr Stellung zur Abnahme der Inlandsflugverbindungen auf dem deutschen Heimatmarkt, zur politischen Unterstützung bei der Konsolidierung im europäischen Luftverkehrssektor sowie zur eigenen Arbeitsdisziplin im Konzern.
Effizienzmaßnahmen in der Kabinenabwicklung und Bilanzen auf europäischen Kurzstrecken
Ein Baustein im Rahmen der betrieblichen Einsparungen betrifft die Überprüfung von Service- und Reinigungsabläufen im Kurzstreckennetz. Im März 2026 testete die Lufthansa auf rund 20 europäischen Strecken angepasste Intervalle bei der Flugzeugreinigung zwischen den Flügen, um die Standzeiten der Maschinen am Boden zu verkürzen und die Abfertigungskosten zu senken. Spohr erklärte hierzu, dass nach der Testphase punktuelle Anpassungen vorgenommen worden seien. Die Qualitätsstandards lägen nach Einschätzung der Konzernleitung weiterhin über dem Durchschnitt im europäischen Branchenvergleich.
Die Maßnahmen fügen sich in das laufende Ertragssicherungsprogramm der Kernmarke Lufthansa ein. Steigende Standortabgaben, erhöhte Luftsicherheitsgebühren sowie Tarifsteigerungen beim Boden- und Flugpersonal belasten die operativen Margen im Europaverkehr. Um die Ertragskraft der Hauptmarke zu stabilisieren, setzt die Konzernführung auf eine Reduzierung der Sachkosten und eine stärkere Auslastung der fliegenden Einheiten.
Strukturelle Entwicklung des deutschen Binnenluftverkehrs und Anbindung der Regionen
Kritisch äußerte sich der Vorstandschef zur ökonomischen Perspektive des innerdeutschen Flugverkehrs. Nach Spohrs Einschätzung existiert derzeit keine Fluggesellschaft mehr, die auf rein innerdeutschen Strecken ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell betreiben kann. Als Ursache gelten die im internationalen Vergleich hohen staatlichen Abgaben und Entgelte an den deutschen Verkehrsflughäfen. Diese Kostenstrukturen haben zu einer deutlichen Reduzierung des Flugangebots auf Inlandsrouten geführt.
Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich an regionalen Verkehrsflughäfen. Standorte wie Friedrichshafen und Paderborn-Lippstadt verzeichnen einen Rückgang der regulären Anbindungen an die internationalen Drehkreuze Frankfurt und München. Spohr betonte die Problematik dieser Entwicklung für die Exportwirtschaft, da mittelständische Industrieunternehmen in diesen Regionen auf verlässliche Zubringerverbindungen für den weltweiten Passagier- und Frachtverkehr angewiesen seien. Zudem verliert der deutsche Heimatmarkt innerhalb des Konzerns an relativer Bedeutung: Der Umsatzanteil, der in Deutschland erwirtschaftet wird, ist auf rund 20 Prozent gesunken, während das Geschäft auf internationalen Langstreckenrouten, insbesondere im Transatlantikverkehr, den Hauptteil der Konzernerträge beisteuert.
Politische Unterstützung bei der Übernahme der portugiesischen Fluggesellschaft Tap
Im Kontext der europäischen Branchenkonsolidierung erläuterte Spohr die Hintergründe zum Bieterverfahren um die portugiesische Staatsairline Tap Air Portugal. Nach Darstellung des Lufthansa-Chefs spielte die diplomatische Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung eine Rolle im Verabredungsprozess mit der Regierung in Lissabon. Bundeskanzler Olaf Scholz habe sich im Zuge von Gesprächen mit der portugiesischen Führung für das Angebot des deutschen Luftfahrtkonzerns eingesetzt.
Der Wettbewerb um den Einstieg bei der portugiesischen Fluggesellschaft war intensiv, da auch die französisch-niederländische Gruppe Air France-KLM unter Rückgriff auf politische Unterstützung der französischen Regierung Interesse an einer Übernahme signalisiert hatte. Tap Air Portugal gilt aufgrund ihres ausgedehnten Streckennetzes nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien, sowie nach Westafrika als strategisch relevanter Baustein im europäischen Konsolidierungsprozess. Die Einbindung der Airline in den Lufthansa-Konzernverbund soll die Marktposition auf den Süd- und Zentralatlantikrouten stärken.
Abschließend nahm Spohr Stellung zu Fragen der internen Repräsentation und Führungskultur im Lufthansa-Konzern. Seine Entscheidung, im Dienst stets im Anzug mit Krawatte aufzutreten, begründete er mit der Verantwortung gegenüber den Beschäftigten mit Uniformpflicht. Zehntausende Piloten sowie Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter hielten sich auch während nachträglicher Dienstzeiten strikt an die vorgegebenen Bekleidungsvorschriften. Aus Gründen des Respekts gegenüber dem fliegenden und bodennahen Personal sei ein Ablegen der formalen Kleidung im Management nicht vorgesehen.