Airbus A320neo (Foto: Lufthansa).
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Lufthansa erhöht Distribution Cost Charge für Amadeus und Sabre

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Die Netzwerk-Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe passen ihre Vertriebsstrategie weiter an und erhöhen zum 1. Januar 2026 die sogenannte Distribution Cost Charge (DCC) für Flugtickets, die über die globalen Distributionssysteme (GDS) von Amadeus und Sabre gebucht werden. Die Zusatzgebühr, die bei der Einführung vor über zehn Jahren für erhebliche Kontroversen in der Reisebranche sorgte, steigt um 50 Cent pro Ticket.

Dieser Schritt wird vom Konzern mit der Notwendigkeit begründet, die GDS-Kosten verursachungsgerecht an die Vertriebspartner weiterzugeben und Währungsschwankungen auszugleichen. Die Gebührenerhöhung gilt für die Fluggesellschaften Lufthansa, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Swiss und Air Dolomiti. Die Anpassung signalisiert die anhaltende Bestrebung der Airline-Gruppe, die Kontrolle über ihre Vertriebskanäle zu stärken und gleichzeitig die Kosten für die Nutzung der teureren Altsysteme teilweise auf die buchenden Partner abzuwälzen.

Die Entwicklung der Distribution Cost Charge (DCC)

Die Einführung der Distribution Cost Charge durch die Lufthansa-Gruppe markierte im September 2015 einen Wendepunkt in der globalen Airline-Distribution. Ziel dieser Gebühr war es, die hohen Kosten zu kompensieren, die den Fluggesellschaften für die Nutzung der GDS – der zentralen Buchungssysteme für Reisebüros und Online-Reiseagenturen – entstehen. Die GDS-Anbieter Amadeus, Sabre und Travelport verlangen von den Airlines für jede Buchung und jede Transaktion eine Gebühr, die traditionell einen erheblichen Kostenfaktor für die Fluggesellschaften darstellt. Die Lufthansa-Gruppe argumentierte von Anfang an, dass diese Kostenstrukturen veraltet und nicht effizient seien.

Mit der jetzigen Anpassung zum 1. Januar 2026 (maßgeblich ist das Datum der Ticketausstellung) erhöht sich die DCC für Amadeus-Buchungen auf 18 Euro pro Ticket und für Sabre-Buchungen auf 22,50 Euro. Die Gebühr für Buchungen über Travelport bleibt unverändert bei 23 Euro. Zusätzlich zu der Fixbetragserhöhung werden Währungsanpassungen in mehreren GDS sowie im NDC Public-Bereich vorgenommen. Diese stufenweise Erhöhung der DCC ist eine Fortsetzung der Strategie, die Vertriebslandschaft zu ihren Gunsten zu verändern und die Attraktivität alternativer, direkterer Vertriebskanäle zu erhöhen. Die geringe Erhöhung um 50 Cent mag auf den ersten Blick minimal erscheinen, kumuliert sich jedoch bei den Millionen von Tickets, die jährlich über diese Systeme verkauft werden, zu einem signifikanten Betrag.

Die Kosten- und Währungsargumentation des Konzerns

Die Lufthansa-Gruppe rechtfertigt die Erhöhung der DCC mit zwei Hauptfaktoren: der Notwendigkeit, „die GDS-Kosten verursachungsgerecht weiterzugeben“, und dem Ausgleich von Währungsschwankungen. Die Kosten für die Nutzung der GDS sind seit Jahren ein zentraler Streitpunkt zwischen den Airlines und den Distributionsanbietern. Die Fluggesellschaften sehen sich gezwungen, für einen Vertriebskanal hohe Gebühren zu zahlen, der aus ihrer Sicht oft nicht die vollständige Produktpalette abbilden kann. Die GDS-Anbieter wiederum argumentieren, dass sie eine unverzichtbare technische Infrastruktur und Reichweite für den globalen Reisevertrieb bereitstellen.

Die Währungsanpassungen reflektieren die Tatsache, dass die Abrechnung im internationalen Luftverkehr komplex ist und die Kosten für die GDS-Nutzung in verschiedenen Währungen anfallen, die Schwankungen unterliegen. Durch die Weitergabe dieser Kosten und die jährliche Überprüfung der DCC versucht der Konzern, die finanzielle Belastung durch externe Vertriebspartner transparent zu halten und zu steuern. Die Ungleichbehandlung der GDS-Anbieter in Bezug auf die Höhe der DCC (23 Euro bei Travelport, 22,50 Euro bei Sabre und 18 Euro bei Amadeus) deutet auf unterschiedliche vertragliche oder technische Kostenstrukturen hin, die die Fluggesellschaft mit den jeweiligen GDS-Anbietern verhandelt hat.

Die Rolle des NDC-Standards als alternative Vertriebslösung

Parallel zur Erhöhung der DCC für die traditionellen GDS-Buchungen stärkt die Lufthansa-Gruppe den alternativen Vertriebsweg über den von der IATA (International Air Transport Association) entwickelten New Distribution Capability (NDC)-Standard. Im Gegensatz zu den traditionellen GDS-Buchungen bleibt die Gebühr für sogenannte „NDC Public DCC“ unverändert bei acht Euro für alle drei GDS-Anbieter.

Der NDC-Standard ermöglicht es Fluggesellschaften, ihre Produkte und Tarife direkter und flexibler an Vertriebspartner zu übermitteln. Die Fluggesellschaften können über diesen Weg ihre vollständigen Zusatzleistungen (wie spezielle Sitzplatzreservierungen oder Gepäckoptionen) besser abbilden und gleichzeitig die Vertriebskosten senken. Die beibehaltene, deutlich niedrigere Gebühr von acht Euro für NDC-basierte Buchungen, selbst wenn diese technisch über die GDS abgewickelt werden, ist ein klares Signal der Lufthansa-Gruppe. Der Konzern möchte damit seine Vertriebspartner dazu anregen, auf den NDC-Standard umzusteigen und diesen bevorzugt zu nutzen. Die Kostenersparnis von bis zu 15 Euro pro Ticket im Vergleich zur teuersten GDS-Buchung schafft einen starken finanziellen Anreiz für Reisebüros und Agenturen, ihre Buchungsprozesse auf die neue Technologie umzustellen und die Produkte der Lufthansa-Gruppe direkt oder über NDC-fähige Plattformen zu vertreiben.

Auswirkungen auf Reisebüros und den Wettbewerb

Die regelmäßigen Anpassungen der DCC üben kontinuierlichen Druck auf Reisebüros und andere Vertriebspartner aus. Die erhöhten Kosten können nicht immer vollständig an die Endkunden weitergegeben werden, was die Margen der Reisebüros schmälert. Die Reisebranche warnt seit der Einführung der DCC vor einer möglichen Verkomplizierung des Buchungsprozesses und einer erschwerten Vergleichbarkeit von Tarifen. Die steigende Attraktivität des NDC-Standards zwingt die Vertriebspartner zu erheblichen Investitionen in neue Software und Schulungen, um mit der sich wandelnden Vertriebslandschaft Schritt halten zu können. Dies stellt kleinere und mittlere Reisebüros vor besondere Herausforderungen.

Aus wettbewerbspolitischer Sicht ist die Strategie der Lufthansa-Gruppe erfolgreich, da sie andere große internationale Fluggesellschaften dazu ermutigt hat, ähnliche Gebührenstrukturen einzuführen oder den NDC-Vertrieb zu priorisieren. Die Kontrolle über den Vertrieb ist ein entscheidender Hebel im Kampf um Marktanteile und die Optimierung der Ertragsmargen. Indem die Lufthansa die DCC für die Altsysteme erhöht und gleichzeitig die NDC-Nutzung finanziell belohnt, versucht der Konzern, seine Vertriebskosten zu senken und die Abhängigkeit von den traditionellen GDS zu minimieren, während der GDS-Markt in Europa weiterhin von Amadeus dominiert wird. Die Strategie zielt darauf ab, die Vertriebslandschaft langfristig zu verändern und die Rolle der Fluggesellschaft als primärer Produktanbieter im digitalen Raum zu stärken. Die leichte, aber stetige Erhöhung der DCC ist somit ein Instrument des Managements, um die strategische Ausrichtung des Vertriebs voranzutreiben.

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