Lufthansa Aviation Center am Flughafen Frankfurt am Main (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Lufthansa Group bilanziert erfolgreiches Geschäftsjahr 2025

Werbung

Die Deutsche Lufthansa AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit dem höchsten Umsatz ihrer hundertjährigen Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Wie der Konzern im Rahmen der aktuellen Bilanzvorlage mitteilte, stiegen die Erlöse um fünf Prozent auf rund 39,6 Milliarden Euro. Trotz massiver geopolitischer Spannungen, insbesondere im Mittleren Osten, gelang es der Gruppe, den operativen Gewinn (Adjusted EBIT) signifikant auf zwei Milliarden Euro zu steigern.

Damit blickt das Unternehmen auf ein Jahr der wirtschaftlichen Konsolidierung zurück, in dem vor allem die Frachtsparte und technische Dienstleistungen als tragende Säulen fungierten, während die Kernmarke Lufthansa Airlines erste Erfolge ihres umfassenden Sanierungsprogramms verzeichnete. Angesichts der positiven Cashflow-Entwicklung und einer robusten Bilanz schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende auf 0,33 Euro pro Aktie vor. Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert das Management ein weiteres Wachstum, weist jedoch auf die erheblichen Unsicherheiten durch die instabile Lage in der Golfregion hin, die sowohl die Treibstoffpreise als auch die globalen Verkehrsströme beeinflusst.

Wirtschaftliche Kennzahlen und operative Meilensteine

Das Erreichen der Zwei-Milliarden-Euro-Marke beim operativen Gewinn markiert für die Lufthansa Group eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als das Adjusted EBIT bei 1,6 Milliarden Euro lag. Die operative Marge kletterte entsprechend von 4,4 auf 4,9 Prozent. Ein wesentlicher Treiber für dieses Ergebnis war die anhaltend hohe Nachfrage im Passagiersegment. Insgesamt begrüßten die Airlines der Gruppe – zu denen neben der Kernmarke auch Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings und zunehmend ITA Airways gehören – 135 Millionen Fluggäste. Der Sitzladefaktor erreichte mit 83,2 Prozent einen historischen Höchststand.

Besonders profitabel erwies sich das Geschäft mit Zusatzleistungen, die sogenannten Ancillaries. Die Bereitschaft der Kunden, für Premiumprodukte wie die neue Kabinenausstattung Lufthansa Allegris oder individuelle Services aufzuspüren, führte zu einem Erlösanstieg in diesem Bereich um 15 Prozent. Zudem profitierte der Konzern von einer spürbaren Stabilisierung des Flugbetriebs. Die Aufwendungen für Flugunregelmäßigkeiten wie Entschädigungen und Umbuchungen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 362 Millionen Euro. Flankiert wurde die finanzielle Entwicklung durch externe Faktoren wie niedrigere Kerosinpreise und einen vorteilhaften Wechselkurs des US-Dollars, was die Kostenbasis um etwa 500 Millionen Euro entlastete.

Fortschritte beim Turnaround der Kernmarke

Ein zentraler Fokus des Managements lag im vergangenen Jahr auf dem Restrukturierungsprogramm der Kernmarke Lufthansa Airlines. Das unter dem Namen Turnaround bekannte Paket zeigte 2025 erste wirtschaftliche Wirkungen: Das Jahresergebnis der Marke verbesserte sich um 250 Millionen Euro, womit eine Rückkehr in die Gewinnzone mit einer Adjusted-EBIT-Marge von 0,9 Prozent gelang. Ziel ist es, die Profitabilität durch rund 700 Einzelmaßnahmen nachhaltig zu steigern. Für das Jahr 2026 erwartet der Konzern hieraus einen Bruttoergebniseffekt von 1,5 Milliarden Euro.

Die Strategie sieht vor, die Stückkosten durch eine effizientere Steuerung der Drehkreuze und den verstärkten Einsatz von Tochtergesellschaften wie Lufthansa City Airlines und Discover Airlines zu begrenzen. Ein wesentlicher Hebel bleibt die Modernisierung der Flotte. Durch den Einsatz hochmoderner Langstreckenflugzeuge wie der Boeing 787 Dreamliner sollen nicht nur die Betriebskosten gesenkt, sondern auch die Zuverlässigkeit erhöht werden. Bis Ende 2026 soll der Anteil von Flugzeugen der neuesten technischen Generation rund 30 Prozent der Gesamtflotte ausmachen.

Starke Performance in den Segmenten Logistik und Technik

Abseits des Passagierverkehrs lieferten die Sparten Cargo und Technik erneut überdurchschnittliche Beiträge zum Konzernerfolg. Lufthansa Cargo steigerte den operativen Profit um fast 30 Prozent auf 324 Millionen Euro. Dies gelang trotz einer volatilen Weltwirtschaft, begünstigt durch ein starkes Geschäft auf den asiatischen Routen und eine stabile Nachfrage nach Luftfrachtkapazitäten.

Lufthansa Technik konnte trotz der Belastungen durch internationale Zölle und Währungseffekte ein operatives Ergebnis von 603 Millionen Euro erzielen, was nahezu dem Rekordniveau des Vorjahres entspricht. Das Unternehmen profitierte von der weltweiten Erholung des Wartungs- und Reparaturmarktes (MRO). Mit neu abgeschlossenen Verträgen im Volumen von 8,8 Milliarden Euro verfügt die Technik-Sparte über eine hohe Planungssicherheit für die kommenden Geschäftsjahre. Um den handelspolitischen Herausforderungen zu begegnen, passte das Unternehmen seine Logistikströme gezielt an, um die Auswirkungen von Einfuhrbeschränkungen und Zollbarrieren zu minimieren.

Geopolitische Risiken und strategische Neuausrichtung

Trotz der positiven Bilanz warnt Konzernchef Carsten Spohr vor den Gefahren durch die aktuelle Situation im Mittleren Osten. Der Konflikt in der Region habe die Exponiertheit des globalen Luftverkehrs erneut verdeutlicht. Spohr kritisierte in diesem Zusammenhang die massive Abhängigkeit von den Drehkreuzen am Persischen Golf, die er als geopolitische Achillesferse bezeichnete. Er forderte eine Stärkung der europäischen Souveränität im Luftverkehr, um die Anbindung des Kontinents an globale Märkte unabhängig von Krisenherden in Drittstaaten zu sichern.

Interessanterweise führt die angespannte Lage am Golf derzeit zu einer Verschiebung der Nachfrage. Da Reisende vermehrt Routen suchen, die Krisengebiete umgehen, verzeichnet Lufthansa eine stark steigende Nachfrage auf Langstrecken nach Asien und Afrika. Der Konzern prüft daher kurzfristige Frequenzaufstockungen zu Zielen wie Singapur, Indien und China. Diese Flexibilität in der Netzplanung wird als entscheidender Wettbewerbsvorteil angesehen, um die erhöhte Volatilität an den Energiemärkten und die Unsicherheiten in den Lieferketten abzufedern.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026 und Aktionärsbeteiligung

Für das laufende Jahr 2026 gibt sich der Vorstand optimistisch, rechnet jedoch mit einer Fortdauer der Kosteninflation, insbesondere bei Personal und Gebühren. Dennoch soll das Adjusted EBIT erneut deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Die Aktionäre sollen an dieser Entwicklung unmittelbar teilhaben. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, die Dividende um zehn Prozent auf 0,33 Euro zu erhöhen. Dies entspräche einer Ausschüttungsquote von 30 Prozent des Konzernergebnisses, was im Einklang mit der langfristigen Dividendenpolitik steht.

Finanzvorstand Till Streichert betonte, dass 2025 ein Übergangsjahr gewesen sei, in dem wichtige Weichenstellungen vorgenommen wurden. Mittelfristig strebt der Konzern eine operative Marge von acht bis zehn Prozent an. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Flottenmodernisierung 2026 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen: Statistisch gesehen wird in diesem Jahr fast jede Woche ein neues Flugzeug zur Flotte stoßen. Das Wachstum soll dabei fast ausschließlich auf der Langstrecke stattfinden, während das Angebot auf Kurz- und Mittelstrecken stabil gehalten wird, um die Effizienz der europäischen Drehkreuze weiter zu optimieren.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung