Die Fluggesellschaften der Lufthansa Group weiten ihr Angebot an kostenpflichtigen Zusatzleistungen auf den Langstreckenverbindungen aus. Wie der Luftfahrtkonzern im Rahmen einer Information an Vertriebspartner mitteilte, stehen Passagieren in der Economy Class ab sofort zwei weitere vorab reservierbare Sitzplatzkategorien zur Auswahl.
Unter den Bezeichnungen Duo Seat und Back Seat führen die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Swiss neue Tarifoptionen für die Sitzplatzwahl auf Interkontinentalflügen ein. Die Maßnahme reiht sich ein in die laufende Entkopplung traditioneller Beförderungsleistungen von Zusatzoptionen (Ancillary Revenues), mit der Netzwerkträger ihre Erlösstruktur an die Gepflogenheiten des Marktes anpassen und zusätzliche Einnahmequellen erschließen.
Technische Ausgestaltung des Duo Seat und des Back Seat auf der Langstrecke
Die Kategorie Duo Seat richtet sich an gemeinsam reisende Personen, die zwei direkt nebeneinanderliegende Sitzplätze ohne einen dritten Sitzplatz in derselben Gruppe buchen möchten. Voraussetzung für das Angebot ist ein Flugzeugtyp mit einer entsprechenden Kabinenkonfiguration. Das Produkt ist daher vorrangig auf Strecken verfügbar, die mit Maschinen der Baureihen Airbus A330-300, Airbus A340-300 oder Boeing 767-300ER bedient werden, da diese Typen in der Economy Class über eine Bestuhlung im Muster 2-X-2 an den Fensterseiten verfügen.
Preislich siedelt der Konzern den Duo Seat zwischen dem bestehenden Preferred Zone Seat, der sich im vorderen Teil der Kabine befindet, und dem Legroom Seat mit größerer Beinfreiheit an. Für Vielflieger mit dem Status HON Circle Member oder Senator bleibt die Reservierung dieser Plätze kostenfrei, sofern die Buchung nicht im Basispreis Economy Light erfolgt.
Die zweite Neuerung, der Back Seat, umfasst je nach Flugzeugmodell die hintersten Sitzreihen der Economy Class. Diese Option wird tariflich unterhalb des regulären Classic Seat positioniert und stellt somit den günstigsten vorab reservierbaren Wunschsitz im Langstreckennetz dar. Fluggäste im flexiblen Tarif Economy Flex sowie Statuskunden der Kategorien HON Circle und Senator können diese Plätze weiterhin ohne Zusatzgebühr wählen, wobei auch hier die Ausnahme für den Light-Tarif greift.
Systematische Entkopplung von Tarifbestandteilen bei europäischen Netzwerk-Airlines
Die Einführung der neuen Plätze auf Interkontinentalstrecken schließt an Entgeltanpassungen an, die der Konzern bereits in der Sommersaison 2026 auf Kurz- und Mittelstrecken umgesetzt hat. Seinerzeit wurden Kategorien wie der First Row Seat in den vorderen Reihen der Europakabine sowie die Entgeltpflicht für Plätze im hinteren Kabinenbereich eingeführt. Parallel dazu erfuhr das Produktportfolio in den Premiumklassen eine Differenzierung, unter anderem durch die Aufteilung der Business-Class-Sitztypen auf Flugzeugen wie dem Airbus A380 und in neu ausgelieferten Kabinenräumen.
Branchenbeobachter werten diesen Schritt als Fortführung eines Trends, bei dem europäische Volllinien-Fluggesellschaften das Geschäftsmodell von Niedrigpreis-Airlines auf den Langstreckenverkehr übertragen. Durch das Bepreisen einzelner Sitzreihen nach Lage, Beinfreiheit oder Nachbarschaftsstruktur versuchen die Fluggesellschaften, den Grundpreis für Tickets im Wettbewerb niedrig zu halten und Zusatzgewinne über margenstarke Zusatzverkäufe zu generieren.
Wahlfreiheit vs. Zusatzkosten
Während der Flugkonzern die Einführung der neuen Kategorien als Erweiterung der Wahlfreiheit für Fluggäste darstellt, verweisen Verbraucherschützer und Branchenanalysten auf die schrittweise Verringerung des Leistungsumfangs im Basistarif. Was in der Vergangenheit als kostenlose Standardleistung bei der Sitzplatzwahl im Zuge des Check-in galt, wird zunehmend mit Aufpreisen belegt. Für Passagiere, die ohne Zusatzgebühren reisen möchten, verbleibt bei späten Buchungen oder beim automatischen Check-in oft nur die Zuordnung verstreuter Einzelplätze.
Zudem gerät die zunehmende Komplexität der Tarifstrukturen in die Kritik. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Sitzplatzkategorien innerhalb derselben Beförderungsklasse – vom Back Seat über den Classic Seat und Preferred Zone Seat bis hin zum Legroom Seat und Duo Seat – wird die Preistransparenz für Kunden bei der Buchung erschwert. Ob die Strategie der feingliedrigen Entbündelung dauerhaft zur Kundenzufriedenheit beiträgt, hängt davon ab, inwieweit Reisende die Preisunterschiede als angemessenen Gegenwert für individuelle Komfortbedürfnisse akzeptieren.