Die Lufthansa Group hat am Flughafen München eine strategische Neuausrichtung in der Bodenabfertigung vollzogen. Mit der Gründung der Lufthansa Ground Services GmbH & Co. KG (LGS) und der Übernahme der Swissport Losch GmbH & Co. KG startet der Konzern ab sofort mit der Eigenabfertigung eines Teils seiner Flugbewegungen. Diese Entscheidung betrifft zunächst die Flüge verschiedener Airline-Töchter der Gruppe, darunter Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Lufthansa CityLine, die neu gegründete Lufthansa City Airlines sowie Swiss.
Die Maßnahme zielt darauf ab, die Abläufe am wichtigen Drehkreuz München zu optimieren und somit die Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und die allgemeine Servicequalität für die Fluggäste zu steigern. Mit dieser partiellen Übernahme setzt die Lufthansa Group auf eine sogenannte duale Strategie, bei der die Abfertigung des Großteils der Flüge von Lufthansa Airlines weiterhin beim langjährigen Partner AeroGround, einer Tochtergesellschaft des Flughafens München, verbleibt.
Die Reorganisation der Bodenprozesse an einem der größten Luftverkehrsdrehkreuze Europas ist ein deutliches Zeichen für die Priorisierung der operationellen Stabilität nach den turbulenten Jahren, in denen die Luftfahrtbranche mit Personalengpässen und folglich massiven Verspätungen und Gepäckproblemen zu kämpfen hatte. Die Führung der Lufthansa Group sieht in der direkten Kontrolle über einen Teil der Bodenabfertigung einen entscheidenden Hebel, um die Qualitätssicherung und die Prozesssteuerung zu verbessern.
Duale Strategie als Antwort auf operative Herausforderungen
Der Kauf und die Umwandlung der Swissport Losch GmbH & Co. KG in die Lufthansa Ground Services stellen einen tiefgreifenden Eingriff in die bisherige Abfertigungsstruktur am Flughafen München dar. Die Lufthansa Group erwirbt damit nicht nur Kapazitäten, sondern auch das Know-how und das Personal, welches bisher für Swissport Losch tätig war. Diese Übernahme, deren Verhandlungen im Laufe des Jahres abgeschlossen wurden, war an die Erteilung einer Lizenz zur Bodenabfertigung und die fusionskontrollrechtliche Freigabe gebunden. Die Geschäftsführung der neuen Einheit übernimmt Stefan Lau, der gleichzeitig Geschäftsführer der Lufthansa Ground Services Verwaltungs GmbH ist.
Die Entscheidung, eine duale Abfertigungsstrategie zu verfolgen – also die Aufteilung der Dienste zwischen einer eigenen Tochtergesellschaft (LGS) und einem externen Partner (AeroGround) – ist bemerkenswert. Sie spiegelt den Versuch wider, die Vorteile der Eigenkontrolle zu nutzen, ohne die bestehende, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber vollständig aufzugeben. Heiko Reitz, Hub Manager Lufthansa München, betonte in diesem Kontext die Notwendigkeit der Stärkung der Basis für operative Spitzenleistung. Er unterstrich, dass eine reibungslose und verlässliche Abfertigung der zentrale Schlüssel für zufriedene Gäste sei. Gleichzeitig hob er die Bedeutung der Partnerschaft mit AeroGround hervor, die weiterhin ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Konzerns am Standort München bleibe. Tatsächlich hatten AeroGround und Lufthansa bereits im Vorfeld einen neuen langfristigen Abfertigungsvertrag unterzeichnet, der die langfristige Zusammenarbeit bei der Abfertigung der Kerngesellschaft Lufthansa Airlines festschreibt.
Fokus auf Pünktlichkeit und Servicequalität
Die Hintergründe für die strategische Neuausrichtung sind in den operativen Herausforderungen der letzten Jahre zu suchen. Nach dem starken Wiederanstieg der Passagierzahlen nach der Coronapandemie sah sich die gesamte Luftfahrtindustrie, und insbesondere der Hub München, wiederholt mit massiven operativen Engpässen konfrontiert. Berichte über einen „Chaos-Sommer“ in Bezug auf Abfertigung und Gepäckabwicklung prägten die öffentliche Wahrnehmung und führten zu einer erheblichen Belastung der Fluggäste. Verspätungen und Flugausfälle waren oft die Folge von Kapazitätsengpässen und Personalmangel bei den externen Bodenverkehrsdienstleistern.
Mit der eigenen Abfertigungsgesellschaft kann die Lufthansa Group nun direkteren Einfluss auf kritische Prozesse ausüben. Dazu zählen das Be- und Entladen der Flugzeuge, die Passagierabfertigung, der Gepäcktransport und weitere Bodenverkehrsdienste. Durch die direkte Steuerung von Personalressourcen und Prozessen verspricht sich der Konzern eine höhere operationelle Stabilität. Diese Stabilität ist unabdingbar für die Einhaltung des komplexen Flugplans eines internationalen Drehkreuzes.
Die Steigerung der Pünktlichkeit ist ein zentrales Anliegen. Obwohl die Lufthansa in München bereits im vergangenen Jahr eine spürbare Verbesserung der Pünktlichkeitswerte verzeichnen konnte, soll die eigene Bodenabfertigung die Kontinuität und Qualität dieser Entwicklung absichern. Die direkte Anbindung des Bodenpersonals an die Konzerninteressen soll zudem die Motivation und die Identifikation mit den Qualitätszielen der Airline-Gruppe stärken. In der Vergangenheit wurde kritisiert, dass externe Dienstleister bei verspäteten Flugzeugen teils weniger motiviert seien, diese prioritär abzufertigen, da dies den eigenen Betriebsablauf stören könnte – eine interne Lösung soll hier die Abstimmung und Flexibilität deutlich verbessern.
Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Arbeitsplätze
Die Übernahme und die Gründung der LGS haben auch Auswirkungen auf den Wettbewerb der Bodenverkehrsdienstleistungen am Flughafen München. Mit AeroGround und der LGS sind nun zwei große Akteure am Markt tätig, wobei die LGS exklusiv für die Fluggesellschaften der Lufthansa Group arbeitet. Vor der Übernahme von Swissport Losch war Swissport ein etablierter, global agierender Akteur. Der Austritt von Swissport aus diesem Segment in München und die Etablierung einer Inhouse-Lösung durch Lufthansa demonstriert eine Tendenz zur Reintegration von Kerndienstleistungen.
Aus Sicht der Belegschaft der ehemaligen Swissport Losch GmbH & Co. KG bedeutet die Übernahme durch die Lufthansa Group in der Regel eine Sicherung der Arbeitsplätze und eine Integration in die Strukturen eines der größten Luftfahrtkonzerne der Welt. Der Konzern hat in der Regel die Übernahme der Mitarbeiter zugesichert, was den betroffenen Arbeitnehmern eine langfristige Perspektive bietet.
Die duale Strategie ermöglicht es der Lufthansa, das operative Risiko zu streuen und gleichzeitig von der Expertise beider Dienstleister zu profitieren. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit AeroGround bleibt bestehen, was die enge Verzahnung zwischen Fluggesellschaft und Flughafenbetreiber in München bekräftigt. Die eigenständige Abfertigungsgesellschaft wird es der Lufthansa Group erlauben, schneller auf operative Schwankungen zu reagieren, eigene Qualitätsstandards zu implementieren und die Abläufe besser auf die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Konzern-Airlines abzustimmen. Letztendlich zielt die strategische Entscheidung darauf ab, die Attraktivität des Drehkreuzes München als Premium-Hub zu festigen und die operationelle Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, um den Passagieren ein besseres und verlässlicheres Flugerlebnis zu bieten.