Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).
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Lufthansa Group und Air India planen weitreichende Kooperation

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Die globale Luftfahrtbranche erlebt derzeit eine tektonische Verschiebung in Richtung Osten. In einer feierlichen Zeremonie haben Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG, und Campbell Wilson, der Chief Executive Officer von Air India, eine Absichtserklärung unterzeichnet, die den Weg für ein umfassendes Joint Business Agreement ebnen soll.

Diese strategische Partnerschaft zwischen der Lufthansa Group und der größten indischen Langstrecken-Airline zielt darauf ab, die Verkehrsströme zwischen Europa und dem indischen Subkontinent zu bündeln und die Effizienz des Flugbetriebs durch eine enge Koordination von Flugplänen und Vertriebsaktivitäten zu steigern. Die Vereinbarung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Indien seine Position als bevölkerungsreichstes Land der Welt und als einer der am schnellsten wachsenden Luftverkehrsmärkte festigt. Das geplante Bündnis reagiert unmittelbar auf den kürzlich abgeschlossenen Freihandelsvertrag zwischen Indien und der Europäischen Union, der mit einem jährlichen Warenhandel von 180 Milliarden Euro die größte Freihandelszone der Erde schafft. Durch die Verzahnung der Netzwerke wollen beide Unternehmen den rasant steigenden Bedarf im Geschäfts- und Privatreiseverkehr abdecken und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Golf-Airlines stärken.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Marktdynamik

Indien stellt für die Lufthansa Group mittlerweile den zweitwichtigsten Langstreckenmarkt nach den Vereinigten Staaten dar. Diese Bedeutung resultiert nicht nur aus der schieren Größe der Bevölkerung, sondern primär aus der rasant wachsenden und zunehmend kaufkräftigen Mittelschicht des Landes. Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen der EU und Indien hat ein Niveau erreicht, bei dem beide Blöcke zusammen für ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung stehen. In diesem Kontext fungiert die Luftfahrt als das notwendige Bindeglied für den Austausch von Fachkräften, Waren und touristischen Dienstleistungen.

Carsten Spohr betonte bei der Unterzeichnung, dass die Vereinbarung ein starkes Signal für die Entschlossenheit beider Partner sei, nach dem wegweisenden Handelsabkommen der beiden Wirtschaftsräume nun auch in der Luftfahrt ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Lufthansa Group, die sich selbst als die erfolgreichste europäische Airline-Gruppe in Indien positioniert, sieht in der Kooperation die Chance, ihren Zugang zu einem Markt mit überproportionalen Wachstumsraten dauerhaft zu sichern. Air India wiederum befindet sich unter der Eigentümerschaft der Tata-Gruppe in einem umfassenden Transformationsprozess, der eine massive Flottenmodernisierung und eine qualitative Aufwertung des Serviceangebots beinhaltet.

Integration der Flotten und Netzwerke

Die technische und operative Basis der Zusammenarbeit ist bereits heute beachtlich. Aktuell bieten die Partner Codeshare-Flüge auf 146 Strecken in 22 Ländern an. Das Netzwerk umfasst 15 indische und 27 europäische Ziele. Die Lufthansa bedient von ihren Drehkreuzen Frankfurt und München aus die wichtigsten indischen Metropolen wie Delhi, Mumbai, Chennai, Bangalore und Hyderabad. Ergänzt wird dieses Angebot durch Verbindungen der Tochtergesellschaft Swiss ab Zürich sowie Austrian Airlines ab Wien. Ein bedeutender Aspekt des neuen Memorandums ist die Einbeziehung der italienischen ITA Airways, dem neuesten Mitglied der Lufthansa Group, die Rom mit Delhi verbindet.

Air India erweitert dieses Geflecht durch eigene Langstreckenverbindungen von Delhi nach Frankfurt, Zürich, Wien und Mailand sowie von Mumbai nach Frankfurt. Ziel des Joint Business Agreement ist es, diese Flüge so aufeinander abzustimmen, dass Fluggäste von kürzeren Umsteigezeiten und einem nahtlosen Reiseerlebnis profitieren. In der ersten Phase konzentriert sich die Zusammenarbeit auf die Kernmärkte Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien und Italien. Ein zweiter Schritt sieht die Ausdehnung auf die restlichen EU-Staaten und den gesamten indischen Subkontinent vor. Die Umsetzung steht dabei unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen, da derartige Bündnisse aufgrund ihrer Marktmacht einer strengen behördlichen Aufsicht unterliegen.

Qualitätsoffensive und Premium-Strategie

Um im Wettbewerb um kaufkräftige Kunden zu bestehen, setzen beide Airline-Gruppen auf eine massive Aufwertung ihrer Kabinenprodukte. Die Lufthansa führt derzeit das neue Kabinenkonzept Allegris ein, während Swiss unter dem Namen Swiss Senses ein vergleichbares Premium-Erlebnis etabliert. Diese Investitionen zielen darauf ab, den Passagieren auf den langandauernden Flügen nach Indien einen höheren Komfort in allen Buchungsklassen zu bieten. Campbell Wilson von Air India unterstrich, dass sein Unternehmen die globale Präsenz aktuell mit einer modernisierten Flotte und verbesserten Produktangeboten ausbaut.

Die Zusammenarbeit soll über die bloße Flugplankoordination hinausgehen. Geplant ist eine tiefgreifende Verzahnung der Vielfliegerprogramme, sodass Meilen und Statusvorteile auf beiden Seiten vollumfänglich genutzt werden können. Zudem ist eine Bündelung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten vorgesehen, um Firmenkunden attraktivere Kombinationsangebote für Reisen zwischen Europa und Indien unterbreiten zu können. Auch an den Flughäfen selbst sollen die Abläufe optimiert werden, beispielsweise durch die gemeinsame Nutzung von Lounges und Check-in-Einrichtungen, um den Komfort für die Reisenden zu erhöhen.

Historischer Kontext und Zukunftsaussichten

Die Verbindung zwischen der Lufthansa und Indien hat eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1959 zurückreicht, als die deutsche Fluggesellschaft erstmals in Delhi landete. Über die Jahrzehnte wurde diese Beziehung kontinuierlich intensiviert. Ein Meilenstein war das Jahr 2004 mit dem ersten Codeshare-Abkommen, gefolgt vom Beitritt von Air India zur Star Alliance im Jahr 2014, einer Allianz, die die Lufthansa einst mitbegründet hatte. Die nun angestrebte engere Kooperation markiert die höchste Stufe der partnerschaftlichen Zusammenarbeit unterhalb einer Fusion.

Branchenexperten sehen in diesem Schritt auch eine notwendige Konsolidierung, um den Marktdruck durch staatlich subventionierte Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten abzufedern. Durch die direkte Verbindung ihrer Hubs schaffen Lufthansa und Air India effizientere Routen für Passagiere, die andernfalls über die Drehkreuze am Persischen Golf fliegen würden. Die wirtschaftlichen Potenziale sind enorm: Die Kombination aus einem liberalisierten Handelsumfeld und einer abgestimmten Luftverkehrsstrategie könnte Indien in den kommenden Jahren zum zentralen Wachstumstreiber für die gesamte Lufthansa Group machen. Die endgültige Ausgestaltung des Joint Business Agreement wird nach Abschluss der kommerziellen Verhandlungen festgelegt und soll die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Europa und Indien nachhaltig vertiefen.

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