Boeing 787-9 (Foto: Lufthansa).
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Lufthansa plant Boeing 787-Einsatz trotz Zertifizierungshürden: Geblockte Business Class ermöglicht früheren Start

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Die Deutsche Lufthansa AG bereitet sich darauf vor, ihre lang erwarteten Boeing 787-Flugzeuge trotz anhaltender Zertifizierungsprobleme ab Herbst im Liniendienst einzusetzen. Die Fluggesellschaft plant, die neuen Dreamliner zunächst mit einer vorübergehenden Lösung zu betreiben, bei der die noch nicht zugelassenen Allegris-Business-Class-Sitze von Collins Aerospace geblockt werden.

Dieser strategische Schritt soll die Kapazitätsengpässe der Lufthansa lindern und die Integration der hochmodernen Flugzeuge in die Flotte beschleunigen. Der Einsatz der ersten 787-Maschinen auf ausgewählten Strecken wird für den Herbst erwartet, obschon konkrete Ziele und der Buchungsstart noch bekanntgegeben werden müssen.

Herausforderungen bei der Zertifizierung: Die Allegris-Sitze im Fokus

Die Auslieferung von insgesamt 15 bestellten Boeing 787-9 Dreamlinern an die Lufthansa verzögert sich bereits seit Monaten. Der Hauptgrund für diese Verzögerungen liegt in ausstehenden Zertifizierungen der neuen Allegris-Business-Class-Sitze des Herstellers Collins Aerospace durch die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration). Die FAA hat ihre Anforderungen für Crash-Tests verschärft, was die Zulassungsprozesse für neue Kabinenprodukte verkompliziert und verlängert.

Das „Allegris“-Kabinenprodukt ist Teil einer umfassenden Investition von Lufthansa in die Modernisierung ihrer Langstreckenflotte und des Passagiererlebnisses. Es verspricht einen höheren Reisekomfort, mehr Privatsphäre und eine verbesserte Ausstattung in allen Reiseklassen. Das Herzstück der neuen Business Class sind Sitze, die verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten bieten, darunter Suiten mit Türen und besonders geräumige Sitze am Fenster oder mit extra langem Bett. Die Verzögerungen bei der Zertifizierung dieser Schlüsselkomponente stellen eine erhebliche Herausforderung für die Lufthansa dar, da die neuen Flugzeuge dringend benötigt werden, um die gestiegene Nachfrage zu bedienen und die Betriebskosten zu optimieren.

Die Lufthansa hat im Jahre 2019 ursprünglich 20 Boeing 787-9 bestellt, die ersten Auslieferungen erfolgten ab 2022. Die Flotte der Boeing 787-9 Dreamliner ist als Ersatz für die älteren Airbus A340-Flugzeuge vorgesehen, welche schrittweise ausgemustert werden. Eine frühere Integration der 787er ist daher von strategischer Bedeutung.

Kreative Lösungen für akute Kapazitätsengpässe

Um die anhaltenden Kapazitätsprobleme zu kompensieren, die durch die Lieferverzögerungen der Boeing 787 und anderer Flugzeuge sowie durch die hohe Nachfrage entstanden sind, hat die Lufthansa bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen. So wurden beispielsweiße fünf Airbus A350-Maschinen, welche noch nicht mit der neuen Allegris-Ausstattung versehen sind, vorübergehend vom Drehkreuz München nach Frankfurt verlegt. Eine weitere A350 soll im Juli folgen. Diese Verlagerung dient dazu, die Kapazität auf den dringend benötigten Langstrecken zu erhöhen und die Auslastung der bestehenden Flotte zu optimieren.

Die nun geplante Strategie, die ersten Boeing 787 trotz der ausstehenden Sitz-Zertifizierung im Liniendienst einzusetzen, ist ein kreativer Ansatz zur Bewältigung der Engpässe. Lufthansa plant, die betroffenen Business-Class-Sitze zunächst zu blocken, bis die endgültige Zulassung vorliegt. Dies bedeutet, daß diese Sitze vorübergehend nicht verkauft werden oder anderweitig genutzt werden, um den Betrieb des Flugzeugs nicht zu behindern. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte auf Anfrage von airliners.de: „Wir arbeiten daran, zumindest einige Boeing 787 bald im Liniendienst einzusetzen.“ Bei erfolgreichen Tests sollen die Flugzeuge ab Herbst auf ausgewählten Strecken operieren. Dies könnte dazu beitragen, das Streckennetz der Lufthansa zu stabilisieren und die Servicequalität für Passagiere zu verbessern.

Beschleunigte Flottenintegration und Trainingsoffensive

Die Lufthansa plant möglicherweise, bis zu sechs Boeing 787 noch in diesem Jahr in ihre Flotte einzugliedern. Diese ambitionierte Zeitplanung erfordert eine Beschleunigung der internen Prozesse. Ein entscheidender Faktor hierbei ist die Wiederaufnahme des Crew-Trainings für den Flugzeugtyp. Dies soll im dritten Quartal des Jahres wieder anlaufen. Die Schulung von Piloten und Flugbegleitern für einen neuen Flugzeugtyp ist ein aufwendiger Prozeß, der sorgfältige Planung und erhebliche Ressourcen erfordert. Die Crews müssen umfangreiche theoretische und praktische Prüfungen absolvieren, um die Musterberechtigung für die 787 zu erhalten und den sicheren Betrieb des Flugzeugs zu gewährleisten.

Eine erfolgreiche und beschleunigte Trainingsphase würde „im Laufe des Winterflugplans 2025/2026 zu einer signifikanten Beschleunigung der Eingliederung in die Flotte führen“, so der Lufthansa-Sprecher. Dies ist von großer Bedeutung, da der Winterflugplan traditionell eine Zeit hoher Nachfrage ist, insbesondere auf den Langstrecken zu beliebten Winterzielen oder für Geschäftsreisen. Die schnellere Verfügbarkeit der 787er würde der Lufthansa mehr Flexibilität und Kapazität bieten, um auf die Marktbedürfnisse zu reagieren.

Neben den direkt bei Boeing bestellten Maschinen soll Lufthansa zudem zwei weitere Boeing 787-9 übernehmen, die ursprünglich für die polnische Fluggesellschaft LOT Polish Airlines vorgesehen waren. Diese sogenannten „White Tails“ oder „Aircraft on Order for Other Airlines“ sind oft sofort verfügbar, da sie bereits produziert wurden, aber aufgrund von Stornierungen oder Änderungen in den Bestellungen anderer Airlines frei geworden sind. Die Übernahme dieser zusätzlichen Maschinen könnte die Flottenexpansion der Lufthansa weiter beschleunigen und die Engpässe noch effektiver lindern.

Die Boeing 787 Dreamliner: Ein Schlüsselmodell für die Zukunft

Die Boeing 787 Dreamliner-Familie ist ein Schlüsselmodell für viele Fluggesellschaften weltweit und gilt als eines der effizientesten Großraumflugzeuge der neuen Generation. Sie zeichnet sich durch einen hohen Einsatz von Verbundwerkstoffen aus, was zu einem geringeren Gewicht und einem optimierten Treibstoffverbrauch führt. Zudem bieten die Kabinen der 787 einen erhöhten Passagierkomfort durch größere Fenster, eine höhere Luftfeuchtigkeit und einen geringeren Kabinendruck, was das Reiseerlebnis, insbesondere auf Langstrecken, verbessert.

Für die Lufthansa ist die 787-9 ein wichtiger Bestandteil ihrer Flottenstrategie. Sie wird eine tragende Rolle auf Strecken mittlerer und langer Reichweite spielen und es der Airline ermöglichen, ihr Netzwerk effizienter zu gestalten. Die Investition in moderne Flugzeuge wie die 787 und die A350 ist entscheidend, um im globalen Wettbewerb der Fluggesellschaften bestehen zu können und den Kunden ein attraktives Produkt anzubieten. Die Herausforderungen bei der Zertifizierung der neuen Kabinenausstattung zeigen jedoch, daß der Weg zur vollständigen Integration neuer Flugzeuge in den Liniendienst komplex sein kann und Flexibilität seitens der Fluggesellschaften erfordert.

Ein pragmatischer Schritt in die Zukunft

Die Entscheidung der Lufthansa, die Boeing 787 trotz anhaltender Zertifizierungsprobleme der Allegris-Sitze im Liniendienst einzusetzen, ist ein pragmatischer und strategisch wichtiger Schritt. Durch das vorübergehende Blocken der Business-Class-Sitze kann die Fluggesellschaft dringend benötigte Kapazitäten schaffen und die Einarbeitung der neuen Flugzeuge in die Flotte beschleunigen. Dies zeigt die Anpassungsfähigkeit der Lufthansa an die Herausforderungen im aktuellen Luftverkehrsgeschäft. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Tests und das Crew-Training entwickeln und welche Strecken die neuen Dreamliner zuerst anfliegen werden. Für die Passagiere der Lufthansa bedeutet dies die Aussicht auf eine modernere und komfortablere Reiseerfahrung in der nahen Zukunft.

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