Die Lufthansa Group, eine der größten und bekanntesten Fluggesellschaften Europas, plant für das Jahr 2025 eine bewusste Reduzierung ihrer Expansionsstrategie. Nach einem herausfordernden Jahr 2024, das von Flottenengpässen, einem schwierigen Geschäftsumfeld in Asien und anhaltend schwachen Buchungen von Geschäftsreisenden geprägt war, hat sich der Konzern entschieden, das Wachstum seiner Kernmarke Lufthansa Airlines deutlich zu begrenzen. Statt einer aggressiven Expansion wird ein „sehr dosiertes und moderates Wachstum“ von lediglich 3,5 Prozent anvisiert. Diese Entscheidung ist Teil eines umfassenden Effizienzprogramms namens „Turnaround“, das darauf abzielt, die Profitabilität des Unternehmens zu steigern und die Stabilität des Betriebs zu sichern.
2024 erwies sich für die Lufthansa Group als ein Jahr voller Herausforderungen. Wie zahlreiche andere Airlines spürte auch der deutsche Flugkonzern die anhaltenden Auswirkungen der weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheit. Besonders das Geschäft in Asien entwickelte sich schwieriger als erwartet. Die teils schwierige geopolitische Lage, die Auswirkungen der Pandemie und die damit verbundenen veränderten Reisemuster in der Region hinterließen deutliche Spuren in den Zahlen. Das Asiengeschäft, das vor der Pandemie noch eine der wichtigsten Einnahmequellen der Lufthansa darstellte, brachte nicht die erhofften Ergebnisse.
Zudem blieb das Segment der Geschäftsreisen weiterhin hinter den Erwartungen zurück. In vielen Bereichen war die Buchungslage von Geschäftsreisenden verhalten. Zwar erholte sich der Markt in den letzten Monaten des Jahres 2024, jedoch war der Schwung noch nicht ausreichend, um die erwarteten Gewinne zu erzielen. Gerade in einer Zeit, in der Lufthansa in mehreren Märkten mit einem knappen Angebot und der Notwendigkeit zur Flottenerneuerung konfrontiert war, wirkten sich diese Faktoren spürbar aus.
Lufthansa kündigte an, dass die Prognose für den operativen Gewinn im Jahr 2024 unter den Erwartungen liegen würde. Das endgültige Ergebnis für das Jahr wird am 6. März 2025 veröffentlicht, was zu weiteren Unsicherheiten bezüglich der finanziellen Entwicklung führt. In diesem Kontext ist das Augenmerk auf die geplanten Maßnahmen gerichtet, mit denen die Airline die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden möchte.
Der „Turnaround“: Effizienz statt Expansion
Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat die Lufthansa ein weitreichendes Effizienzprogramm mit dem Namen „Turnaround“ ins Leben gerufen. Ziel dieses Programms ist es, nicht nur die Profitabilität zu sichern, sondern auch die Marktstellung des Unternehmens langfristig zu stärken. Eine der zentralen Maßnahmen des Programms ist die deutliche Begrenzung des geplanten Wachstums für die Jahre 2025 und darüber hinaus.
Lufthansa Airlines, die größte Marke innerhalb des Lufthansa-Konzerns, wird 2025 ihr Flugangebot nur moderat ausweiten. Die angestrebte Steigerung von lediglich 3,5 Prozent soll dazu beitragen, dass die Airline sich auf Qualität und Stabilität konzentrieren kann, anstatt durch zu schnelles Wachstum in neue Schwierigkeiten zu geraten. Dieser Schritt wird als eine Art „Anpassung an die Realität“ beschrieben, die den gesamten operativen Betrieb stabilisieren soll.
Laut Jens Ritter, dem Vorstand der Lufthansa Airlines, soll das Wachstum im Jahr 2025 90 Prozent des Vorkrisenwerts von 2019 erreichen. Damit liegt der Fokus nicht auf der schieren Expansion, sondern auf einer gezielten und nachhaltigen Verbesserung der betrieblichen Effizienz und der Kundenzufriedenheit. Diese Strategie ist in den letzten Jahren zunehmend relevant geworden, da die Luftfahrtbranche nicht nur mit den Auswirkungen von globalen Krisen zu kämpfen hat, sondern auch durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck und steigende Kosten vor Herausforderungen steht.
Flottenengpässe und der Wettbewerb
Ein weiterer kritischer Faktor in der Planung von Lufthansa ist die Flottenproblematik. Auch im Jahr 2024 war die Lufthansa Group mit Engpässen in ihrer Flugzeugflotte konfrontiert. Lieferverzögerungen und anhaltende Schwierigkeiten bei der Wartung und Auslieferung neuer Maschinen belasteten das Unternehmen erheblich. Die Flottenerneuerung, die auf eine höhere Effizienz und eine verbesserte Kostensituation abzielt, konnte nur verzögert vorangetrieben werden.
Für Lufthansa stellt sich nun die Frage, wie sie mit dieser Situation umgehen wird. Einerseits ist die Airline gezwungen, ihre Flottenkapazitäten zu optimieren und auf bereits bestehende Maschinen zurückzugreifen, um die Nachfrage zu bedienen. Andererseits wird die moderne Ausrichtung der Flotte als eine der Schlüsselstrategien für die kommenden Jahre angesehen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Flottenengpässe erschweren zudem das geplante Wachstum, was eine weitere Einschränkung für die Expansion der Kernmarke Lufthansa bedeutet.
Perspektiven für 2025 und darüber hinaus
Trotz der Herausforderungen bleibt Lufthansa optimistisch, dass die angestrebte Stabilität im Jahr 2025 erzielt werden kann. Die geringere Wachstumsrate und das Effizienzprogramm sind Maßnahmen, die eine nachhaltige Entwicklung anstreben und zugleich kurzfristigen finanziellen Druck aus der Luftfahrtbranche herausnehmen sollen. Experten gehen davon aus, dass Lufthansa in den kommenden Jahren in der Lage sein wird, den Markt mit einer gesunden Mischung aus moderatem Wachstum und stabiler Profitabilität zu bedienen.
Die Entscheidung, das Wachstum zu drosseln, könnte sich auch langfristig als vorteilhaft erweisen, insbesondere im Hinblick auf die unvorhersehbaren Marktentwicklungen. Indem Lufthansa die Flotte und das Flugangebot nur leicht ausbaut, reduziert sie das Risiko, in einem zunehmend kompetitiven Markt zu viel Kapazität anzubieten. Der Fokus auf Stabilität und Effizienz könnte das Unternehmen in eine gute Position für die Jahre nach 2025 bringen, wenn sich die weltwirtschaftliche Lage und die Nachfrage nach Reisen weiter normalisieren.