Die Übernahme der italienischen Fluggesellschaft ITA Airways durch die Lufthansa steht unter scharfer Beobachtung der Europäischen Kommission.
Die EU-Behörde hat Bedenken hinsichtlich der Marktbeherrschung auf bestimmten Transatlantikstrecken geäußert. Um den Einstieg von Lufthansa bei ITA zu genehmigen, müssen strenge Auflagen erfüllt werden. Dabei geht es vor allem um das Aufbrechen von Monopolstellungen auf wichtigen Nordamerikastrecken ab Rom. Lufthansa sieht sich in Verhandlungen mit Konkurrenten wie Air France-KLM und der International Airlines Group (IAG) unerwarteten Forderungen gegenüber, die den Deal komplizierter gestalten als erwartet.
Marktmacht auf Nordamerikastrecken: EU greift ein
Die EU-Kommission hat Bedenken, dass Lufthansa und ITA Airways gemeinsam auf Strecken nach Washington, Chicago, San Francisco und Toronto von Rom aus eine zu große Marktmacht erlangen könnten. Diese vier Städte gehören zu den wirtschaftlich und strategisch wichtigen Zielen im transatlantischen Flugverkehr. Um eine monopolartige Situation zu verhindern, fordert die EU, dass Lufthansa diese Strecken auch für Wettbewerber öffnet. Der Stichtag, bis zu dem diese Bedingung erfüllt werden muss, ist der 4. November 2024.
Lufthansa hat daraufhin Gespräche mit ihren Konkurrenten Air France-KLM und IAG, dem Mutterkonzern von British Airways und Iberia, aufgenommen. Beide Unternehmen wären in der Lage, Rom-Fiumicino mit ihren Drehkreuzen in Paris, Amsterdam, London und Madrid zu verbinden und damit die EU-Auflagen zu erfüllen. Es gibt zudem eine praktische Regelung: Bei einer Transitzeit von weniger als drei Stunden zwischen Zubringer- und Langstreckenflügen wäre die Auflage der EU bereits erfüllt.
Überraschende Forderungen der Konkurrenten
Die Verhandlungen, in denen Lufthansa Konkurrenten Zugang zu den wertvollen Nordamerikastrecken gewähren will, verlaufen jedoch nicht so reibungslos, wie erwartet. Laut Berichten der italienischen Zeitung Corriere Della Sera werden Lufthansa und ITA in den Gesprächen mit Air France-KLM und IAG mit überraschenden Forderungen konfrontiert: Beide Konzerne wollen sich nicht nur mit den Slots für die Nordamerika-Strecken zufriedengeben, sondern fordern zusätzlich attraktive Start- und Landefenster an einem anderen wichtigen Standort – dem Flughafen Mailand-Linate.
Mailand-Linate ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für Italien und insbesondere für den nördlichen Wirtschaftsraum von enormer Bedeutung. Lufthansa und ITA mussten bereits zuvor Slots an diesem Flughafen abgeben. Die EU-Kommission hat gefordert, dass insgesamt 15 tägliche Start- und Landefenster in Mailand-Linate für Flüge zu Lufthansa-Drehkreuzen freigegeben werden. Diese Slots könnten potenziellen Wettbewerbern wie der britischen Easyjet oder der spanischen Volotea zugutekommen, die bereits Interesse an diesen Chancen signalisiert haben.
Die Bedeutung der Slots in Mailand-Linate
Die Forderungen von Air France-KLM und IAG nach zusätzlichen Slots in Mailand-Linate zeigen die strategische Bedeutung dieses Flughafens. Linate ist der kleinere, aber zentraler gelegene Flughafen von Mailand und wird aufgrund seiner Nähe zum Stadtzentrum bevorzugt von Geschäftsreisenden genutzt. Lufthansa hatte bereits Zugeständnisse in Mailand gemacht, doch der Verlust weiterer Slots könnte ihre Position auf dem italienischen Markt zusätzlich schwächen.
Für die Konkurrenz ist Mailand-Linate ein attraktiver Markt, da er Zugang zu einem wohlhabenden und geschäftsorientierten Kundenstamm bietet. Air France-KLM und IAG sehen hier offenbar eine Möglichkeit, sich wertvolle Start- und Landerechte zu sichern, die ihre eigene Marktposition stärken und gleichzeitig die Expansion von Lufthansa und ITA in Italien begrenzen könnten.
Ein komplexer Deal mit weitreichenden Auswirkungen
Der Deal zwischen Lufthansa und ITA Airways ist ein komplexes Geschäft, das weit über die reine Übernahme einer Fluggesellschaft hinausgeht. Die EU-Kommission hat sichergestellt, dass Lufthansa keine marktbeherrschende Stellung auf den wichtigen Strecken nach Nordamerika erlangt. Doch die Forderungen von Konkurrenten wie Air France-KLM und IAG, zusätzlich Start- und Landerechte an anderen Flughäfen wie Mailand-Linate zu erhalten, machen die Verhandlungen schwieriger.
Lufthansa steht nun vor der Herausforderung, einerseits die Auflagen der EU zu erfüllen und andererseits ihre Marktposition in Italien zu verteidigen. Die Freigabe weiterer Slots in Mailand könnte das Unternehmen schwächen, während der Verlust von wertvollen Verbindungen nach Nordamerika das Wachstumspotenzial von ITA Airways beeinträchtigen könnte. Dies könnte langfristig Auswirkungen auf die Expansionsstrategie von Lufthansa in Südeuropa haben.
Zukunftsaussichten für Lufthansa und ITA Airways
Die Übernahme von ITA Airways durch Lufthansa gilt als strategischer Schritt, um in den südeuropäischen Märkten stärker Fuß zu fassen und eine größere Reichweite im internationalen Flugverkehr zu erreichen. Italien ist nach Deutschland das zweitgrößte Luftverkehrsland Europas, und Rom sowie Mailand sind bedeutende Drehkreuze für Flüge in die USA, nach Kanada und darüber hinaus. Die Vereinbarung mit ITA Airways könnte Lufthansa helfen, sich in einem hart umkämpften Markt zu behaupten, vorausgesetzt, sie navigiert erfolgreich durch die regulatorischen Hürden.
Die Gespräche mit Air France-KLM und IAG zeigen jedoch, dass die Konkurrenz in der Luftfahrtbranche hart ist und jede Gelegenheit genutzt wird, um Vorteile zu erlangen. Wie Lufthansa auf diese Forderungen reagieren wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass der Ausgang dieser Verhandlungen sowohl für Lufthansa als auch für den gesamten europäischen Flugmarkt weitreichende Konsequenzen haben wird. Lufthansa steht im Rahmen des ITA Airways-Deals vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits muss sie die strengen EU-Auflagen zur Marktbeherrschung auf transatlantischen Strecken erfüllen und andererseits ihre Marktposition in Mailand und Rom verteidigen. Die unerwarteten Forderungen von Air France-KLM und IAG nach zusätzlichen Slots in Mailand-Linate könnten den Deal weiter verkomplizieren. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um die Zukunft von Lufthansa und ITA in einem der wettbewerbsintensivsten