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Lufthansa und IATA: Herausforderungen und Forderungen im Bereich nachhaltiger Luftfahrtkraftstoffe

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In einem sich rasch verändernden Sektor steht die Luftfahrtbranche vor einer doppelten Herausforderung: Der Drang nach Nachhaltigkeit trifft auf begrenzte Ressourcen und regulatorische Uneinigkeit.

Der internationale Airline-Weltverband IATA hat kürzlich eine optimistische Prognose für die Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF) veröffentlicht, während die Lufthansa auf dringende Korrekturen am EU-Klimapaket drängt und die deutsche Bundesregierung kritisiert. Der Konflikt zwischen ambitionierten Umweltzielen und der praktischen Umsetzung spitzt sich zu, während die Branche auf eine Wende in der Nachhaltigkeitsstrategie hofft.

Steigende Produktionsdynamik und hohe Kosten für SAF

Die IATA zeigt sich trotz der Herausforderungen beim Thema SAF optimistisch. Nach den aktuellen Daten des Verbandes wird für 2024 mit einer Verfügbarkeit von 1,5 Millionen Tonnen SAF gerechnet, was eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Willie Walsh, Generaldirektor der IATA, äußerte sich bei der Jahreskonferenz des Verbands in Dubai im Frühsommer 2024 und prognostizierte, dass ab 2030 jährlich 51 Millionen Tonnen SAF zur Verfügung stehen könnten. Diese Schätzung deutet auf ein exponentielles Wachstum hin, das für die Branche von zentraler Bedeutung ist, um die Klimaziele zu erreichen.

SAF ist jedoch momentan stark begrenzt und bleibt teuer. Lufthansa-Politikchef Kay Lindemann erklärt, dass SAF gegenwärtig zwei bis fünf Mal teurer ist als herkömmliches Kerosin. Dieses Preisschema wird durch das geringe Angebot und die damit verbundene Knappheit verstärkt. Die Lufthansa hat bereits seit Jahren SAF in ihrem Betrieb eingesetzt, sieht jedoch bald eine Zwangslage, da ab dem 1. Januar 2025 EU-weite Quoten für SAF in Kraft treten. Der erforderliche Anteil startet bei zwei Prozent und soll bis 2050 auf 70 Prozent steigen.

Kritik an EU-Vorgaben und nationale Sonderlösungen

Die Kritik an der EU-Politik ist für Lufthansa nicht neu. Laut Lindemann fehlt es Europa an einer robusten Industriepolitik, die die Klimaziele mit der notwendigen Investitionskraft in Produktionsanlagen untermauert. Besonders die Lage bei strombasierten Kraftstoffen, auch Power-to-Liquid (PtL) genannt, wird als problematisch angesehen. Ab 2030 muss der Anteil an PtL bei 1,2 Prozent liegen und soll bis 2050 auf 35 Prozent steigen. Doch derzeit gibt es in Europa keine PtL-Produktionseinrichtungen, und bereits gestartete Projekte wurden gestoppt.

Lufthansa fordert eine umfassende und schlüssige Importstrategie, um die Angebotslücke bei PtL zu schließen. Die gegenwärtige nationale Sonderlösung in Deutschland, die eine PtL-Beimischquote von 0,5 Prozent ab 2025 vorschreibt, wird von der Lufthansa als problematisch angesehen. Lindemann warnt vor „absurden Strafen“ für Airlines und Kunden, falls die vorgeschriebenen Kraftstoffe nicht verfügbar sind. Diese Situation könnte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftfahrtbranche gefährden und unnötige Kosten verursachen.

Bedeutung und Auswirkungen der Regulierungen

Die Regulierungen zum Einsatz von SAF und PtL sind Teil der globalen Bemühungen, die Luftfahrtindustrie nachhaltiger zu gestalten. Der EU-Klimaplan zielt darauf ab, die Emissionen des Luftverkehrs drastisch zu reduzieren und die Branche auf umweltfreundliche Kraftstoffe umzustellen. Während diese Ziele begrüßenswert sind, stehen sie im Konflikt mit der Realität eines noch nicht ausreichenden Angebots und hohen Produktionskosten für nachhaltige Kraftstoffe.

Die Luftfahrtbranche steht vor der Herausforderung, diese umweltpolitischen Vorgaben mit den praktischen Möglichkeiten der Kraftstoffproduktion und -verfügbarkeit in Einklang zu bringen. Die Forderungen der Lufthansa nach Anpassungen und eine wirksame Importstrategie spiegeln die Notwendigkeit wider, realistische Lösungen zu finden, um die Branche auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen.

Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Produktionskapazitäten für SAF und PtL entwickeln werden. Die Branche ist auf innovative Lösungen und eine stärkere Unterstützung durch die Politik angewiesen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Der Weg zur nachhaltigen Luftfahrt ist komplex und von zahlreichen Herausforderungen geprägt, doch die Fortschritte und Investitionen in diesem Bereich werden entscheidend für den Erfolg der globalen Umweltstrategien sein.

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