Die Deutsche Lufthansa AG, eine der größten Fluggesellschaften Europas, sieht sich erneut mit Kritik ihres Großaktionärs Klaus-Michael Kühne konfrontiert. Der Hamburger Logistikunternehmer, der etwa 19 Prozent der Lufthansa-Anteile hält, äußerte scharfe Kritik an der Unternehmensstrategie und forderte eine klare Neuausrichtung, um den Kurs des Luftfahrtkonzerns wieder auf Wachstumskurs zu bringen.
Kühne kritisierte insbesondere die „Verzettelung“ der Lufthansa in Nebenprojekten und das weitläufige Netz aus Airline-Beteiligungen. Er bemängelte, dass der Fokus auf die Kernmarke Lufthansa Airlines verloren gegangen sei. Diese kämpft weiterhin mit finanziellen Schwierigkeiten, und eine schwarze Null für 2024 scheint ungewiss. Kühne betonte, dass eine „überzeugendere Geschäftspolitik“ notwendig sei, um auch den Aktienkurs nachhaltig zu stabilisieren.
Herausforderungen und Zukunftspläne
Der Konzern steht aktuell an mehreren Fronten unter Druck. Ein Maßnahmenpaket, das unter dem Titel „Turnaround“ läuft, sieht vor, 400 Stellen in der Verwaltung abzubauen und die Einsätze des Flugpersonals effizienter zu gestalten. Auch eine verstärkte Rückgewinnung von Geschäftsreisenden, die nach der Pandemie nur schleppend zurückkehren, steht auf der Agenda. Parallel erwartet Lufthansa die Genehmigung der EU für die Übernahme von ITA Airways und plant bereits die Beteiligung an TAP Air Portugal bis 2025. Diese Expansionen, so die Kritik Kühnes, könnten jedoch die Kapazitäten des Managements überfordern.
Die Rolle Kühnes und mögliche Konflikte
Kühne hat angekündigt, die Diskussion mit Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr und Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley zu suchen. Während er keine Konfrontation anstrebt, sieht er dennoch Handlungsbedarf, sollte sich der Kurs des Unternehmens nicht verbessern. Auch eine stärkere Artikulation seiner Forderungen auf Hauptversammlungen schloss er nicht aus.
Der Einstieg Kühnes bei Lufthansa steht zudem im Kontext seiner umfassenderen Beteiligungen in der Logistikbranche. Branchenexperten vermuten, dass Kühne ein besonderes Interesse an Lufthansa Cargo, der Frachttochter des Konzerns, hat. Diese Abteilung gilt als profitabel und könnte strategisch gut in Kühnes Logistikportfolio passen.
Marktentwicklung und Aktionärsperspektive
Die Unsicherheiten spiegeln sich auch im Aktienkurs wider, der seit Monaten unter Druck steht. Analysten sind gespalten: Während einige die Sparmaßnahmen und Expansionen positiv bewerten, sehen andere weiterhin strukturelle Probleme. Besonders die Abhängigkeit vom Passagiergeschäft, das durch steigende Kosten und verändertes Reiseverhalten belastet ist, bleibt ein Risiko.
Der Hamburger Unternehmer steht damit stellvertretend für eine wachsende Unzufriedenheit unter den Aktionären, die von der Lufthansa klare Maßnahmen erwarten. Mit seiner beträchtlichen Beteiligung könnte Kühne maßgeblichen Einfluss auf die strategische Richtung des Unternehmens ausüben.