Airbus A321LR (Foto: Steffen Lorenz).
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Lufthansa verhandelt über vollständigen Erwerb von TAP Air Portugal

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Die Deutsche Lufthansa AG bereitet nach dem Zuschlag für ein erstes Aktienpaket an der portugiesischen Nationalgesellschaft TAP Air Portugal den vollständigen Erwerb des Carriers vor.

Während der Vertrag über den Einstieg in einer ersten Phase eine Beteiligung von knapp 45 Prozent bis maximal 49,9 Prozent für eine Summe von bis zu 1,2 Milliarden Euro vorsieht, laufen parallel dazu bereits Detailverhandlungen über die Übernahme der verbleibenden 50,1 Prozent der Anteile. Für diesen zweiten Schritt steht ein Volumen von 1,351 Milliarden Euro im Raum, das teils in bar sowie teils über die Ausgabe neuer Lufthansa-Aktien beglichen werden soll. Das Vorhaben stellt einen weiteren Schritt in der Konsolidierung der europäischen Zivilluftfahrt dar. Der formelle Vollzug der ersten Tranche wird aufgrund kartellrechtlicher Prüfungsprozesse der Europäischen Kommission erst im ersten Halbjahr 2028 erwartet.

Finanzielle Strukturierung des Stufenmodells und geplante Beteiligung des portugiesischen Staates

Die Übernahmevereinbarung zwischen der portugiesischen Regierung unter Premierminister Luís Montenegro und der Lufthansa Group gliedert sich in zwei zeitlich versetzte Abschnitte. In der ersten Phase erwirbt der deutsche Luftfahrtkonzern zunächst knapp 45 Prozent des Kapitals der TAP für gut eine Milliarde Euro. Einen Anteil von bis zu fünf Prozent sieht die Transaktionsstruktur vorrangig für die Belegschaft der Fluggesellschaft vor. Sollten die Beschäftigten dieses Zeichnungsrecht nicht im vollen Umfang in Anspruch nehmen, würde die Aufstockung des Lufthansa-Anteils auf bis zu 49,9 Prozent bei einer Gesamtsumme von 1,2 Milliarden Euro greifen.

Parallel verhandelt das Management um Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert bereits über die Konditionen der zweiten Phase zur vollständigen Privatisierung. Für die verbleibenden 50,1 Prozent sieht das Lufthansa-Angebot eine Gegenleistung von 1,351 Milliarden Euro vor. Dieser Betrag teilt sich auf in eine Barzahlung von 863 Millionen Euro sowie eine Sachkapitalerhöhung im Gegenwert von 488 Millionen Euro in Form von Lufthansa-Aktien. Der Staat Portugal würde dadurch im Gegenzug mit einem Anteil von bis zu fünf Prozent zum zweitgrößten Aktionär des deutschen Konzerns aufsteigen. Der politische Vollzug der vollständigen Privatisierung erfordert im portugiesischen Parlament jedoch die parlamentarische Zustimmung von Oppositionsparteien, die einer Komplettveräußerung derzeit noch zurückhaltend gegenüberstehen.

Synergiepotenziale, operative Führungsansprüche und Streckennetzintegration

Trotz des schrittweisen Vorgehens strebt der Lufthansa-Konzern an, bereits im Zuge der ersten Erwerbsphase operative Steuerungsimpulse bei der portugiesischen Fluggesellschaft zu setzen. Nach Vorstellungen des Managements soll der Konzern trotz des anfänglichen Minderheitsstatus maßgeblichen Einfluss auf die Besetzung des Vorstandsvorsitzes sowie die strategische Netzplanung erhalten. Ergänzend sind Vereinbarungen zur Gewinnabführung im Gespräch, nach denen bis zu 75 Prozent der jährlichen Überschüsse von TAP an die Muttergesellschaft fließen könnten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Finanzchef Till Streichert bezifferten die erwarteten jährlichen Ergebnissynergien im Rahmen einer Analystenkonferenz am 15. Oktober 2026 auf bis zu 450 Millionen Euro. Diese Effekte sollen nach Angaben des Unternehmens bereits im ersten vollen Geschäftsjahr nach Vollzug der Ersttranche wirksam werden. Die netzwerkseitige Relevanz von TAP Air Portugal liegt insbesondere in ihrer Marktposition auf den Transatlantikrouten zwischen Europa und Südamerika, namentlich nach Brasilien. Durch die Kombination der Netzwerke von Lufthansa und TAP würde der gemeinsame Marktanteil in diesem Sektor auf rund 20 Prozent ansteigen, womit der Konzern zum bisherigen Marktführer International Airlines Group (IAG) aufschließt. Zudem verpflichtet sich Lufthansa im Rahmen des Übernahmeangebots, die Flotte der TAP von rund 100 Maschinen auf 117 Flugzeuge bis zum Jahr 2035 und im Zuge der Inbetriebnahme des neuen Flughafens in Lissabon auf 130 Einheiten auszubauen.

Zeitplan der regulatorischen Prüfung und kartellrechtliche Rahmenbedingungen

Vor dem operativen Vollzug der ersten Transaktionsphase steht eine umfassende wettbewerbsrechtliche Untersuchung durch die Europäische Kommission und nationale Kartellbehörden an. Die portugiesische Regierung veranschlagt für diese Vorprüfungen und die finalen Vertragsverhandlungen einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten. Dementsprechend ist mit dem formalen rechtlichen Abschluss der ersten Stufe nicht vor dem ersten Halbjahr 2028 zu rechnen.

Rechtsexperten und Wettbewerbsbeobachter weisen darauf hin, dass eine vorzeitige Übernahme operativer Leitungsfunktionen vor der finalen Freigabe aus Brüssel wettbewerbsrechtlichen Beschränkungen unterliegt. Die Europäische Kommission prüft im Rahmen von Fusionskontrollverfahren strikt, ob sogenannte „Gun-Jumping“-Verstöße vorliegen, wenn ein Erwerber vorab bestimmenden Einfluss auf einen Wettbewerber ausübt. Operative Maßnahmen oder gemeinsame Streckenabstimmungen im Vorfeld der behördlichen Genehmigung erfordern daher Sondergenehmigungen der europäischen Aufsichtsbehörden. Im ersten Halbjahr 2026 wies TAP trotz eines Passagierwachstums auf 8,2 Millionen Fluggäste aufgrund hoher Betriebskosten einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro aus, was die Dringlichkeit strukturierter Integrationsmaßnahmen unterstreicht.

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