Airbus A320neo (Foto: Lufthansa).
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Lufthansa: Verhandlungsrunden mit Pilotengewerkschaft und Kabinenpersonal ohne unmittelbare Streikdrohung im Sommer

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Der Vorstand der Deutschen Lufthansa rechnet im laufenden Sommergeschäft vorerst nicht mit neuen Arbeitskämpfen beim fliegenden Personal. Nach den Streikaktionen im Frühjahr befindet sich die Konzernführung in Verhandlungen mit den Fachgewerkschaften Vereinigung Cockpit und der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo). Konzernchef Carsten Spohr bestätigte, dass vertrauliche Gespräche stattfinden, die auf eine Beilegung der offenen Tarifkonflikte abzielen.

Die vorausgegangenen Arbeitsniederlegungen im zweiten Quartal belasteten das operative Ergebnis des Luftfahrtkonzerns mit mindestens 150 Millionen Euro. Im Zentrum der Kontroversen stehen neben Gehalts- und Versorgungsfragen auch Fragen der Produktivität sowie die künftige Flottengröße der Kernmarke Lufthansa. Trotz vorsichtiger Annäherungssignale der Kabinengewerkschaft bleiben die strukturellen Differenzen zwischen den Tarifparteien spürbar.

Auswirkung der Arbeitskämpfe auf das Geschäftsergebnis des zweiten Quartals

Die Tarifauseinandersetzungen des Frühlings haben in der Finanzbilanz des Luftfahrtkonzerns deutliche Spuren hinterlassen. Im Rahmen der Vorlage der aktuellen Vierteljahreszahlen in Frankfurt am Main bezifferte der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr die finanziellen Ausfälle durch die Streiks im zweiten Quartal auf mindestens 150 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich zusammen aus direkten Einnahmeausfällen durch Flugstreichungen, den Umbuchungs- und Betreuungskosten für gestrandete Passagiere sowie zusätzlichen betrieblichen Aufwendungen zur Aufrechterhaltung des Ersatzflugplans.

Die Unterbrechungen im Flugbetrieb trafen das Unternehmen in einer Phase, in der die operative Marge ohnehin durch steigende Material- und Treibstoffkosten belastet wird. Um weitere finanzielle Schäden während der passagiereintensiven Sommermonate abzuwenden, setzt das Management auf den Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen. Spohr betonte, dass der Verlauf der aktuellen Gespräche Anlass zu der Erwartung gebe, die Hauptreisezeit ohne erneute Einschränkungen im Flugplan zu bewältigen.

Konfliktpunkte bei der Kabinengewerkschaft Ufo und Zeichen der Annäherung

Die Kabinengewerkschaft Ufo hatte im April 2026 an drei Tagen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Gegenstand der damaligen Forderungen waren Anpassungen im Manteltarifvertrag sowie der Abschluss eines Sozialplans im Zusammenhang mit der Einstellung des Flugbetriebs der Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline. Die Stilllegung der Regionalgesellschaft und der Übergang von Fluggerät und Strecken auf andere Konzerneinheiten hatten zu Verstimmungen bei den Beschäftigten geführt.

Zuletzt zeichnete sich in den Gesprächen zwischen den Vertretern der Kabinengewerkschaft und dem Konzernvorstand eine graduelle Entspannung ab. Nach gemeinsamen Verhandlungsterminen informierte die Gewerkschaft ihre Mitglieder über eine vorsichtige Annäherung in zentralen Fragen. Die Arbeitnehmervertretung teilte mit, dass eine Einigung ohne erneute Eskalation derzeit grundsätzlich für möglich gehalten werde. Gleichwohl bleibt das Verhandlungsergebnis an konkrete Zugeständnisse des Arbeitgebers bei den Manteltarifverträgen und den Übergangsregelungen geknüpft.

Grundsatzstreit mit der Vereinigung Cockpit um Betriebsrenten und Produktivität

Komplexer gestaltet sich das Verhältnis zwischen der Lufthansa-Führung und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Im April 2026 traten die Piloten für höhere Konzerneinzahlungen in die betriebliche Altersversorgung in den Ausstand. Konzern-Personalvorstand Michael Niggemann hatte der Gewerkschaft im Zuge dieser Auseinandersetzung ein extrem hohes Forderungsverhalten vorgehalten. Vonseiten der Unternehmensleitung wird angezweifelt, dass die Betriebsrenten der alleinige Auslöser für den Konflikt sind.

Das Verhältnis zwischen den Piloten und dem Management ist seit dem Jahr 2021 angespannt, als die Lufthansa die sogenannte Perspektivvereinbarung aufkündigte. Dieses Abkommen regelte unter anderem eine Mindestflottengröße für die Kernmarke sowie Karrierewege für das Cockpitpersonal. Durch die Verkleinerung der Flotte in der Muttergesellschaft und den gleichzeitigen Aufbau von Flugkapazitäten bei Tochtergesellschaften wie Cityline oder Discover Airlines sieht die Vereinigung Cockpit den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags geschmälert.

Perspektiven der Tarifverträge und langfristige Absicherung der Kernmarke

Für die Weiterentwicklung der Tarifstruktur strebt die Lufthansa eine Gesamtlösung an. Der Vorstand beabsichtigt, die Versorgungsthemen ausschließlich in Kombination mit den Vergütungsstrukturen und den Arbeitszeit- sowie Dienstregeln neu zu verhandeln, obwohl die bestehenden Vereinbarungen formal noch Laufzeiten bis Ende 2026 beziehungsweise Ende 2027 aufweisen. Ohne den Abschluss neuer Verträge würde für die Piloten der Kernmarke ab dem 1. April 2027 wieder der alte Konzerntarifvertrag in Kraft treten, was aus Sicht des Managements nicht mehr den aktuellen Marktbedingungen entspricht.

Konzernchef Spohr stellte heraus, dass die Wiederaufnahme von Wachstum in der Hauptmarke an eine Steigerung der Produktivität gekoppelt sei. Nach seiner Darstellung haben die vergangenen Streiks weder zu Gehalts- noch zu Pensionssteigerungen geführt. Das Management sieht in produktiveren Dienstregeln den einzigen Weg, um den Kapazitätsrückgang bei der größten Fluggesellschaft der Gruppe aufzuhalten und ihre Position im internationalen Wettbewerb zu sichern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Verhandlungsparteien diese Positionen in tragfähige Vereinbarungen überführen können.

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