Lufthansa Aviation Center am Flughafen Frankfurt am Main (Foto: Jan Gruber).
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Lufthansa verschärft Sparkurs: Umbau der Kernmarke durch Kostensenkung am Boden und Flottenstrategie

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Die Lufthansa-Kernmarke befindet sich unter erheblichem finanziellem Druck und reagiert darauf mit einer umfassenden Neuausrichtung ihrer Geschäftsstrategie, die massive Kostensenkungen und tiefgreifende operative Veränderungen vorsieht.

Nachdem die Sparte Lufthansa Airlines, und insbesondere die Kernmarke Lufthansa Classic, im ersten Halbjahr 2025 Verluste in Höhe von 307 Millionen Euro verzeichnete – wovon 274 Millionen Euro auf die Hauptmarke entfielen – intensiviert der Konzern sein sogenanntes „Turnaround“-Programm. Dieses Programm zielt darauf ab, bis zum Jahr 2028 einen Ergebnisbeitrag von 2,5 Milliarden Euro zu erzielen. Neben strukturellen Anpassungen bei der Flotte und im Management fokussiert sich das Unternehmen nun verstärkt auf Einsparpotenziale in den Bodenverkehrsdiensten an ihren zentralen Drehkreuzen Frankfurt und München. Gleichzeitig treibt Lufthansa die Digitalisierung der Kundenprozesse und eine deutliche Reduzierung der Personalstärke in der Verwaltung voran, um die Wettbewerbsfähigkeit der traditionell hochtarifierten Kernmarke wiederherzustellen.

Neuausrichtung der Bodenverkehrsdienste an den Drehkreuzen

Eine zentrale und gleichzeitig brisante Säule der Sparbemühungen betrifft die Bodenverkehrsdienste an den Hauptflughäfen Frankfurt und München. Nach Informationen des „Handelsblatt“ prüft die Lufthansa-Führung derzeit konkrete Modelle, um die Abfertigungsleistungen effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Die Überlegung sieht vor, Teile dieser Dienste in Tochtergesellschaften oder durch externe Partner zu geringeren Tarifen erbringen zu lassen. Aktuell sind von diesen Plänen rund 4.000 Bodenbeschäftigte in Frankfurt und München betroffen.

Experten und Gewerkschaften weisen darauf hin, dass diese Strategie darauf abzielt, das Lohnniveau auf das von externen Dienstleistern zu senken, das teilweise bis zu 20 Prozent unter den Tarifen der Lufthansa-Kernmarke liegen kann. Diese angestrebten Kostenvorteile sind ein direkter Hebel zur Steigerung der Rentabilität. Der Bereich „Ground Ops“ wurde auf dem jüngsten Kapitalmarkttag des Konzerns Ende September prominent unter dem Stichwort „Cost Excellence“ genannt und verdeutlicht damit die strategische Bedeutung dieses Feldes für die Sanierung der Kostenstruktur. Der Konzern steht diesbezüglich vor harten Verhandlungen mit den zuständigen Gewerkschaften wie Verdi, die eine Auslagerung von Tätigkeiten in Gesellschaften mit niedrigeren Löhnen als „gleiche Arbeit, schlechter bezahlt“ kritisieren und Arbeitsplatzabsicherungen fordern. Unabhängig von den aktuellen Plänen zur Auslagerung ist bekannt, dass Lufthansa in München bereits seit 2025 die Abfertigung eines Teils ihrer Flüge in Eigenregie plant, unter anderem durch die potenzielle Übernahme von Swissport Losch, was ebenfalls auf eine Umstrukturierung in diesem Sektor hindeutet.

Operative Verschlankung und Digitalisierung im Kundenkontakt

Neben der potenziellen Umstrukturierung der Bodenverkehrsdienste zielt Lufthansa auf eine massive Verschlankung der Abläufe am Flughafen, insbesondere dort, wo Kundenkontakt besteht. Die Airline will den Personaleinsatz am Gate drastisch reduzieren. Die Zielvorgabe sieht vor, dass spätestens 2030 auf Interkontinentalflügen nur noch zwei Serviceagenten und auf Kontinentalflügen lediglich einer eingesetzt werden soll. Dies würde eine Halbierung des Personaleinsatzes für das Boarding bedeuten.

Ermöglicht werden soll diese Reduktion durch eine verstärkte Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse. Ein Schlüsselprojekt in diesem Bereich ist die beschleunigte Einführung von Self-Service-Lösungen: Bis 2030 plant Lufthansa, 50 Prozent des aufgegebenen Gepäcks über automatisierte Drop-off-Automaten abzuwickeln. Im Jahr 2024 lag dieser Anteil im Premiumbereich noch bei unter 10 Prozent. Die Digitalisierung geht über den Kundenservice hinaus und umfasst auch den Einsatz von Kameras und künstlicher Intelligenz, um Prozesse wie Wartung und Abfertigung effizienter zu steuern und so die Pünktlichkeit zu verbessern und die Kosten für Entschädigungszahlungen zu senken. Lufthansa strebt an, die jährlichen Ausgleichszahlungen, die sich zuletzt auf rund 500 Millionen Euro summierten, bis 2028 zu halbieren. Diese Maßnahmen sollen die operative Qualität dauerhaft stabilisieren, die in den vergangenen Jahren unter Störungen im Flugbetrieb litt.

Strategische Flottenanpassung: Fokus auf Langstrecke

Parallel zu den Kostensenkungen am Boden setzt die Lufthansa-Führung auf eine strategische Fokussierung der Kernmarke auf das Langstreckengeschäft. Dies wird durch eine signifikante Verschiebung der Kurzstreckenflotte in effizientere Tochtergesellschaften realisiert. Derzeit kontrolliert die hoch tarifierte Lufthansa Classic noch den Großteil ihrer Kurzstreckenflotte. Die Zielsetzung von Netzwerkmanager Stefan Kreuzpainter ist jedoch klar: Bis 2030 soll 50 Prozent der Lufthansa-Airlines-Kurzstreckenflotte bei den Konzerntöchtern Discover Airlines und City Airlines angesiedelt sein.

Diese strategische Verlagerung der Kurzstreckenkapazitäten in Gesellschaften mit niedrigeren Betriebskosten dient als zentrales Instrument, um die Rentabilität der Gesamtgruppe zu steigern und gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit im hart umkämpften europäischen Kurzstreckengeschäft zu verbessern. Die erst 2024 gegründete Lufthansa City Airlines wird künftig als Zubringer zu den Langstreckenverbindungen fungieren und soll kostengünstiger operieren als die Kernmarke. Die Fluggesellschaft wird vor allem die Drehkreuze Frankfurt und München bedienen, und man traut ihr den Einsatz von bis zu 80 Flugzeugen zu.

Konzernweit will Lufthansa das Nettowachstum der Flotte ausschließlich auf das Interkontgeschäft lenken. Dies spiegelt sich in der Flottenstrategie bis 2030 wider, die eine umfassende Modernisierung und Vereinfachung der Langstreckenflotte vorsieht. Die Anzahl der verschiedenen Langstrecken-Flugzeugtypen soll von aktuell 13 auf neun reduziert werden. Langfristig setzt der Konzern dabei auf moderne Großraumflugzeuge wie den Airbus A350, die Boeing 777 und die Boeing 787-9. Durch den Ersatz viermotoriger durch neue, zweistrahlige Langstreckenflugzeuge sollen die Stückkosten gesenkt werden.

Personalabbau in der Verwaltung und Renditeziele

Die umfassenden Umbaumaßnahmen erstrecken sich auch auf die Verwaltungsstrukturen des Konzerns. Lufthansa plant, in den nächsten Jahren rund 4.000 Stellen in der Verwaltung abzubauen und Doppelstrukturen zu eliminieren. Dieser Personalabbau soll hauptsächlich durch Digitalisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung erfolgen. Die Maßnahmen in der Verwaltung, die Neuaufstellung der Bodenverkehrsdienste und die strategische Verlagerung der Kurzstreckenaktivitäten sind allesamt Teil des großen Turnaround-Programms. Der Konzern signalisiert damit einen tiefgreifenden Wandel, um die finanzielle Performance zu verbessern. Das übergeordnete Ziel ist es, die bereinigte operative Marge bis 2028 in den Bereich von 8 bis 10 Prozent zu heben und damit die Kernmarke langfristig wieder profitabel zu machen. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über mögliche Kostensenkungen in den Tarifverträgen bleiben jedoch eine zentrale Herausforderung für die Umsetzung dieser ambitionierten Ziele.

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