Lufthansa-Winglet (Foto: Mark König/Unsplash).
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Lufthansa verschärft Vertriebsstrategie: Das Ende der Billigtarife in traditionellen Buchungssystemen

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Die Lufthansa-Gruppe setzt ihre langjährige Strategie der Abkehr von traditionellen Buchungssystemen fort. Ab dem 2. September 2025 wird die Airline die günstigsten Tarife für Flüge innerhalb Deutschlands und auf ausgewählten Fernstrecken ausschließlich über ihre eigenen Vertriebskanäle und den neuen Datenstandard NDC anbieten.

Diese Entscheidung markiert das Ende der Verfügbarkeit der sogenannten „Light“- und „Business-Saver“-Tarife in den herkömmlichen Global Distribution Systems (GDS). Für Reisende, Reisebüros und Großkunden bedeutet dieser Schritt eine signifikante Veränderung in der Art und Weise, wie Flugtickets gebucht werden, und unterstreicht den konsequenten Kurs des Kranich-Konzerns hin zu einem modernen, digitalen und kosteneffizienten Vertriebsmodell.

Strategischer Wandel im Vertrieb: Der Übergang von GDS zu NDC

Die Ankündigung der Lufthansa, die günstigsten Tarife aus den traditionellen Buchungssystemen herauszunehmen, ist der jüngste Meilenstein in einem seit fast einem Jahrzehnt andauernden Konflikt. Die traditionellen GDS-Systeme, wie Amadeus, Sabre und Travelport, waren lange Zeit die zentralen Vermittlungsplattformen zwischen Fluggesellschaften und Reisebüros. Sie basieren auf dem veralteten Edifact-Standard, der ursprünglich für Frachtdokumentationen entwickelt wurde und nur sehr grundlegende Preis- und Flugdaten übertragen kann. Die Fluggesellschaften sahen sich als von diesen Systemen abhängig, da sie für jede Buchung eine Gebühr an die GDS-Anbieter zahlen mußten.

Demgegenüber steht der neue Datenstandard NDC (New Distribution Capability), der von der International Air Transport Association (IATA) entwickelt wurde. NDC ermöglicht es den Airlines, ihr Angebot direkt an Reisebüros und Partner zu übermitteln, ähnlich wie ein moderner Online-Shop. Anstatt nur den Grundpreis anzuzeigen, können über NDC individuelle Pakete, Zusatzleistungen wie bevorzugte Sitzplätze oder zusätzliches Gepäck und dynamische Preise in Echtzeit angeboten werden. Lufthansa bezeichnet diesen Wandel als „weiteren wichtigen Schritt in ihrer laufenden Transformation hin zu einem modernen digitalen Vertrieb“ und betont, daß die Umstellung auch für die Schwestergesellschaften SWISS, Austrian Airlines und Brussels Airlines gilt.

Kampf um die Vertriebskontrolle: Die historischen Wurzeln des Konflikts

Der Streit zwischen der Lufthansa-Gruppe und den GDS-Anbietern ist nicht neu, sondern hat eine lange Vorgeschichte. Bereits im Jahr 2015 führte der Konzern eine umstrittene Gebühr ein, die sogenannte DCC (Distribution Cost Charge), von 16 Euro auf jeden über die GDS-Systeme gebuchten Flugschein. Dieser Schritt sollte die Reisebüros dazu bewegen, auf direkte Buchungsschnittstellen auszuweichen, und damit die hohen Kosten für die GDS-Nutzung senken. Seitdem hat der Konzern seine Strategie konsequent verfolgt. So wurden bereits 2018 die Basistarife „Economy Light“ und „Business Saver“ aus den traditionellen Edifact-Systemen herausgenommen, was bedeutet, daß die nun angekündigte Maßnahme eine Fortsetzung dieser Entwicklung ist. Die jüngste Einschränkung auf den deutschen Inlandsmarkt und ausgewählte Fernstrecken ab Singapur ist ein gezielter Angriff auf die letzten Bastionen der GDS-Vermittlung. Es geht Lufthansa um nichts Geringeres als die vollständige Kontrolle über ihr eigenes Produkt und die Daten der Kundschaft, um besser auf die Marktanforderungen reagieren zu können.

Die Auswirkungen auf die Branche: Von Reisebüros bis zu Großkunden

Die strategische Entscheidung der Lufthansa hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte Reisebranche. Traditionelle Reisebüros, die nach wie vor auf die GDS-Systeme angewiesen sind, müssen nun entweder teure Investitionen in die Anbindung an die NDC-Schnittstellen tätigen oder hinnehmen, daß sie ihren Kunden die günstigsten Tarife der Lufthansa-Gruppe nicht mehr anbieten können. Dies könnte dazu führen, daß sie Kundschaft an die direkten Buchungskanäle der Airline verlieren.

Auch für Unternehmenskunden, die oft standardisierte Buchungsplattformen nutzen, die auf GDS basieren, stellt die Umstellung eine Herausforderung dar. Die Umstellung der gesamten internen Reisebuchungsprozesse auf neue Technologien ist eine komplexe und kostspielige Angelegenheit. Firmen müssen abwägen, ob die Kosten für die Anpassung ihrer Systeme die potenziellen Einsparungen durch günstigere Flugtarife aufwiegen. Dieser Wandel zeigt, daß die gesamte Wertschöpfungskette im Reisevertrieb gezwungen ist, sich an die neue Realität anzupassen. Die Lufthansa fungiert dabei als ein treibender Pionier, dem gewiß andere Fluggesellschaften folgen werden, wie es bereits British Airways oder Air France-KLM mit ähnlichen Maßnahmen vorgemacht haben.

Das moderne Angebot: Individualisierung und Effizienz als Ziel

Hinter der NDC-Strategie steht nicht nur die Absicht, Kosten zu sparen, sondern auch der Wunsch, ein besseres und auf die Kunden zugeschnittenes Produkt anzubieten. Die alte GDS-Technologie war statisch und erlaubte kaum die Darstellung von Zusatzleistungen. Mit NDC kann Lufthansa hingegen eine Fülle von Informationen und Optionen anbieten, von der Auswahl des Sitzes über die Buchung von Zusatzgepäck bis hin zu Catering-Optionen.

Dies ermöglicht eine dynamischere Preisgestaltung und eine Steigerung des Umsatzes pro Passagier. Der Konzern kann auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden reagieren und ihnen maßgeschneiderte Angebote machen. Dies ist insbesondere für die billigsten Tarife von Bedeutung, da die Airline durch den Verkauf von Zusatzleistungen, sogenannten Ancillaries, die Rentabilität steigert. Die Fokussierung auf den direkten Verkaufsweg und die NDC-Schnittstelle ist damit ein wesentlicher Pfeiler der Geschäftsstrategie.

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