Die Lufthansa Group führt ihre operative Partnerschaft mit der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic im Rahmen von Wet-Lease-Vereinbarungen trotz des laufenden Restrukturierungsverfahrens der Fluggesellschaft fort.
Während die lettische Airline seit Mitte September 2026 unter dem Gläubigerschutz nach Chapter 11 operiert, laufen die betrieblichen Vorbereitungen bei der deutschen Muttergesellschaft für die kommenden Flugplanperioden, einschließlich des Sommers 2027, auf vertraglicher Grundlage weiter. Demgegenüber hat die Schweizer Konzerntochter Swiss den Ausstieg aus der Zusammenarbeit mit Air Baltic zum Ablauf des Winterflugplans 2026/2027 angekündigt. Die unterschiedlichen Entscheidungen der Konzernsparten verdeutlichen die vielschichtigen Kapazitätsabwägungen bei der Steuerung von Fremd- und Eigenflotten im europäischen Kurz- und Mittelstreckenverkehr.
Fortführung der Verträge zwischen der Lufthansa-Kernmarke und Air Baltic
Die Lufthansa Group bestätigte auf Nachfrage, weiterhin vertraglich an die Vereinbarungen mit der lettischen Fluggesellschaft gebunden zu sein. Air Baltic stellt als Wet-Lease-Partner Fluggeräte samt Besatzung, Wartung und Versicherung bereit. Ein Sprecher der Lufthansa teilte mit, dass die Zusammenarbeit für die kommenden Flugplanabschnitte fest eingeplant sei und Air Baltic zugesichert habe, die vertraglich vereinbarten Flugkapazitäten wie vorgesehen zur Verfügung zu stellen. Die Planungsarbeiten für den Sommerflugplan 2027 schreiten demnach ohne Unterbrechung voran.
Das lettische Unternehmen befindet sich seit Mitte September 2026 in einem gerichtlichen Gläubigerschutzverfahren nach Chapter 11. Dieses US-amerikanische Ausgleichsverfahren erlaubt es Unternehmen, ihren Geschäftsbetrieb unter Aufsicht aufrechtzuerhalten, während finanzielle Verbindlichkeiten neu geordnet werden. Für Air Baltic bilden die langfristigen Wet-Lease-Einnahmen aus den Kontrakten mit europäischen Netzwerkträgern einen stabilisierenden Faktor bei der Absicherung der operativen Liquidität.
Differenzierter Kurs der Konzerntochter Swiss und Reduzierung von Fremdkapazitäten
Im Gegensatz zur Konzernmutter beendet die Schweizer Tochtergesellschaft Swiss ihre Partnerschaft mit Air Baltic zum Ende der Winterflugplanperiode 2026/2027 im März 2027. Die Airline kündigte an, das Gesamtkontingent ihrer angemieteten Wet-Lease-Kapazitäten für den Sommer 2027 von bisher 26 Flugzeugen auf etwa 18 Einheiten zu reduzieren. Durch diesen Schritt soll ein größerer Teil des Streckennetzes wieder mit eigenem Fluggerät und eigenem Kabinen- sowie Cockpitpersonal abgedeckt werden.
Als Hauptgrund für diesen Wechsel nannte das Management der Swiss eine stufenweise Entlastung bei betrieblichen Engpässen. In den vergangenen zwei Jahren führten weltweite Lieferverzögerungen bei Ersatztriebwerken für die Airbus A220-Flotte dazu, dass zahlreiche eigene Flugzeuge am Boden bleiben mussten. Zudem herrschte im Bereich der Cockpitbesatzungen ein akuter Personalmangel. Nach Unternehmensangaben stehen nun wieder ausreichend Triebwerke zur Verfügung, und der Bestand an eigenen Airbus A320 konnte aufgestockt werden, wodurch die Abhängigkeit von externen Dienstleistern sinkt. Als primärer Wet-Lease-Partner verbleibt die Schweizer Regionalgesellschaft Helvetic Airways im Flugprogramm der Swiss.
Bedeutung von Wet-Lease-Kapazitäten für die Steuerung der Netzkapazitäten
Der Einsatz von Fremdkapazitäten auf Mietbasis stellt für internationale Netzwerkträger ein etabliertes Steuerungsinstrument dar. Es ermöglicht den Fluggesellschaften, Nachfragespitzen im Sommerhalbjahr flexibel abzudecken, ohne langfristige Kapitalbindungen durch den Kauf eigener Flugzeuge einzugehen. In den vergangenen Jahren nutzte der Lufthansa-Konzern die Kontingente von Air Baltic intensiv an den Hauptdrehkreuzen Frankfurt am Main, München und Zürich, um Ausfälle in der eigenen Flotte auszugleichen und das Flugangebot stabil zu halten.
Die Verträge zwischen Großkonzernen und spezialisierten Wet-Lease-Anbietern unterliegen ständigen Überprüfungen hinsichtlich der Rentabilität und Verfügbarkeit. Während die Kernmarke Lufthansa angesichts anhaltender Auslieferungsverzögerungen bei Neugebauten auf die Kapazitäten der von Air Baltic betriebenen A220-300 angewiesen bleibt, erlaubt die Konsolidierung bei der Swiss eine schrittweise Rückkehr zu internen Betriebsstrukturen. Die weitere Entwicklung der Partnerschaft hängt maßgeblich vom Verlauf des Umstrukturierungsprozesses bei der lettischen Airline ab.