Der Flughafenverband ADV hat seine Erwartungen für das Passagieraufkommen im laufenden Jahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Anstatt des ursprünglich prognostizierten Wachstums rechnet der Verband nun über alle deutschen Standorte hinweg lediglich mit einer stagnierenden Entwicklung.
Als Hauptursachen für diese Eintrübung nennt die Geschäftsführung eine Kombination aus schwacher Konjunktur, massiv gestiegenen Kerosinpreisen und einer im europäischen Vergleich überproportional hohen steuerlichen Belastung. Diese Faktoren setzen die wirtschaftliche Rentabilität vieler Flugverbindungen unter Druck, was bereits zu ersten spürbaren Konsequenzen im Flugplan führt.
Branchenanalysen bestätigen, dass insbesondere Billigfluggesellschaften wie Ryanair ihre Kapazitäten an deutschen Drehkreuzen reduzieren. Exemplarisch steht hierfür der Teilrückzug am Flughafen Berlin Brandenburg (BER), wo preissensible Strecken aufgrund steigender Standortkosten gestrichen wurden. Marktdaten zeigen, dass Fluggesellschaften verstärkt dazu übergehen, Flugzeuge an Standorte im europäischen Ausland zu verlegen, wo die regulatorischen Abgaben und Gebühren niedriger ausfallen. Dies betrifft vor allem touristische Nebenstrecken und Verbindungen mit geringen Margen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr kostendeckend betrieben werden können.
Trotz der stabilen Lage im aktuellen Sommerreiseverkehr warnt der ADV vor einer langfristigen Schwächung der deutschen Luftverkehrsinfrastruktur. Die Luftverkehrsteuer bleibt trotz kleinerer Anpassungen auf einem Rekordniveau und verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Mitbewerbern. Der Verband fordert daher von der Bundesregierung entschlossene politische Maßnahmen, um den Mobilitätsstandort zu sichern. Kurzfristig wird eine Aussetzung der Luftverkehrsteuer sowie eine mittelfristige Halbierung dieser Abgabe angestrebt, um den Abfluss von Airlines und den Verlust wichtiger Flugverbindungen zu stoppen.
Zusätzliche Marktbeobachtungen verdeutlichen, dass die deutschen Flughäfen bei der Erholung des Passagieraufkommens im Vergleich zu südeuropäischen Märkten deutlich zurückfallen. Während Länder wie Spanien oder Griechenland bereits wieder Rekordwerte verzeichnen, kämpft Deutschland weiterhin mit den hohen Betriebskosten. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die hohen Kerosinkosten nicht allein durch Effizienzsteigerungen aufgefangen werden können, was zwangsläufig zu höheren Ticketpreisen und einer sinkenden Nachfrage führt. Ohne eine Korrektur der staatlichen Belastungen droht Deutschland den Anschluss an die dynamische Entwicklung des globalen Luftverkehrsmarktes zu verlieren.