Der Flughafen Dortmund hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem historischen Höchstwert abgeschlossen und seine Position als drittgrößter Verkehrsflughafen in Nordrhein-Westfalen gefestigt. Mit insgesamt 3.242.569 Fluggästen übertraf die Einrichtung nicht nur die Prognosen der Analysten, sondern steigerte das Vorjahresergebnis um rund 3,5 Prozent. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, da der Standort im Frühjahr mit strukturellen Veränderungen im Anbieterportfolio konfrontiert war.
Der Rückzug der irischen Fluggesellschaft Ryanair sowie Kapazitätsreduzierungen seitens Eurowings hinterließen zunächst Lücken im Flugplan, die jedoch im Jahresverlauf durch die Expansion bestehender Partner und eine intensivierte Nachfrage im ethnischen sowie touristischen Verkehr kompensiert werden konnten. Mit Blick auf das Jahr 2026, in dem der Flughafen sein 100-jähriges Bestehen feiert, plant die Geschäftsführung eine Fortsetzung dieses Wachstumskurses und visiert die Marke von 3,5 Millionen Passagieren an.
Resilienz gegenüber Marktveränderungen im ersten Halbjahr
Die Bilanz des ersten Halbjahres 2025 war zunächst von einer gewissen Vorsicht geprägt. Der Dortmund Airport musste den Abzug von Ryanair verkraften, was branchenüblich zu Befürchtungen hinsichtlich sinkender Passagierzahlen führte. Die Flugbewegungen und Passagierströme entwickelten sich in den ersten sechs Monaten mit einem Plus von 2,1 Prozent vergleichsweise moderat. Doch die strategische Ausrichtung des Flughafens, die stark auf osteuropäische Destinationen und Nischenmärkte setzt, erwies sich als krisenfest. Durch eine enge Abstimmung mit dem Hauptnutzer Wizz Air gelang es, die wegfallenden Kapazitäten durch Frequenzverdichtungen auf bestehenden Routen aufzufangen.
Die operative Leitung unter Flughafengeschäftsführer Ludger van Bebber reagierte agil auf die volatilen Bedingungen im deutschen Luftverkehrsmarkt. Während andere Regionalflughäfen unter den hohen Standortkosten und regulatorischen Belastungen litten, profitierte Dortmund von seiner effizienten Abfertigungsstruktur und der klaren Fokussierung auf das Low-Cost-Segment. Die Entscheidung der Bundesregierung, die im Mai 2024 erfolgte Erhöhung der Luftverkehrsteuer im Laufe des Jahres 2025 wieder zurückzunehmen, gab der Branche zudem einen notwendigen fiskalischen Impuls, der die Buchungszahlen im zweiten Halbjahr stützte.
Wachstumsdynamik durch Wizz Air und Flottenmodernisierung
Der ungarische Carrier Wizz Air bleibt der dominierende Akteur am Dortmund Airport. Im Jahr 2025 beförderte die Fluggesellschaft allein über 2,56 Millionen Reisende von und nach Dortmund. Ein wesentlicher Faktor für das Passagierplus war die fortschreitende Modernisierung der Flotte. Wizz Air setzt am Standort Dortmund verstärkt auf den Airbus A321neo. Dieses Fluggerät bietet gegenüber der Vorgängergeneration deutlich mehr Sitzplätze pro Flug, was es dem Flughafen ermöglicht, das Passagieraufkommen zu steigern, ohne die Anzahl der Starts und Landungen in gleichem Maße erhöhen zu müssen. Trotz dieser Effizienzgewinne stieg auch die Gesamtzahl der Flugbewegungen im Jahr 2025 analog zum Passagierwachstum um 3,5 Prozent auf insgesamt 36.080 Operationen.
Mit der Aufnahme neuer Ziele wie Warschau, Craiova und Olsztyn-Mazury festigte Wizz Air das Profil Dortmunds als wichtigstes Drehkreuz für Verbindungen nach Mittel- und Osteuropa. Diese Strecken bedienen sowohl den Bedarf an Familienbesuchen und Pendlerverkehren als auch ein wachsendes Segment an Städtereisenden, die abseits der klassischen Metropolen nach neuen Zielen suchen.
Verschiebungen im Destinationsranking: Tirana im Aufwind
Eine detaillierte Analyse der Flugstrecken offenbart eine signifikante Verschiebung der Reiseströme. Während das polnische Kattowitz mit über 353.000 Passagieren seine Spitzenposition verteidigte, gab es auf den nachfolgenden Plätzen eine Wachablösung. Die albanische Hauptstadt Tirana erlebte einen beispiellosen Boom und kletterte mit 255.886 Reisenden auf den zweiten Platz der Beliebtheitsskala. Auch Bukarest konnte mit über 225.000 Fluggästen zulegen und belegte Rang drei.
Bemerkenswert ist das Abschneiden der Ferieninsel Palma de Mallorca. Obwohl die Passagierzahlen auf der Route mit 213.323 Reisenden stabil blieben, rutschte die Baleareninsel im Gesamtranking auf den vierten Platz ab. Dies liegt primär am überproportionalen Wachstum der osteuropäischen Ziele. Dennoch verzeichnete der Touristiksektor in Dortmund qualitative Zuwächse. Condor verdreifachte ihr Aufkommen auf der Mallorca-Strecke durch die Erhöhung der wöchentlichen Umläufe von drei auf sieben. Ebenso trug Pegasus Airlines zur positiven Entwicklung bei, indem sie die Verbindungen in die Türkei, insbesondere nach Antalya und Istanbul, mit insgesamt 144.000 Passagieren stärkte.
Infrastrukturelle Herausforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Trotz der Rekordzahlen bleibt das wirtschaftliche Umfeld für deutsche Verkehrsflughäfen anspruchsvoll. Die hohen Luftsicherheitsgebühren und Infrastrukturkosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich. Die Geschäftsführung in Dortmund betont regelmäßig, dass die Attraktivität des Standorts nur durch eine strikte Kostenkontrolle und eine hohe Servicequalität für die Fluggesellschaften erhalten werden kann.
Im Jahr 2025 wurden zudem Investitionen in die Terminalinfrastruktur und die Digitalisierung der Passagierprozesse getätigt, um die Abfertigungszeiten trotz steigender Fluggastzahlen stabil zu halten. Diese Maßnahmen sind Teil einer langfristigen Strategie, den Flughafen als effiziente Alternative zu den überlasteten Großdrehkreuzen zu positionieren. Besonders die kurzen Wege und die schnelle Erreichbarkeit aus dem gesamten Ruhrgebiet sowie dem angrenzenden Sauerland und Münsterland gelten als Pfunde, mit denen der Airport wuchern kann.
Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2026 und Expansionspläne
Das Jahr 2026 steht im Zeichen des 100-jährigen Bestehens des Dortmund Airport. Für dieses Jubiläumsjahr hat sich die Flughafenleitung ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Planung sieht vor, das Passagieraufkommen auf bis zu 3,5 Millionen Reisende zu steigern. Diese Zuversicht speist sich aus der Ankündigung von sechs neuen Strecken, die das Portfolio ab 2026 erweitern werden. Damit reagiert der Flughafen auf die anhaltend hohe Nachfrage und die Bereitschaft der Airlines, Kapazitäten am Standort Dortmund aufzubauen.
Geschäftsführer Ludger van Bebber blickt optimistisch in die Zukunft, mahnt jedoch auch zur Wachsamkeit gegenüber kurzfristigen Marktveränderungen. Die Luftfahrt bleibe eine schnelllebige Branche, in der technologische Innovationen und wirtschaftspolitische Weichenstellungen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Mit der Erholung des Marktes und der Rücknahme einiger steuerlicher Belastungen sieht sich der Dortmund Airport jedoch gut gerüstet, um seine Erfolgsgeschichte im zweiten Jahrhundert seines Bestehens fortzuschreiben. Die Kombination aus einem starken Partner wie Wizz Air, einem wachsenden Touristiksegment und der Spezialisierung auf osteuropäische Märkte bildet das Fundament für die angestrebten neuen Rekordwerte.