Handelsflagge der Republik Malta (Foto: Jan Gruber).
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Maltas Aufstieg als Luftfahrtstandort: Ein Paradigmenwechsel in der Flugzeugregistrierung

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Malta, eine Inselrepublik im Mittelmeer, ist traditionell für ihre reiche Geschichte, ihre malerischen Landschaften und ihren Tourismus bekannt. Doch in den letzten zehn Jahren hat sich ein Wandel vollzogen, der die Insel zu einem der am schnellsten wachsenden Luftfahrtzentren Europas gemacht hat. Die Anzahl der in Malta registrierten Flugzeuge und der dort ansässigen Fluggesellschaften ist exponentiell gestiegen.

Dieser bemerkenswerte Aufschwung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konzertierten Strategie und einer Reihe attraktiver Bedingungen, die Malta für Luftfahrtunternehmen bereithält. Es ist eine Entwicklung, die die traditionellen Luftfahrtnationen herausfordert und Malta als ernstzunehmenden Akteur auf der Weltkarte der Luftfahrt etabliert. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig und reichen von steuerlichen Vorteilen über eine effiziente Bürokratie bis hin zu einem günstigen regulatorischen Umfeld, das unter dem Dach der Europäischen Union operiert.

Die Anreize der maltesischen Regierung: Ein Fundament für Wachstum

Die maltesische Regierung hat erkannt, welch immenses Potential die Luftfahrtindustrie für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes birgt. Infolgedessen wurden gezielte Maßnahmen ergriffen, um Malta als attraktiven Standort für Fluggesellschaften und die damit verbundenen Dienstleistungen zu positionieren. Einer der Hauptanreize ist das günstige steuerliche Umfeld. Malta bietet einen niedrigen Körperschaftsteuersatz, der durch ein System von Steuergutschriften und -rückerstattungen weiter reduziert werden kann. Dies führt dazu, daß die effektive Steuerlast für Unternehmen, insbesondere für internationale Gesellschaften, erheblich niedriger ausfallen kann als in vielen anderen europäischen Ländern.

Neben den steuerlichen Vorteilen hat Malta auch in die Modernisierung seiner Luftfahrtgesetzgebung investiert. Das maltesische Luftfahrtregister ist dafür bekannt, effizient und transparent zu sein. Die Prozesse für die Registrierung von Flugzeugen und die Erteilung von Lizenzen sind vergleichsweise schnell und unkompliziert, was für Fluggesellschaften, die ihren Betrieb rasch aufnehmen oder erweitern möchten, von großem Vorteil ist. Die Malta Civil Aviation Directorate (CAD) und Transport Malta als zuständige Behörden sind bestrebt, eine kooperative und unterstützende Haltung gegenüber Unternehmen einzunehmen, ohne dabei die Sicherheitsstandards zu kompromittieren. Diese Serviceorientierung, gepaart mit einem klaren Rechtsrahmen, schafft Vertrauen und erleichtert die Geschäftsabwicklung.

Des Weiteren profitieren Unternehmen von einem qualifizierten Arbeitskräftepool. Malta hat in den letzten Jahren in die Ausbildung von Fachkräften in den Bereichen Luftfahrtmanagement, Wartung und Ingenieurwesen investiert. Dies stellt sicher, daß Fluggesellschaften Zugang zu kompetentem Personal haben, das die spezifischen Anforderungen der Branche erfüllen kann. Die englische Sprache ist in Malta weit verbreitet, was die Kommunikation und die Integration von internationalem Personal erleichtert.

Vorteile für Fluggesellschaften: Mehr als nur niedrige Steuern

Die Attraktivität Maltas für Fluggesellschaften geht über bloße steuerliche Anreize hinaus. Ein wesentlicher Vorteil ist die Zugehörigkeit Maltas zur Europäischen Union. Dies ermöglicht es Fluggesellschaften, die auf Malta registriert sind, uneingeschränkten Zugang zum europäischen Luftraum zu erhalten. Sie können innerhalb der EU frei operieren, ohne zusätzliche Genehmigungen oder Einschränkungen, die Nicht-EU-Gesellschaften auferlegt würden. Dieser „EU-Pass“ ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und öffnet den Zugang zu einem der größten und lukrativsten Luftfahrtmärkte der Welt.

Die geographische Lage Maltas im Herzen des Mittelmeeres ist ebenfalls von strategischer Bedeutung. Die Insel dient als Brücke zwischen Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten, was sie zu einem idealen Drehkreuz für Flugrouten in diese Regionen macht. Dies ist besonders vorteilhaft für Frachtfluggesellschaften oder solche, die ihre Streckennetze über Europa hinaus erweitern möchten.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt ist die politische Stabilität Maltas. Das Land bietet ein stabiles wirtschaftliches und politisches Umfeld, was für langfristige Investitionen in der Luftfahrtindustrie von entscheidender Bedeutung ist. Die Rechtssicherheit und die Einhaltung internationaler Standards geben Unternehmen die nötige Planungssicherheit.

Darüber hinaus hat sich in Malta ein Ökosystem von Dienstleistern rund um die Luftfahrt entwickelt. Dazu gehören spezialisierte Rechtsanwaltskanzleien, Finanzdienstleister, Wartungsunternehmen und Beratungsfirmen, die maßgeschneiderte Lösungen für die Bedürfnisse von Fluggesellschaften anbieten. Diese geballte Expertise und die Verfügbarkeit von spezialisierten Dienstleistungen machen Malta zu einem One-Stop-Shop für Luftfahrtunternehmen.

Konkrete Beispiele: Der Zustrom neuer Akteure

Die Wirkung der maltesischen Strategie lässt sich an der Gründung einer Reihe neuer Fluggesellschaften in den letzten zehn Jahren ablesen. Eines der prominentesten Beispiele ist Malta Air, eine Tochtergesellschaft der Ryanair Group. Sie wurde 2019 gegründet und übernahm einen Großteil der auf Malta basierenden Flugzeuge von Ryanair. Dies ermöglichte es Ryanair, ihre Präsenz im Mittelmeerraum zu stärken und von den maltesischen Vorteilen zu profitieren, während sie gleichzeitig ihre operative Flexibilität erhöhte.

Ein weiteres Beispiel ist Medavia, eine Charterfluggesellschaft, die bereits seit 1978 in Malta ansässig ist, aber ihre Flotte und Aktivitäten in den letzten Jahren stetig ausgebaut hat, um den wachsenden Marktbedürfnissen gerecht zu werden. Auch die Ansiedlung von Frachtfluggesellschaften wie Air Atlanta Icelandic (die eine maltesische AOC-Tochtergesellschaft betreibt) zeigt die Attraktivität des Standortes für unterschiedliche Geschäftsmodelle in der Luftfahrt.

Des Weiteren haben sich in Malta verschiedene Business-Jet-Betreiber und Charterfluggesellschaften niedergelassen, die Luxusreisen und Ad-hoc-Flüge anbieten. Dies unterstreicht die Diversität der Luftfahrtunternehmen, die von den maltesischen Bedingungen angezogen werden. Die genaue Anzahl und die Namen der Neugründungen variieren, da der Markt dynamisch ist, doch die Tendenz zur Ansiedlung ist unverkennbar und anhaltend.

Tochtergesellschaften großer Konzerne: Eine strategische Entscheidung

Es ist nicht nur die Gründung neuer, unabhängiger Fluggesellschaften, die den Aufstieg Maltas kennzeichnet, sondern auch die Entscheidung großer internationaler Luftfahrtkonzerne, Tochtergesellschaften auf der Insel zu gründen oder zumindest Teile ihres Flugbetriebs dorthin zu verlagern. Dies ist eine strategische Entscheidung, die es diesen Konzernen ermöglicht, von den oben genannten Vorteilen zu profitieren, ohne ihren gesamten Betrieb zu verlagern.

Ein Hauptgrund hierfür sind die regulatorischen Vorteile und die operative Flexibilität. Durch die Gründung einer maltesischen Tochtergesellschaft können große Fluggesellschaften bestimmte Operationen, wie beispielsweise Charterflüge, Frachtflüge oder auch spezifische Routen, die von den Regelungen des Heimatlandes nicht abgedeckt werden oder dort weniger flexibel gehandhabt werden, unter maltesischer Lizenz durchführen. Dies ermöglicht eine agilere Reaktion auf Marktbedingungen und eine Optimierung der Betriebsabläufe.

Darüber hinaus können finanzielle Vorteile eine Rolle spielen. Die Möglichkeit, Gewinne aus bestimmten Operationen über eine maltesische Tochtergesellschaft zu erzielen, kann die Gesamtsteuerlast des Konzerns senken. Auch die Finanzierung von Flugzeugen kann über maltesische Gesellschaften attraktiver gestaltet werden, da das maltesische Recht günstige Bedingungen für Flugzeugfinanzierung und Leasing bietet.

Die Sicherheit und Reputation des maltesischen Registers sind weitere wichtige Faktoren. Obwohl Unternehmen primär von finanziellen und regulatorischen Vorteilen profitieren wollen, ist die Einhaltung hoher Sicherheitsstandards und ein seriöser Ruf für große Konzerne unerlässlich. Malta hat sich hier einen Namen gemacht, indem es die EASA-Standards (European Union Aviation Safety Agency) vollumfänglich umsetzt und überwacht. Dies gibt den Mutterkonzernen die Gewissheit, daß der Betrieb ihrer maltesischen Tochtergesellschaften den höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, daß die Rolle Maltas im Luftverkehr weit über die einer kleinen Inselnation hinausgeht. Durch eine vorausschauende Politik, attraktive Anreize und ein günstiges regulatorisches Umfeld hat sich Malta zu einem wichtigen globalen Knotenpunkt für die Luftfahrt entwickelt. Dieser Trend, der sich in der Gründung zahlreicher neuer Fluggesellschaften und der Verlagerung von Operationen großer Konzerne widerspiegelt, wird voraussichtlich anhalten und die Position Maltas als führender Luftfahrtstandort in Europa weiter festigen.

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