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Management Buy-out bei ISS Ground Services

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Die österreichische Luftfahrtbranche verzeichnet zum Jahresbeginn 2026 eine strukturelle Veränderung im Bereich der Bodendienstleistungen. Die ISS Österreich, langjähriger Marktführer für integrierte Facility Services, hat ihr gesamtes Aviation-Geschäft im Rahmen eines Management-Buy-outs an den bisherigen Direktor David Hiersche übertragen. Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 firmiert das Unternehmen nun unter dem Namen Peryton Aviation Services GmbH.

Dieser Schritt markiert das Ende einer fast dreißigjährigen Ära, in der ISS die Bodenabfertigung und Reinigung an österreichischen Flughäfen maßgeblich mitgeprägt hat. Der Eigentumsübergang umfasst das gesamte Spektrum der Dienstleistungen, von der Flugzeug- und Unterhaltsreinigung bis hin zu spezialisierten Passagierdiensten, Dokumentenkontrollen und Sicherheitsdienstleistungen. Für die rund 400 betroffenen Mitarbeiter sowie die zahlreichen Partnerairlines bedeutet dieser Wechsel primär personelle und operative Kontinuität, da die Führungsebene identisch bleibt, während sich ISS Österreich künftig verstärkt auf das technische Gebäudemanagement und die Industriehotellerie konzentrieren will.

Operative Exzellenz und Sicherheitsstandards im Luftverkehr

Das Geschäftsumfeld an Flughäfen unterscheidet sich fundamental von klassischen Reinigungsdienstleistungen in Bürogebäuden. Zeitdruck, komplexe Sicherheitsüberprüfungen und die Notwendigkeit einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit definieren den Alltag der Bodenabfertigung. Erich Steinreiber, CEO von ISS Österreich, begründet die Entscheidung zum Verkauf mit der spezifischen Dynamik dieses Sektors. Die hohen Anforderungen an Prozesse und Verlässlichkeit erfordern eine spezialisierte Führung, die sich vollumfänglich auf die Besonderheiten des Flugbetriebs konzentrieren kann. Durch das Management-Buy-out wird sichergestellt, dass das gewonnene Know-how der letzten Jahrzehnte nicht verloren geht.

David Hiersche, der seit 2009 im Konzern tätig ist und die Sparte seit 13 Jahren als Geschäftsführer leitete, übernimmt mit der Peryton Aviation Services GmbH ein eingespieltes Team. Die strategische Unabhängigkeit vom Großkonzern soll es dem neuen Unternehmen ermöglichen, agiler auf die Bedürfnisse von Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern zu reagieren. Gerade in einer Phase, in der der Flugverkehr nach den Herausforderungen der vergangenen Jahre wieder ein stabiles Niveau erreicht hat, ist die Zuverlässigkeit bei der Flugzeugreinigung und den Sicherheitskontrollen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für den Luftfahrtstandort Österreich.

Kontinuität für Belegschaft und Auftraggeber

Ein kritischer Faktor bei Eigentümerwechseln in der Dienstleistungsbranche ist die Stabilität der Kundenbeziehungen. Zu den langjährigen Auftraggebern der bisherigen ISS Ground Services zählen namhafte internationale Fluglinien und nationale Betreiber. Durch die Übernahme durch den bisherigen Leiter bleibt die gewohnte Ansprechperson erhalten, was das Vertrauen der Vertragspartner stärken soll. Hiersche betonte bei der Bekanntgabe, dass die strategische Ausrichtung langfristig angelegt sei und für die 400 Mitarbeiter eine klare Perspektive geschaffen wurde.

Die Luftfahrtbranche ist durch strenge gesetzliche Rahmenbedingungen reglementiert, insbesondere was die Überprüfung des Personals in sensiblen Bereichen betrifft. Die Übernahme eines bestehenden Teams mit aufrechten Sicherheitsfreigaben und spezifischen Schulungen bietet dem neuen Eigentümer einen erheblichen Startvorteil gegenüber Neueinsteigern am Markt. Die Peryton Aviation Services GmbH positioniert sich damit als erfahrener Spezialanbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette am Boden abdecken kann.

Konzentration auf technische Kompetenz und Kerngeschäft

Parallel zum Rückzug aus dem Aviation-Sektor forciert ISS Österreich die Stärkung ihrer technischen Disziplinen. Ein deutliches Signal in diese Richtung war die kürzlich erfolgte Übernahme der Franye Gebäudetechnik. Mit der Integration von rund 150 Fachkräften aus diesem Bereich erweitert ISS ihr Portfolio im technischen Gebäudemanagement erheblich. Diese Strategie zielt darauf ab, den Kunden integrierte Lösungen anzubieten, die über die reine Reinigung hinausgehen und komplexe Wartungen von Industrieanlagen, Gesundheitseinrichtungen und modernen Bürokomplexen umfassen.

ISS Österreich beschäftigt nach der Neuausrichtung weiterhin rund 7.000 Mitarbeiter und blickt auf eine 70-jährige Firmengeschichte zurück. Der Fokus liegt nun verstärkt auf Bereichen wie Betriebsverpflegung, Security für Industrieobjekte und Hygienemanagement in Krankenhäusern. Durch die Veräußerung der spezialisierten Luftfahrtsparte bereinigt das Unternehmen sein Portfolio um ein Segment, das aufgrund seiner volatilen Natur und der extremen Abhängigkeit von internationalen Flugplänen oft eine Sonderstellung innerhalb des Konzerns einnahm.

Wirtschaftliche Perspektiven des Aviation-Marktes

Die Ausgliederung der Bodenverkehrsdienste erfolgt in einer Zeit, in der Effizienzsteigerungen in der Luftfahrt oberste Priorität haben. Experten gehen davon aus, dass spezialisierte Dienstleister wie Peryton Aviation Services künftig eine wichtigere Rolle spielen werden, da Fluggesellschaften verstärkt dazu übergehen, nicht zum Kerngeschäft gehörende Leistungen an Experten auszulagern. Die Anforderungen an die Dokumentenkontrolle und die Passagiersicherheit haben sich in den letzten Jahren verschärft, was spezialisierte Anbieter mit entsprechendem Equipment und geschultem Personal begünstigt.

Der Standort Wien-Schwechat sowie die regionalen Flughäfen in Österreich profitieren von stabilen Dienstleisterstrukturen. Ein reibungsloser Ablauf am Boden ist die Voraussetzung für die Pünktlichkeit im Flugplan. Mit der Neuaufstellung unter David Hiersche ist zu erwarten, dass Peryton Aviation Services versuchen wird, über die bestehenden Kontrakte hinaus weitere Marktanteile im Alpen-Adria-Raum zu gewinnen. Die langjährige Erfahrung in der Flugzeugreinigung, kombiniert mit modernen Managementansätzen, bildet hierfür eine solide Grundlage.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Management-Buy-out bei ISS Ground Services eine klassische Win-win-Situation darstellt. ISS Österreich schärft ihr Profil als Technik-Dienstleister für Gebäude und Industrie, während das Aviation-Geschäft unter bewährter Führung in die Selbstständigkeit entlassen wird. Dieser Schritt sichert Arbeitsplätze, garantiert Prozessstabilität für die Airlines und zeigt die Reife des österreichischen Facility-Management-Marktes, in dem Spezialisierung zunehmend als Schlüssel zum Erfolg gesehen wird.

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