Der Flughafen Manchester wird als erster großer internationaler Flughafen Großbritanniens ein hybrides digitales Kontrollturmsystem einrichten. Dies wurde von der britischen Luftverkehrskontrollbehörde National Air Traffic Services (NATS) in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Technologieunternehmen Searidge Technologies bekanntgegeben. Ziel dieses Projekts ist es, die Kapazität des Flughafens zu erhöhen und die Pünktlichkeit zu verbessern. Die Einführung dieses hochmodernen Systems markiert einen bedeutenden Schritt in der Digitalisierung des Flugverkehrsmanagements.
Der neue digitale Kontrollturm wird mit hochauflösenden Panoramakameras ausgestattet sein, die den Fluglotsen Echtzeitbilder des Flughafengeländes liefern. Diese Kamerabilder werden mit digitalen Overlays und Radardaten kombiniert, um eine optimierte Überwachung des Flughafens zu ermöglichen. Besonders profitieren soll der Terminal-2-Bereich des Flughafens, der durch bauliche Hindernisse bisher teilweise schwer einsehbar war.
Das System umfasst zwei Kamerasysteme mit 4K-Auflösung, die insgesamt 28 Parkpositionen sowie vier Rollwege erfassen. Die von Searidge entwickelte Technologie ermöglicht es, die Turnaround-Prozesse von Flugzeugen automatisch zu überwachen und damit die Effizienz am Boden zu steigern. Eine spätere Integration der künstlichen Intelligenz „Aimee“ ist vorgesehen, um weitere Automatisierungsschritte in den Ablauf einzuführen.
Vorteile für den Flughafenbetrieb
Durch die neue Technologie sollen Fluglotsen eine verbesserte Situationsübersicht erhalten. „Die Installation der Kameras stellt sicher, dass unsere Lotsen jederzeit eine klare Sicht auf das gesamte Rollfeld haben“, erklärte ein Sprecher von NATS. Die Überlagerung mit Radardaten trägt zur besseren Orientierung und zur Minimierung von Verzögerungen bei.
Die Digitalisierung des Kontrollturms ist Teil des groß angelegten Umbaus von Manchester Airport. Das sogenannte „Manchester Airport Transformation Programme“ sieht Investitionen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund vor, um die Infrastruktur zu modernisieren und die Passagierkapazität zu erhöhen. Der erweiterte Terminal 2 soll durch den neuen digitalen Kontrollturm besonders profitieren. „Dieses System wird dazu beitragen, Verzögerungen zu minimieren und die Betriebsabläufe zu optimieren. Unsere Passagiere können sich auf ein verbessertes Reiseerlebnis mit mehr Flexibilität und Auswahl freuen“, erklärte Gary Renault, Leiter der Flughafenbetriebe in Manchester.
Technologische Vorreiterrolle in Großbritannien
Manchester Airport ist nicht der erste Flughafen, der digitale Kontrollturm-Technologie testet. In London-Heathrow befindet sich ein vergleichbares System in der finalen Designphase, das als vollständig digitales Ersatzkontrollzentrum fungieren soll. Dennoch hebt sich Manchester durch seine hybride Lösung hervor, bei der die klassische Kontrollturmstruktur mit hochmoderner digitaler Technologie kombiniert wird.
Andy Taylor, Chief Solutions Officer für digitale Kontrolltürme bei NATS, betonte den Innovationscharakter des Projekts: „Dies ist die Zukunft des Flughafenbetriebs. Die Kombination aus hochauflösenden Kameras und digitaler Steuerungstechnologie wird eine präzisere Entscheidungsfindung ermöglichen, die sich positiv auf den gesamten Flughafenbetrieb auswirken wird.“
Blick in die Zukunft
Das hybride Kontrollsystem wird voraussichtlich im Jahr 2026 in Betrieb gehen. Zuvor wird ein „Test- und Entwicklungszentrum“ eingerichtet, um zusätzliche Technologien zu erproben und das System schrittweise in den Echtbetrieb zu überführen. Mit diesem Schritt setzt Manchester Airport ein starkes Zeichen für die Zukunft der Luftfahrtkontrolle in Großbritannien.
Passagiere, Airlines und Flughafenbetreiber erhoffen sich von dem neuen System eine erhöhte Effizienz, geringere Verzögerungen und eine insgesamt optimierte Flugabfertigung. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte es in Zukunft auch auf andere Flughäfen ausgeweitet werden.