Ein Zwischenfall auf dem Vorfeld des Flughafens Manchester (MAN) hat am Freitag, dem 28. November 2025, zu erheblichen betrieblichen Störungen und dem Ausfall eines geplanten Fluges der Emirates geführt.
Ein Airbus A380 der Fluggesellschaft, der gerade für den Rückflug nach Dubai International (DXB) vorbereitet wurde, wurde von einem Tankwagen angefahren. Die Kollision beschädigte die Triebwerksverkleidung (cowling) einer der Triebwerke. Das Großraumflugzeug, das als Flaggschiff der Emirates-Flotte gilt, musste daraufhin für mehr als zwei Tage in Manchester am Boden bleiben, um eine aufwendige Reparatur durchzuführen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die kritischen Herausforderungen in der Bodenabfertigung und die hohen Kosten, die mit der Instandhaltung des nicht mehr produzierten Super-Jumbos verbunden sind.
Details des Zusammenstoßes und die unmittelbare Konsequenz
Der Vorfall ereignete sich, als die Emirates A380 mit der Registrierung a6-evp am Gate des Flughafens Manchester parkte. Die Maschine hatte zuvor erfolgreich den Flug ek17 aus Dubai absolviert und sollte um 13:15 Uhr Ortszeit als Flug ek18 den Rückweg antreten. Berichten zufolge kollidierte ein Tankwagen mit dem Flugzeug und verursachte einen Schaden an der Verkleidung eines Triebwerks. Auf in sozialen Medien geteilten Bildern war ein deutlich sichtbares Loch im Lippenbereich der Triebwerksverkleidung zu erkennen. Laut Planespotters.net handelte es sich bei dem beschädigten Triebwerk um Triebwerk Nummer eins.
Obwohl die genauen Umstände, die zu der Kollision des Bodenfahrzeugs mit dem Flugzeug führten, derzeit nur begrenzt verfügbar sind, war die Konsequenz sofort klar: Der Flug ek18 musste annulliert werden. Emirates sah sich gezwungen, die betroffenen Passagiere auf alternative Flüge umzubuchen, was angesichts der hohen Kapazität der A380 (bis zu 484 Passagiere in der Konfiguration von a6-evp) eine komplexe logistische Herausforderung darstellte. Die Notwendigkeit der sofortigen Annullierung des Fluges und die darauffolgende Stilllegung der Maschine in Manchester demonstrieren die strikten Sicherheitsanforderungen an Triebwerkskomponenten. Selbst scheinbar oberflächliche Schäden an der Triebwerksverkleidung, die aerodynamische Funktionen erfüllen und das Triebwerk vor Fremdkörpern schützen, erfordern eine sofortige Behebung.
Die Komplexität der A380-Instandhaltung
Der Vorfall in Manchester unterstreicht die wachsenden Schwierigkeiten bei der Instandhaltung der Airbus A380-Flotte. Da das doppelstöckige Flugzeugmodell nicht mehr produziert wird, sind Ersatzteile – insbesondere für Strukturkomponenten wie die Triebwerksverkleidungen (cowlings) – zunehmend Mangelware. Die Ersatzteilsituation ist so angespannt, dass bereits ein signifikanter Anteil der weltweiten A380-Flotte, Schätzungen zufolge über 12 Prozent, verschrottet wurde, um als Ersatzteilspender (part harvesting) für die noch aktiven Flugzeuge zu dienen.
Die n512dn ist eines der jüngeren A380-Exemplare in der Emirates-Flotte, ausgeliefert im Mai 2021. Während die Mehrheit der Emirates-A380 mit Triebwerken von Engine Alliance (gp7200) ausgestattet ist, gehört a6-evp zu den wenigen Maschinen des Carriers, die auf Rolls-Royce Trent 900-Triebwerke setzen. Die Notwendigkeit, schnell Ersatzteile für einen relativ jungen, aber in der Produktion eingestellten Flugzeugtyp zu beschaffen, erhöht die Reparaturkosten erheblich. Die schnelle Reaktion von Emirates – die Reparatur innerhalb von etwas mehr als zwei Tagen – deutet darauf hin, dass die Fluggesellschaft entweder über einen eigenen Bestand an kritischen Ersatzteilen verfügte oder in der Lage war, schnell eine beschädigte Komponente zu reparieren oder zu ersetzen.
Die finanzielle Belastung des Ausfalls
Der Schaden durch die Kollision ist nicht nur auf die direkten Reparaturkosten der Triebwerksverkleidung beschränkt. Ein Flugausfall dieser Größenordnung zieht eine Kette von finanziellen Konsequenzen nach sich. Schätzungen von Eurocontrol legen nahe, dass die Annullierung eines Langstreckenfluges mit einem Großraumflugzeug am selben Tag die Fluggesellschaft typischerweise Kosten von bis zu 150.000 US-Dollar verursachen kann. Diese Kosten beinhalten Entschädigungen für die Passagiere (je nach Rechtslage), Umbuchungsgebühren, die Unterbringung der gestrandeten Reisenden, Gebühren für die Bodenabfertigung und den Verlust von Einnahmen.
Im vorliegenden Fall ist es wahrscheinlich, dass Emirates versuchen wird, die Verantwortung für den Schaden und die daraus resultierenden Kosten bei dem Betreiber des Tankwagens oder dessen Versicherung geltend zu machen, da der Unfall offensichtlich durch das Bodenfahrzeug verursacht wurde. Im europäischen Rechtsraum, der für Flüge ab Manchester relevant sein könnte, wäre der Flugausfall wahrscheinlich als „außergewöhnlicher Umstand“ eingestuft worden, da er auf eine externe, nicht von der Fluggesellschaft selbst verschuldete Kollision zurückzuführen ist. Dies würde Emirates potenziell von der Pflicht zur Zahlung von Entschädigungen an die Passagiere entbinden, jedoch nicht von den sonstigen operativen Kosten des Ausfalls.
Rückkehr in den Flugdienst
Trotz der logistischen und technischen Hürden gelang es Emirates, das beschädigte Flugzeug zügig wieder einsatzbereit zu machen. Zwei Tage nach dem Unfall, am 30. November, konnte die a6-evp als Flug ek20 Manchester verlassen. Der Flug startete um 21:24 Uhr Ortszeit und landete am folgenden Morgen sicher in Dubai. Die schnelle Wiederaufnahme des Flugbetriebs der Maschine nach einem solchen Vorfall ist ein Zeichen für die Effizienz und die technischen Ressourcen der Emirates-Wartungsteams.
Der Vorfall in Manchester unterstreicht ein wiederkehrendes Sicherheitsthema auf Flughäfen weltweit: die sogenannten ramp accidents. Die Bodenabfertigung ist eine Phase mit hohem Risiko für Kollisionen und Beschädigungen, da zahlreiche Fahrzeuge und Personen auf engstem Raum um die Flugzeuge manövrieren. Solche Vorfälle führen nicht nur zu enormen finanziellen Verlusten durch Reparaturen und Flugausfälle, sondern stellen auch ein signifikantes betriebliches Risiko dar, das durch strenge Protokolle und Schulungen des Bodenpersonals minimiert werden muss.