Nach drei Jahren des erbitterten Kampfes um ihre Existenz steht die südafrikanische Billigfluggesellschaft Mango Airlines am Ende ihrer Reise. Ein letzter, hoffnungsvoller Rettungsversuch ist gescheitert, nachdem sich der potentielle Investor, die Ubuntu Air Services Proprietary Limited, aus dem Geschäft zurückgezogen hat.
Die Entscheidung markiert das tragische Ende einer mehrjährigen Auseinandersetzung, die von juristischen Hürden, bürokratischen Verzögerungen und einem schwindenden Kapital geprägt war. Anstelle eines Neustarts unter privater Führung wird Mango, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der staatlichen South African Airways (SAA), nun voraussichtlich liquidiert. Dieser Schlußstrich hinterläßt nicht nur unbezahlte Rechnungen und enttäuschte Gläubiger, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die prekäre Lage der Luftfahrtindustrie in Südafrika.
Gescheiterte Rettung: Der Rückzug des Investors und die juristischen Hürden
Der offizielle Bescheid, daß der Sanierungsplan nicht fortgesetzt wird, erreichte den sogenannten Business Rescue Practitioner, Sipho Sono, bereits am 31. Juli. In einer Notiz von Ubuntu Air Services wurde mitgeteilt, daß man „zweite Gedanken über die Transaktion“ habe und nicht fortfahren werde. Als Gründe wurden „unrealistische Zeitpläne“ und der Verlust der Finanzierungszusage eines Partners genannt. Dieser Rückzug ist der letzte Nagel im Sarg der Fluggesellschaft, die sich seit Juli 2021 in der Insolvenzverwaltung befand, einem Prozeß, der in Südafrika als „Business Rescue“ bekannt ist und die finanzielle Sanierung eines Unternehmens zum Ziel hat.
Die Verhandlungen zwischen dem Investor und der Insolvenzverwaltung waren von Anfang an mit Hindernissen gespickt. Im Juni hatte ein südafrikanisches Gericht auf Betreiben eines Gläubigers, der Aviation Co-ordination Services (ACS), den Sanierungsplan für ungültig erklärt. Das Gericht sah es als inakzeptabel an, Gläubiger zu zwingen, ihre Forderungen an einen neuen Investor abzutreten, ohne daß eine Aussicht auf vollständige Rückzahlung bestand. Obwohl Sipho Sono Berufung gegen das Urteil einlegte, war die Aussicht auf einen weiteren langwierigen und kostspieligen Rechtsstreit für den Investor zu riskant. Der Ausstieg war die logische Konsequenz.
Chronik eines angekündigten Endes: Der Weg in die Liquidation
Das Scheitern des Rettungsversuchs ist das Resultat eines dreijährigen Ringens. Bereits am 26. August 2022 hatte Ubuntu Air, ein Konsortium aus dem Reiseveranstalter AfricaStay, ehemaligen Mango-Führungskräften und dem Finanzdienstleister DG Capital, ein verbindliches Übernahmeangebot für Mango unterbreitet. Der Plan sah vor, alle SAA-Anteile für einen symbolischen Preis von 1.000 ZAR zu kaufen und die Fluggesellschaft mit einer Kapitalspritze von 1 Million ZAR neu zu beleben. Doch der Rettungsprozeß wurde durch die Weigerung des damaligen Ministers für Staatsbetriebe, Pravin Gordhan, das Geschäft zu genehmigen, massiv verzögert. Der Minister zweifelte an der Bieterstruktur und dem Zeitplan. Nach einer Klage von Sono, die eine Entscheidung erzwingen sollte, dauerte es bis März 2024, bis der Oberste Gerichtshof die letzten Einwände der Regierung ablehnte.
In der Zwischenzeit hatten die anhaltenden Verzögerungen verheerende Folgen. Im Februar 2023 wurden die internationalen Lizenzen von Mango annulliert, gefolgt von der Entziehung der nationalen Lizenzen im November 2024. Da der ursprüngliche Rettungsplan auf gültige Lizenzen angewiesen war, mußte im März 2025 ein revidierter Plan vorgelegt werden. Dieser sah vor, die Marke Mango durch eine Kooperation mit einem anderen, lizenzierten Fluganbieter zu erhalten. Doch auch dieser letzte Versuch scheiterte am Rückzug des Investors, der die Fristen für einen profitablen Neustart als zu eng ansah.
Das Erbe der Verluste: Die finanzielle Situation der Airline
Die finanziellen Gegebenheiten, die Sipho Sono in seinem jüngsten Update an die Gläubiger darlegte, zeigen das komplexe Geflecht aus Einnahmen und Ausgaben, das die Liquidation unumgänglich macht. Obwohl Mango noch über Bargeldreserven in Höhe von rund 382,5 Millionen ZAR (ca. 21,7 Millionen USD) verfügt, stehen dem erhebliche Verbindlichkeiten gegenüber. Seit Beginn des Sanierungsprozesses hat Mango von der Muttergesellschaft SAA insgesamt 734 Millionen ZAR (ca. 41,7 Millionen USD) erhalten, was unter den ursprünglich zugewiesenen staatlichen Hilfen von 819 Millionen ZAR (ca. 57,3 Millionen USD) liegt. Zusätzlich brachte der Verkauf eines Flugzeugtriebwerks im Mai 2023 96 Millionen ZAR (ca. 5,4 Millionen USD) ein, wodurch die gesamten Bargeldeinnahmen auf 830 Millionen ZAR stiegen.
Ein großer Teil dieses Geldes wurde jedoch für die Abwicklung ausgegeben. Allein 442,2 Millionen ZAR (ca. 25,1 Millionen USD) flossen in Gehälter und Abfindungen für die Belegschaft. Der Sanierungsprozeß selbst kostete 11,4 Millionen ZAR (ca. 647.619 USD), während 24,2 Millionen ZAR (ca. 1,3 Millionen USD) an ungenannte Berater und 26,8 Millionen ZAR (ca. 1,5 Millionen USD) an Anwaltskosten gezahlt wurden. Hinzu kommen Steuerschulden an die südafrikanische Steuerbehörde SARS in Höhe von 110 Millionen ZAR (ca. 6,2 Millionen USD).
Strategie der Abwicklung: Was die Gläubiger erwarten können
Angesichts des Scheiterns des Sanierungsplans schlägt Sipho Sono nun einen geordneten Ausverkauf des Unternehmens vor, der den Gläubigern einen besseren Ertrag bringen soll als eine sofortige Liquidation. Er geht davon aus, daß die Gläubiger in einem solchen Fall 12,18 Cents pro Rand (0,0068 USD) ihrer Forderungen zurückerhalten könnten. Dies wäre ein wesentlich besserer Wert als bei einer ungeordneten Abwicklung. Er plant, den überarbeiteten Sanierungsplan bis zum 19. August zu veröffentlichen, woraufhin die Gläubiger darüber abstimmen werden. Bei Annahme des Plans würden sie eine erste Auszahlung in Höhe von 70 Prozent des erwarteten Betrags innerhalb von 30 Tagen erhalten, der Rest würde drei bis fünf Monate später folgen. Der Plan sieht auch die Prüfung der Ansprüche von Fluggästen vor, deren Tickets nicht eingelöst werden konnten, ein Prozeß, der bis Ende September 2025 abgeschlossen sein soll.
Der Kontext des Scheiterns: Ein Blick auf die südafrikanische Luftfahrt
Die Tragödie von Mango Airlines steht nicht für sich allein, sondern ist ein Symptom der schwierigen Bedingungen, unter denen die südafrikanische Luftfahrtindustrie operiert. Die staatliche Muttergesellschaft SAA befindet sich selbst seit Jahren in einem Sanierungsprozeß. Der Markt ist stark umkämpft, und andere Billigfluggesellschaften hatten in den vergangenen Jahren ebenfalls mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Scheitern des Rettungsversuches bei Mango ist ein Lehrstück über die politischen und bürokratischen Fallstricke, die private Investoren in Südafrika abschrecken können. Obwohl Ubuntu Air bereit war, zu investieren und das Risiko zu tragen, waren die endlosen Verzögerungen und die sich ändernden Bedingungen, insbesondere der Lizenzentzug, letztlich zu viel. Die Saga von Mango Airlines ist damit auch eine Geschichte über die Risiken, die mit der Rettung von Staatsunternehmen verbunden sind.
Die Saga von Mango Airlines ist mehr als nur die Insolvenz einer Fluggesellschaft; sie ist ein Lehrstück über die Tücken von Sanierungsversuchen, bürokratische Hürden und die Herausforderungen in einem schwierigen Marktumfeld. Für die Gläubiger, Passagiere und Mitarbeiter markiert das Ende von Mango einen schmerzhaften Schlußstrich. Doch der von der Insolvenzverwaltung vorgeschlagene Plan bietet eine letzte Chance, einen Teil der Verluste zu kompensieren. Die südafrikanische Luftfahrtindustrie wird derweil gezwungen sein, sich ohne einen ihrer einst wichtigsten Billigfluganbieter neu zu ordnen.