Angesichts der langjährigen Wirtschaftssanktionen hat der Iran eine bemerkenswerte Ingenieursleistung vollbracht: Die lokale Produktion von Turbinenschaufeln für McDonnell Douglas-Flugzeuge. Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Schritt zur Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Flotte und stellt eine strategische Reaktion auf die wirtschaftlichen Herausforderungen dar. Allerdings ist die internationale Anerkennung der „Marke Eigenbau“ faktisch nicht vorhanden.
Seit Jahrzehnten sieht sich der Iran mit umfassenden Wirtschaftssanktionen konfrontiert, die den Zugang zu notwendigen Ersatzteilen für seine im Westen hergestellten Flugzeuge massiv einschränken. Besonders betroffen sind die rund 40 McDonnell Douglas-Flugzeuge des Landes, von denen 28 aufgrund des Mangels an erschwinglichen Ersatzteilen mit einem Flugverbot belegt sind. Die hohen Kosten für importierte Turbinenschaufeln haben die Fluggesellschaften des Landes gezwungen, kreative Lösungen zu finden, einschließlich der Kannibalisierung von Flugzeugen.
Nun hat die MAPNA AERO, eine Tochtergesellschaft der Iran Power Plant Projects Management Company (MAPNA) Group, einen technologischen Durchbruch erzielt. Wissenschaftler des Unternehmens haben erfolgreich Turbinenschaufeln für das JT8D-Triebwerk rückentwickelt. Laut Mani Rezvani, dem Geschäftsführer von MAPNA AERO, wurde der Prototyp vor etwa zwei Monaten hergestellt und getestet. Das erste McDonnell Douglas-Flugzeug, ausgestattet mit den im Iran hergestellten Schaufeln, soll am 20. Juni 2024 in Betrieb genommen werden.
Kostenersparnis und Produktionspläne
Die lokale Herstellung der Turbinenschaufeln kostet etwa ein Drittel der Kosten für importierte Teile. Während der Kauf im Ausland rund 22.000 US-Dollar pro Schaufel kostet, belaufen sich die Herstellungskosten im Iran auf etwa 8.000 US-Dollar. Obwohl die Teile noch keine formale Zertifizierung durch die iranische Zivilluftfahrtbehörde erhalten haben, wird diese Genehmigung in Kürze erwartet. Dies würde den Weg für die Massenproduktion und den Einsatz der Schaufeln in anderen Flugzeugen ebnen.
Der Iran plant, die selbst produzierten Turbinenschaufeln langfristig auch zu exportieren. Dies könnte besonders für Länder wie Russland und Venezuela von Interesse sein, die ebenfalls von internationalen Sanktionen betroffen sind. Ingenieure der russischen Fluggesellschaft S7 Airlines haben kürzlich einen Durchbruch bei der Wartung des CFM56-Triebwerks gemeldet, das in zahlreichen Boeing 737- und Airbus A320-Flugzeugen zum Einsatz kommt. Ein ähnlicher Austausch von Know-how und Technologie könnte beiden Ländern helfen, ihre Flotten unabhängig von westlichen Ersatzteilen zu betreiben.
Bedeutung für die iranische Luftfahrtindustrie
Die Wiederinbetriebnahme der McDonnell Douglas-Flugzeuge wird den Betrieb der iranischen Fluggesellschaften erheblich verbessern. Die Airlines des Landes, darunter ATA Airlines, Caspian Airlines, Chabahar Airlines, Iran Airtour, Kish Air und Zagros Airlines, verfügen über eine beachtliche Anzahl an MD-82-, MD-83-, MD-87- und MD-88-Jets. Diese Flugzeuge sind alle mit JT8D-Triebwerken ausgestattet, für die nun die dringend benötigten Ersatzteile verfügbar sind.
Der Iran hat durch die Entwicklung und Produktion eigener Turbinenschaufeln für McDonnell Douglas-Flugzeuge eine bemerkenswerte Lösung für die durch Sanktionen verursachten Probleme gefunden. Diese Technologie ermöglicht es dem Land, seine Luftfahrtindustrie unabhängiger zu machen und bietet zudem das Potenzial, andere sanktionierte Länder zu unterstützen. Dieser Schritt könnte weitreichende Auswirkungen auf die internationale Luftfahrt haben und ein Beispiel für andere Länder sein, wie sie ihre technischen Herausforderungen bewältigen können.