Die britische Reederei Ambassador Cruise Line expandiert ab dem Jahr 2028 in den deutschen Kreuzfahrtmarkt.
Das 2021 gegründete Unternehmen übernimmt zu diesem Zweck das bisher für Oceania Cruises fahrende Passagierschiff Sirena, das künftig unter dem Namen Ambella eingesetzt werden soll. Die Reederei richtet das Angebot gezielt an das deutschsprachige Publikum im Segment der älteren Reisenden und setzt dabei auf mittelgroße Schiffsgrößen. Als deutsche Basishäfen für die geplanten Nordeuropa- und Ostseerouten sind Bremerhaven und Kiel vorgesehen.
Die Ambella bietet Platz für rund 670 Passagiere und grenzt sich damit vom Trend zu Großkreuzfahrtschiffen ab. Das Konzept sieht ein reines Erwachsenenhotel-Modell an Bord vor, bei dem Bordsprache und Unterhaltungsprogramm vollständig auf Deutsch ausgerichtet sind. Der Vertrieb der Premierenreisen für die Sommersaison 2028 startet im November über Reisebüros, Online-Portale und den Direktvertrieb. Das Einsatzkonzept beinhaltet für die Sommermonate elf Kreuzfahrten sowie zwei Überführungsfahrten. In den Wintermonaten wird das Schiff im Rahmen eines Zehnjahresvertrags für das US-amerikanische Bildungsprogramm „Semester at Sea“ genutzt.
Mit dem Schritt betritt die britische Gesellschaft, die bereits in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich aktiv ist, den wettbewerbsintensiven deutschen Kreuzfahrtmarkt. Der Markt wird derzeit von großen Anbietern wie AIDA Cruises und Mein Schiff beherrscht, die überwiegend auf Schiffe mit Kapazitäten für mehrere tausend Passagiere setzen. Die Einführung eines kleineren, deutschsprachigen Schiffs zielt auf Marktlücken ab, die nach dem Werftkonkurs und Verkauf älterer Traditionsschiffe in den vergangenen Jahren entstanden sind.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass der wirtschaftliche Erfolg im Segment für ältere Zielgruppen stark von der Preisgestaltung und dem Serviceangebot an Bord abhängt. Zudem stellt der parallele Betrieb des Schiffs als schwimmender Universitätscampus im Winter organisatorische Anforderungen an die Werftzeiten, die Instandhaltung und den Besatzungswechsel zwischen den Einsatzphasen dar.