Die führenden europäischen Billigfluggesellschaften Ryanair und Wizz Air haben das Kalenderjahr 2025 mit einer erheblichen Steigerung ihrer Passagierzahlen abgeschlossen.
Wie aus den aktuellen Verkehrsdaten für Dezember hervorgeht, beförderte die irische Ryanair 14,5 Millionen Fluggäste, was einem Zuwachs von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Das Unternehmen profitierte dabei von einer stabilisierten Lieferkette bei Boeing, die den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten im dritten Quartal ermöglichte. Mit einer Auslastung von 92 Prozent und insgesamt 82.000 durchgeführten Flügen im Berichtsmonat festigt der Konzern seine Marktposition und korrigierte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 207 Millionen Passagiere nach oben.
Im Gegensatz zur stabilen Expansion bei Ryanair zeigt die Entwicklung bei Wizz Air ein zweigeteiltes Bild. Zwar verzeichnete die ungarische Fluggesellschaft im Dezember 2025 ein massives Passagierplus von 15,5 Prozent auf 5,85 Millionen Reisende, doch sank die Auslastung der Maschinen zeitgleich auf 85,9 Prozent. Zusätzliche Branchenanalysen verdeutlichen, dass Wizz Air unter erheblichem operativem Druck steht. Massive Triebwerksprobleme bei den Pratt-and-Whitney-Aggregaten führten dazu, dass weite Teile der Flotte für außerplanmäßige Wartungen am Boden bleiben mussten. Um diese Engpässe und den daraus resultierenden Kostendruck abzufedern, sah sich die Airline gezwungen, strategisch wichtige Basen wie Wien und Abu Dhabi zu schließen und die Auslieferung von 88 neuen Airbus-Flugzeugen zeitlich zu verschieben.
Marktbeobachter weisen darauf hin, dass der Wettbewerb im Low-Cost-Segment durch die unterschiedliche Flottenstrategie der beiden Marktführer neu definiert wird. Während Ryanair durch die Vereinheitlichung auf Boeing-Modelle Skaleneffekte nutzt und derzeit weniger von technischen Serienfehlern betroffen ist, kämpft Wizz Air mit der Komplexität ihrer Airbus-Flotte. Dennoch bleibt die Nachfrage nach preiswerten Flugverbindungen, insbesondere während der Feiertage im Dezember, ungebrochen hoch. Die Kapazitätserhöhung bei Wizz Air um über 16 Prozent im Dezember zeigt den Versuch, trotz der technischen Hürden Marktanteile in Osteuropa und auf den Routen nach Großbritannien zu sichern, wobei die sinkende Auslastung auf einen harten Preiskampf hindeutet.
Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass sich die Schere zwischen den beiden Anbietern weiter öffnen könnte, falls die Wartungsprobleme bei Wizz Air nicht kurzfristig gelöst werden. Ryanair plant indes bereits die Erschließung weiterer Sekundärflughäfen, um die angepeilten Rekordmarken beim Passagiervolumen zu erreichen. Die wirtschaftliche Bedeutung beider Unternehmen für den europäischen Luftverkehr bleibt jedoch elementar, da sie gemeinsam einen Großteil des Punkt-zu-Punkt-Verkehrs abwickeln. Analysten betonen, dass die finanzielle Stabilität in diesem Sektor zunehmend von der technischen Zuverlässigkeit der Triebwerkshersteller und der termingerechten Auslieferung neuer Fluggeräte durch die großen Produzenten abhängt.