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Massive Kritik in Kärnten: Tourismus-Unternehmer wehren sich gegen die Querfinanzierung durch erhöhte Aufenthaltsabgabe

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Die geplante Erhöhung der Aufenthaltsabgabe in Kärnten hat zu heftiger Kritik unter den lokalen Tourismus-Unternehmen geführt. Die Branchenvertreter, angeführt von Hubert Koller, dem Landesvorsitzenden der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) in Kärnten, wenden sich nicht primär gegen die Erhöhung selbst, sondern gegen die fehlende Zweckwidmung der Einnahmen.

Es herrscht große Empörung darüber, daß die zusätzlichen Gelder vorrangig für eine Querfinanzierung von Mobilitätsprojekten im gesamten Bundesland verwendet werden sollen, anstatt direkt in die Tourismuswerbung, das Gästeerlebnis und die lokale Gästemobilität der Beitragszahler zu fließen. Koller faßt die Stimmung in der Branche als „kalte Enteignung“ zusammen.

Die Aufenthaltsabgabe und die Zweckentfremdung der Mittel

Die Aufenthaltsabgabe, oft auch als Kurtaxe bezeichnet, ist eine wichtige Einnahmequelle für die Tourismus-Organisationen. Sie wird pro Nächtigung vom Gast eingehoben und soll typischerweise der Finanzierung von touristischen Infrastrukturprojekten und Marketingaktivitäten dienen, die den Gästen in der jeweiligen Region zugutekommen.

Die Kärntner Unternehmer betonen, daß sie den Handlungsbedarf für höhere Einnahmen erkennen und grundsätzlich bereit sind, mehr Geld aufzubringen. Das Problem liegt für sie in der Verwendung der Mittel. Koller zufolge benötigen die Betriebe dringend Investitionen in die Tourismuswerbung und das unmittelbare Gästeerlebnis in ihren Regionen. Anstatt dessen fließe das Geld in „ein Bus mehr in einer anderen Ecke Kärntens“, wie der ÖHV-Vertreter kritisiert. Diese Art der Querfinanzierung über das gesamte Bundesland hinweg stoße auf massiven Widerstand.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die fehlende Zweckbindung der erhöhten Abgabe für touristische Projekte. Die Tourismus-Unternehmer fordern vehement, daß die Mittel aus dem Tourismus zuerst in eine „effektive Trendwende bei den Nächtigungen“ fließen müßten. Erst dann könnten andere Bereiche, wie etwa die allgemeine Mobilität im Land, profitieren. Diese Haltung spiegelt die Sorge wider, daß der Tourismus als Wirtschaftszweig in Kärnten durch eine Zweckentfremdung der Einnahmen geschwächt werden könnte, da die dringend notwendigen Investitionen ausbleiben.

Regionale Verankerung versus Zentralisierung

Die Kärntner Tourismus-Organisation steht vor einer umfassenden Strukturreform, bei der die derzeit 125 kleinen Tourismusverbände zu zehn größeren regionalen Einheiten zusammengefaßt werden sollen. Grundsätzlich begrüßt die Branche die Abkehr vom Kirchturmdenken, da eine Bündelung der Kräfte und Budgets die Schlagkraft im Wettbewerb erhöhen kann. Allerdings fordern die Betriebe ein „Mindestmaß an regionalem Bezug“ bei der Mittelverwendung.

Koller argumentiert, daß die Zusammenfassung der Verbände in zehn Regionen bereits zu einer ausreichenden Budgetbündelung führen würde, um Projekte vor Ort zu finanzieren, die den Gästen spürbar zugutekommen. Die Gästemobilität vor Ort, also die Beförderung der Touristen zwischen Hotel, Attraktionen und Freizeiteinrichtungen innerhalb der Region, ist ein Beispiel für Projekte, die direkt von den Einnahmen profitieren sollten. Eine Querfinanzierung von Mobilitätsprojekten, die am „anderen Ende von Kärnten“ liegen, bringe den zahlenden Tourismus-Regionen jedoch keinen unmittelbaren Mehrwert.

Die Kärntner Tourismus-Wirtschaft, die ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im Bundesland ist, kämpft seit längerem mit Herausforderungen. Der Wettbewerb mit anderen Alpenregionen ist intensiv, und die Anforderungen der Gäste an Infrastruktur und Erlebnisangebot steigen kontinuierlich. Die Unternehmer sehen in der Erhöhung der Aufenthaltsabgabe eine Chance, diese Herausforderungen durch gezielte Investitionen anzugehen, sehen sich aber durch die Pläne der Landesregierung zur Querfinanzierung von diesem Ziel abgehalten.

Die Dringlichkeit von Investitionen in den Tourismus

Die Tourismus-Branche in Kärnten verweist auf drängendere Probleme als die generelle Mobilitätswende im Land. Eine effektive Tourismuswerbung ist in Zeiten digitaler und globaler Märkte unerläßlich, um die Nächtigungszahlen auf dem gewünschten Niveau zu halten und neue Gästegruppen zu gewinnen. Das Gästeerlebnis vor Ort, einschließlich der Qualität der Infrastruktur, der Attraktionen und der Dienstleistungen, ist der Schlüssel zur Kundenbindung und positiven Weiterempfehlung.

Die Gefahr, die die Unternehmer sehen, ist die Aushöhlung der Finanzierungsgrundlage des Tourismus zugunsten allgemeiner Landesaufgaben. Sollte die erhöhte Abgabe nicht strikt für touristische Zwecke zweckgewidmet werden, befürchten sie eine dauerhafte Belastung ohne adäquaten Rückfluß in die Regionen, die die Einnahmen generieren. Die klare Forderung lautet: „Mittel aus dem Tourismus für den Tourismus“.

Der Konflikt zwischen den Tourismus-Betrieben und der Kärntner Landesregierung ist somit ein Kampf um die Definition der Zweckmäßigkeit und die regionale Verteilung von Einnahmen. Die Branche verlangt einen strategischen Fokus auf die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit, bevor Tourismus-Einnahmen für andere Landesprojekte herangezogen werden.

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