Der Flugbetrieb der Deutschen Lufthansa AG ist am heutigen Donnerstag, dem 12. Februar 2026, durch einen koordinierten Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Kabinengewerkschaft Ufo nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. An den zentralen Drehkreuzen Frankfurt und München sowie an zahlreichen weiteren deutschen Standorten fallen hunderte Verbindungen aus, was zehntausende Passagiere vorhebliche logistische Probleme stellt.
Während die Gewerkschaften von einer sehr hohen Beteiligung und einem erfolgreichen Auftakt des Arbeitskampfes sprechen, kritisiert der Konzernvorstand die Maßnahmen als unverhältnismäßig und wirtschaftlich riskant. Der zeitgleiche Streik der verschiedenen Berufsgruppen im Flugzeug verdeutlicht die zugespitzte Situation in den laufenden Tarifauseinandersetzungen, bei denen es neben finanziellen Forderungen zur Altersvorsorge auch um existenzielle Fragen der Arbeitsplatzsicherheit im Zuge einer groß angelegten Konzernumstrukturierung geht.
Stille in den Terminals und lange Schlangen an den Service-Schaltern
Das Bild an den deutschen Flughäfen ist heute zweigeteilt. Während in den Bereichen der Lufthansa, wie etwa dem Terminalabschnitt A in Frankfurt, eine ungewohnte Leere herrscht, stauen sich an den Umbuchungsschaltern die betroffenen Fluggäste. Der Flughafenverband ADV geht davon aus, dass deutschlandweit mehr als 460 Flüge gestrichen werden mussten. Davon sind schätzungsweise 69.000 Passagiere direkt betroffen. Allein in München entfallen laut aktuellen Daten mindestens 275 der geplanten 920 Flugbewegungen, in Frankfurt dürften es rund 400 Ausfälle sein.
Trotz der umfangreichen Annullierungen blieb ein größeres Chaos in den Hallen zunächst aus, da die Lufthansa bereits im Vorfeld versucht hatte, Reisende über digitale Kanäle zu informieren und von einer Anreise zum Flughafen abzuraten. Viele Gäste nutzten die angebotenen elektronischen Umbuchungen auf Tochtergesellschaften des Konzerns, die nicht vom Streik betroffen sind, oder stiegen für innerdeutsche Strecken auf die Deutsche Bahn um. Dennoch bilden sich vor allem für internationale Verbindungen, bei denen alternative Transportmittel fehlen, längere Warteschlangen. Erst für den kommenden Freitag wird eine Rückkehr zum regulären Flugplan erwartet.
Forderungen im Cockpit: Streit um die Altersversorgung
Hinter dem Arbeitskampf der rund 4.800 Piloten der Lufthansa und der Lufthansa Cargo steht ein langjähriger Konflikt über die betriebliche Altersversorgung. Die Vereinigung Cockpit fordert eine deutliche Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Eine Urabstimmung der Mitglieder ergab bereits im vergangenen Herbst eine breite Zustimmung für Streikmaßnahmen, die nun erstmals in vollem Umfang umgesetzt werden.
VC-Präsident Andreas Pinheiro betonte am Frankfurter Flughafen die hohe Streikbereitschaft seiner Mitglieder. Er kritisierte die Haltung der Konzernleitung scharf und warf dem Management vor, kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt zu haben. Die Gewerkschaft sieht sich nach eigenen Angaben zu diesem Schritt gezwungen, da alle anderen Mittel der Verständigung ausgeschöpft seien. Pinheiro schloss eine weitere Eskalation nicht aus, sollte die Arbeitgeberseite weiterhin keine Zugeständnisse bei der Absicherung des Personals im Alter machen.
Existenzängste in der Kabine und Widerstand gegen Konzernumbau
Parallel dazu führt die Kabinengewerkschaft Ufo einen Warnstreik durch, der die Verhandlungen für die rund 20.000 Flugbegleiter der Kerngesellschaft sowie der Regionaltochter Cityline vorantreiben soll. Hier stehen vor allem strukturelle Sorgen im Vordergrund. Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger verwies darauf, dass aufgrund der aktuellen Konzernstrategie allein bei Cityline rund 800 Arbeitsplätze bedroht seien. Die Gewerkschaft fordert den Abschluss eines tariflichen Sozialplans, um die Beschäftigten vor den Folgen betrieblicher Veränderungen zu schützen.
Im Gegensatz zur Pilotengewerkschaft hat Ufo für diesen Warnstreik keine Urabstimmung durchgeführt, sieht sich jedoch durch die hohe Beteiligung am heutigen Tag bestätigt. Der Vorwurf der Gewerkschaft lautet, dass das Management notwendige Schutzmechanismen verweigere, während gleichzeitig die Arbeitsbelastung steige. Die Koordination mit den Piloten verleiht dem Protest eine zusätzliche Schlagkraft, die den operativen Betrieb der Kernmarke fast vollständig lahmlegt.
Wirtschaftlicher Druck und das Sanierungsprogramm Turnaround
Die Lufthansa-Führung unter Personalvorstand Michael Niggemann bezeichnete die Streiks als völlig unnötige Eskalation. Aus Sicht des Vorstands gibt es derzeit keinen finanziellen Spielraum für die geforderten Kostensteigerungen. Hintergrund dieser harten Haltung ist die prekäre wirtschaftliche Lage der Lufthansa-Kerngesellschaft, die im Jahr 2024 Verluste verzeichnete. Um die Rentabilität wiederherzustellen, wurde das Sanierungsprogramm Turnaround initiiert, das strikte Kostendisziplin vorsieht.
Neue Geschäftszahlen werden für den 6. März erwartet. Analysten gehen davon aus, dass die aktuellen Arbeitskämpfe die finanziellen Ergebnisse des ersten Quartals 2026 zusätzlich belasten werden. Jeder Streiktag kostet das Unternehmen Millionenbeträge durch Einnahmeverluste und Entschädigungszahlungen an Passagiere. Der Vorstand warnt davor, dass überzogene Forderungen die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten, während die Arbeitnehmervertreter argumentieren, dass die Sanierung nicht einseitig auf dem Rücken des Personals ausgetragen werden dürfe.
Ausblick auf die kommenden Verhandlungstage
Der heutige Streiktag markiert einen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen der Konzernleitung und den Sozialpartnern. Da beide Seiten derzeit auf ihren Positionen beharren, bleibt die Gefahr weiterer Arbeitsniederlegungen in den kommenden Wochen hoch. Die Gewerkschaften haben bereits signalisiert, dass sie bereit sind, die Eskalationsspirale weiterzudrehen, falls kein neues Angebot auf den Tisch kommt.
Für die Passagiere bedeutet dies eine Phase anhaltender Unsicherheit. Die Fluggesellschaft bemüht sich zwar um eine Schadensbegrenzung durch automatisierte Benachrichtigungen und Umbuchungsprozesse, doch die Zuverlässigkeit des deutschen Luftverkehrsstandorts wird durch die wiederkehrenden Konflikte erneut auf die Probe gestellt. Ob es nach dem heutigen Tag zu einer Annäherung kommt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Parteien zurück an den Verhandlungstisch finden, bevor weitere großflächige Flugstreichungen den Frühjahrsverkehr beeinträchtigen.