Nach dem Absturz eines Frachtflugzeugs des Typs MD-11F der Fluggesellschaft UPS am 4. November 2025 auf dem Flughafen Louisville hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) erste Hinweise zur Unfallursache veröffentlicht. Der Frachter mit dem Kennzeichen N259UP stürzte kurz nach dem Abheben in ein nahegelegenes Gewerbegebiet, wobei 14 Menschen – alle drei Insassen sowie elf Personen am Boden – ums Leben kamen. Zwei weitere Personen wurden schwer verletzt.
Der Unfall ereignete sich, als das linke CF-6-Triebwerk kurz nach Beginn der Startrotation von der Tragfläche abriss. Videoaufnahmen einer Überwachungskamera belegten den Moment, in dem das Triebwerk weggeschleudert wurde. Die Ermittler des NTSB stießen bei der Untersuchung der Wrackteile auf Risse an tragenden Teilen der Triebwerksaufhängung, genauer gesagt am hinteren Montagepunkt des sogenannten Pylons, der das Triebwerk hält. Im vorläufigen Bericht halten die Experten fest, dass die Risse auf ein „Überlastungsversagen“ hindeuten. Eine Laboruntersuchung der später gefundenen gebrochenen Nabe legt zudem den Verdacht auf Materialversagen durch Ermüdungsrisse nahe.
Die US-Luftfahrtaufsicht FAA (Federal Aviation Administration) reagierte umgehend auf den schweren Zwischenfall und verhängte vorsorglich ein Flugverbot für alle MD-11-Frachter in den USA, um weitere Flugzeuge auf mögliche vergleichbare Schwachstellen an der Triebwerksaufhängung zu untersuchen. Die abgestürzte, 34 Jahre alte Maschine hatte zum Unfallzeitpunkt eine hohe Beanspruchung von 92.992 Flugstunden und 21.043 Flugzyklen absolviert. Die Ermittler prüfen nun die Wartungsprotokolle des UPS-Frachters, der zuletzt von September bis Oktober 2025 eine Großwartung bei ST Engineering in Texas durchlaufen hatte.
Die Untersuchungen des NTSB konzentrieren sich aktuell darauf, ob die vorgeschriebenen Inspektionsintervalle des Herstellers ausreichend waren oder ob es Versäumnisse bei der vorgeschriebenen Sichtinspektion gab. Laut Wartungsvorgaben von UPS ist eine Sichtinspektion der Triebwerksaufhängung alle 72 Monate fällig, die letzte fand im Oktober 2021 statt. Eine Tiefeninspektion der kritischen Pylon-Befestigungspunkte war laut Wartungshandbuch erst nach 29.200 Flugzyklen vorgesehen, einer Marke, die der Frachter noch nicht erreicht hatte.