Boeing 777X (Foto: Boeing.
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Meilenstein für das Boeing 777X Programm und geplanter Erstflug der Lufthansa Maschine

Werbung

Der US amerikanische Flugzeugbauer Boeing nähert sich einem entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung seines neuesten Langstreckenflugzeugs, der 777X. Nach jahrelangen Verzögerungen und technischen Hürden plant das Unternehmen laut internen Berichten den Erstflug einer für den kommerziellen Dienst vorgesehenen Maschine im April 2026.

Aktuell durchläuft das erste für die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa bestimmte Exemplar intensive Treibstofftests auf dem Paine Field in Everett, Washington. Dieser Fortschritt ist für Boeing von strategischer Bedeutung, da das Programm seit seiner Einführung im Jahr 2013 mit massiven Kostenüberschreitungen und zeitlichen Verschiebungen zu kämpfen hatte. Trotz der finanziellen Belastungen und der auf Anfang 2027 verschobenen Auslieferung signalisieren die weltweiten Auftragsbücher ein ungebrochenes Interesse der Luftfahrtbranche an diesem neuen Flugzeugtyp.

Technische Vorbereitungen am Standort Everett

Die Aktivitäten auf dem Paine Field haben in den letzten Wochen deutlich zugenommen. Beobachtungen vor Ort bestätigen, dass sich die Lufthansa Maschine derzeit an den Treibstoffdocks befindet, um die Integrität der Tanksysteme und die Effizienz der Kraftstoffzufuhr zu prüfen. Diese Tests sind ein obligatorischer Bestandteil der Vorflugkontrolle, bevor das Flugzeug in die nächste Phase der Erprobung eintritt. Für Ende Februar 2026 sind die ersten Triebwerkstests angesetzt, bei denen die gewaltigen GE9X Triebwerke von General Electric erstmals unter Realbedingungen am Boden gezündet werden.

Diese Triebwerke stellen eine der zentralen Neuerungen der 777X dar. Mit einem Fandurchmesser von über 3,4 Metern sind sie die größten jemals für die zivile Luftfahrt gebauten Antriebe. Sie sollen im Zusammenspiel mit den neu entwickelten Tragflächen aus Verbundwerkstoffen eine deutliche Steigerung der Reichweite und Kapazität ermöglichen. Ein besonderes Merkmal der 777X sind zudem die faltbaren Flügelspitzen, die es dem Flugzeug erlauben, trotz der enormen Spannweite die bestehende Infrastruktur und die Parkpositionen an internationalen Flughäfen zu nutzen.

Wirtschaftliche Auswirkungen und finanzielle Belastungen

Die Entwicklung der 777X hat Boeing finanziell stark gefordert. Im dritten Quartal 2025 musste der Konzern eine Sonderbelastung in Höhe von 4,9 Milliarden US Dollar verbuchen, die direkt mit den Verzögerungen im 777X Programm in Verbindung steht. Dies trug maßgeblich zu einem Quartalsverlust von 7,14 US Dollar pro Aktie bei. Analysten hatten im Vorfeld zwar mit Belastungen gerechnet, die tatsächliche Summe überstieg jedoch die Schätzungen, die sich im Bereich von 2,5 bis 4 Milliarden US Dollar bewegten.

Diese Verluste resultieren primär aus den verlängerten Zertifizierungsprozessen und den Entschädigungszahlungen an Kunden, die ihre Flugzeuge wesentlich später als ursprünglich vertraglich vereinbart erhalten. Ursprünglich war der Markteintritt bereits für das Jahr 2020 geplant gewesen. Inzwischen hat das Management den Termin für die erste Auslieferung auf den Beginn des Jahres 2027 festgesetzt. Diese Zeitspanne verdeutlicht die Komplexität der Zulassungsverfahren bei modernen Großraumflugzeugen, insbesondere nach den verschärften Kontrollen durch die Luftfahrtbehörden weltweit.

Internationale Auftragslage und Kundenvertrauen

Ungeachtet der terminlichen Schwierigkeiten bleibt das Vertrauen der großen Fluggesellschaften in das Produkt bestehen. Bis Mitte 2025 verzeichnete das 777X Programm bereits über 540 Festbestellungen. Besonders die Variante 777-9, die als direkter Nachfolger der erfolgreichen 777-300ER positioniert ist, stößt auf reges Interesse. Das bisher stärkste Signal für die Marktrelevanz des Flugzeugs kam von der Fluggesellschaft Emirates. Während der Dubai Airshow im November 2025 erweiterte das Unternehmen seine Bestellung um weitere 65 Flugzeuge vom Typ 777-9 in einem Gesamtwert von rund 38 Milliarden US Dollar. Damit festigte Emirates seine Position als weltweit größter Kunde für dieses Modell.

Auch andere namhafte Airlines wie Qatar Airways, Singapore Airlines und Cathay Pacific finden sich in den Auftragsbüchern wieder. Für diese Fluggesellschaften ist die 777X ein zentraler Baustein für die Erneuerung ihrer Flotten, um auf langen Distanzen effizienter operieren zu können. Auf der aktuell stattfindenden Singapore Airshow 2026 wurden bislang zwar keine neuen Großbestellungen für die 777X verkündet, Experten werten dies jedoch eher als Zeichen einer Phase der Konsolidierung, in der die Bestandskunden auf die Einhaltung der neuen Liefertermine warten.

Herausforderungen im Zertifizierungsprozess

Der Weg bis zum geplanten Erstflug im April 2026 ist weiterhin mit strengen behördlichen Auflagen verbunden. Die US Bundesluftfahrtbehörde FAA und die europäische EASA fordern eine lückenlose Dokumentation und umfangreiche Testreihen, um die Sicherheit des neuen Typs zu gewährleisten. Insbesondere die Softwarearchitektur und die Steuerungssysteme der faltbaren Flügelspitzen stehen unter genauer Beobachtung. Boeing hat nach den Erfahrungen vergangener Jahre seine internen Prüfprozesse optimiert, um sicherzustellen, dass die kommende Testphase im Frühjahr ohne weitere Unterbrechungen verlaufen kann.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Boeing den Zeitplan für den April einhalten kann. Ein erfolgreicher Erstflug der Lufthansa Maschine wäre nicht nur ein wichtiges Signal an die Investoren, sondern auch ein psychologisch wichtiger Moment für die Belegschaft in Everett. Es würde den Übergang von der rein experimentellen Erprobung hin zur Produktion von Serienmaschinen markieren, die tatsächlich für den Passagierverkehr vorgesehen sind.

Bedeutung für den Standort Washington

Das Werk in Everett bleibt das Herzstück der Boeing Breitrumpfproduktion. Die Integration der 777X Fertigungslinie hat umfangreiche Umbaumaßnahmen erfordert. Hier werden die modernsten Fertigungstechnologien eingesetzt, um die großen Rumpfsektionen und die Flügel aus Kohlefaserverbundwerkstoffen zusammenzuführen. Für die Region Washington ist der Fortgang des Programms ein entscheidender Faktor für die Sicherung hochqualifizierter Arbeitsplätze in der Luftfahrtindustrie. Die Fortschritte an der Lufthansa Maschine werden daher auch lokal als positives Zeichen für die wirtschaftliche Stabilität des Standorts gewertet.

Sollten die Triebwerkstests im Februar erfolgreich verlaufen, steht dem Rollout und dem anschließenden Erstflug wenig im Wege. Die Luftfahrtwelt blickt nun gespannt auf den April 2026, wenn sich die 777-9 erstmals in den Farben einer kommerziellen Fluggesellschaft in die Luft erheben soll, um die finale Phase der Flugerprobung einzuläuten.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung