Boeing 737-Max-10 (Rendering: Boeing).
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Meilenstein für die Boeing 737 Max 10: FAA genehmigt zweite Phase der Zertifizierungstests

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Das Zertifizierungsprogramm der Boeing 737 Max 10 hat zu Beginn des Jahres 2026 eine entscheidende Hürde genommen. Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration hat den Flugzeughersteller offiziell dazu ermächtigt, in die zweite Phase der Flugerprobung einzutreten.

Dieser Schritt erfolgt im Rahmen der sogenannten Type Inspection Authorization und markiert den Übergang von internen Firmentests zu einer Phase, in der FAA-Inspektoren die Systeme direkt an Bord und während des Flugbetriebs bewerten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Avionik, den Antriebssystemen sowie weiteren sicherheitskritischen Komponenten des größten Modells der 737-Max-Familie. Trotz dieses Fortschritts bleibt der Weg bis zur endgültigen Zulassung komplex, da technische Herausforderungen, insbesondere beim Vereisungsschutz der Triebwerke, weiterhin eine finale Freigabe verzögern. Für Boeing ist dieser Teilerfolg jedoch ein wichtiges Signal an den Markt und die zahlreichen Kunden, die seit Jahren auf die Auslieferung ihrer bestellten Flugzeuge warten.

Intensivierung der behördlichen Aufsicht

Der Übergang in die zweite Phase der Testreihe ist gleichbedeutend mit einer erheblichen Verschärfung der Kontrolle durch die US-Regulierungsbehörden. Während in der ersten Phase vornehmlich Boeing-eigene Ingenieure die grundlegende Flugtüchtigkeit und Systemstabilität prüften, nehmen nun FAA-Experten eine aktive Rolle bei der Datenerhebung ein.

Jeder Testflug dient dazu, offizielle Zertifizierungspunkte zu sammeln, die belegen, dass das Flugzeug alle geltenden Lufttüchtigkeitsstandards erfüllt. Diese gesteigerte Aufsicht ist eine direkte Folge der regulatorischen Reformen, die nach den Vorfällen der Jahre 2018 und 2019 vom US-Kongress verabschiedet wurden. Die Behörde hat mehrfach klargestellt, dass die Sicherheit und Systemredundanz oberste Priorität haben und kommerzieller Zeitdruck keinen Einfluss auf das Tempo der Zulassung haben wird.

Zentrales Hindernis: Das Enteisungssystem der Triebwerke

Trotz der Genehmigung für die nächste Testphase bleibt ein technisches Problem die größte Barriere für die vollständige Zulassung der Max 10 sowie der kleineren Variante Max 7. Die Regulierungsbehörden fordern eine grundlegende Neugestaltung des Enteisungssystems für die Triebwerkseinlässe.

Untersuchungen hatten ergeben, dass unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen die Gefahr einer Überhitzung der Verbundstruktur der Triebwerksverkleidung besteht, was im Extremfall zu strukturellen Schäden führen könnte. Boeing hat nach eigenen Angaben tausende Arbeitsstunden in die Entwicklung einer technischen Lösung investiert und die Designänderungen mittlerweile abgeschlossen. Nun geht es darum, dieses neue Design im Rahmen der nun gestarteten Testphase unter Realbedingungen zu validieren. Solange diese Nachweise nicht zweifelsfrei erbracht sind, bleibt eine finale Typenzertifizierung ausgeschlossen.

Reaktionen der Fluggesellschaften und Flottenanpassungen

Die anhaltenden Verzögerungen haben die langfristigen Planungen großer Fluggesellschaften bereits erheblich beeinflusst. Unternehmen wie Ryanair, WestJet und Alaska Airlines mussten ihre Kapazitätsplanungen für die kommenden Jahre mehrfach korrigieren. Ryanair-Chef Michael O’Leary gab in jüngsten Stellungnahmen an, dass man nun mit einer Indienststellung der ersten Maschinen im Frühjahr 2027 rechne, was etwa drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt.

Die kanadische WestJet, die als einer der ersten Betreiber der Max 10 vorgesehen ist, hofft zwar weiterhin auf erste Auslieferungen gegen Ende 2026, hat jedoch vorsorglich bestehende Leasingverträge für ältere Flugzeuge verlängert, um die Kapazitätslücken zu schließen. Die Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt der Zulassung zwingt die Branche zu einer defensiven Strategie beim Flottenmanagement, wobei einige Carrier bereits Optionen prüfen, Bestellungen in bereits zertifizierte Modelle wie die Max 8 oder Max 9 umzuwandeln.

Alaska Airlines bekräftigt Vertrauen durch Großauftrag

Inmitten der regulatorischen Debatte setzte Alaska Airlines Anfang Januar 2026 ein deutliches Zeichen des Vertrauens in das Produkt. Die in Seattle ansässige Fluggesellschaft festigte ihre Partnerschaft mit Boeing durch eine Rekordbestellung über 105 Festaufträge für die 737 Max 10.

Der Vertrag umfasst zudem Optionen für weitere 35 Maschinen desselben Typs sowie fünf Boeing 787 Dreamliner für das internationale Streckennetz. Dieser Auftrag gilt in Branchenkreisen als strategischer Erfolg für Boeing, da er zeigt, dass die wirtschaftlichen Vorteile des Modells – insbesondere die höhere Passagierkapazität bei vergleichsweise geringen Betriebskosten – trotz der Zulassungshürden schwerer wiegen als die aktuellen Zeitverzögerungen. Für Alaska Airlines ist die Max 10 das Herzstück ihrer Expansionsstrategie an der US-Westküste, um auf hochfrequentierten Strecken wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wettbewerb im Markt der Schmalrumpfflugzeuge

Die Dringlichkeit der Zertifizierung ergibt sich für Boeing auch aus der starken Marktposition des direkten Konkurrenten Airbus. Die A321neo dominiert derzeit das Segment der großen Schmalrumpfflugzeuge und verzeichnet einen massiven Auftragsbestand. Boeing benötigt die Max 10, um in diesem margenstarken Marktsegment wieder Boden gutzumachen.

Mit einer Kapazität von bis zu 230 Passagieren bietet die Max 10 eine wirtschaftliche Antwort auf die steigende Nachfrage nach effizienten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Luftfahrtanalysten betonen, dass jeder weitere Monat der Verzögerung die Marktanteile von Boeing schmälert, da Fluggesellschaften ihre Wachstumschancen nicht ungenutzt lassen können und im Zweifelsfall auf verfügbare Alternativen ausweichen. Die nun eingeleitete zweite Phase der Flugerprobung ist daher nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern eine wirtschaftliche Existenzfrage für das gesamte Max-Programm.

Ausblick auf das verbleibende Jahr 2026

Obwohl Boeing öffentlich an dem Ziel festhält, die Zertifizierung noch im Jahr 2026 abzuschließen, betrachten Branchenexperten diesen Zeitplan als ambitioniert. Die Dauer der zweiten Testphase wird maßgeblich davon abhängen, wie reibungslos die Datenerhebung verläuft und ob während der Flüge zusätzliche Nachbesserungen erforderlich werden. Die FAA hat betont, dass sie die Ergebnisse der neuen Warnsysteme im Cockpit und der modifizierten Anstellwinkelsensoren einer akribischen Prüfung unterziehen wird.

Erst wenn sämtliche Dokumentationen und Testberichte die volle Konformität mit den Sicherheitsvorschriften belegen, wird die Typenzertifizierung erteilt. Experten rechnen damit, dass ein realistisches Zeitfenster für die ersten kommerziellen Flüge der Max 10 zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem ersten Halbjahr 2027 liegt.

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