Der Benito Juarez International Airport in Mexiko-Stadt war Anfang dieser Woche Schauplatz eines alarmierenden Zwischenfalls, bei dem ein Embraer E190 von Aeromexico Connect und eine Boeing 737-800 von Delta Air Lines nur knapp einer Kollision entgingen. Berichten zufolge wurde der Aeromexico-Flug zur Landung auf derselben Piste freigegeben, von der das Delta-Flugzeug gerade startete.
Dies führte zu einem kritischen Verlust des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes zwischen den beiden Flugzeugen. Obwohl ein Ausweichmanöver eine Katastrophe verhinderte, hatte der Vorfall erhebliche Verspätungen für beide Maschinen zur Folge. Delta Air Lines hat den Vorfall umgehend den zuständigen Luftfahrtbehörden gemeldet, was die Ernsthaftigkeit der Situation unterstreicht. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Beinahe-Kollisionen, die die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit robusterer Sicherheitsmaßnahmen im globalen Luftverkehr lenken.
Ein kritischer Vorfall in der mexikanischen Hauptstadt
Der dramatische Zwischenfall ereignete sich am Morgen des 22. Juli 2025 auf dem belebten Benito Juarez International Airport in Mexiko-Stadt, einem der wichtigsten Drehkreuze Lateinamerikas. Der Flughafen ist mit zwei parallelen Start- und Landebahnen ausgestattet, die jedoch weniger als 300 Meter voneinander entfernt liegen, was gleichzeitige unabhängige Operationen einschränkt und das Luftraummanagement komplex macht. Beteiligt waren der Delta Air Lines Flug DL590, eine tägliche Verbindung von Mexiko-Stadt zum Hauptdrehkreuz des SkyTeam-Gründungsmitglieds in Hartsfield-Jackson Atlanta International (ATL), und der Aeromexico Connect Flug AM1631 aus Aguascalientes (AGU).
Nach Angaben des „Aviation Herald“ befand sich der Delta-Jet, eine Boeing 737-800 mit der Registrierung N3766, auf ihrem Startlauf auf der Piste 05R und hatte bereits die Startfreigabe erhalten. Gleichzeitig erhielt jedoch das Aeromexico Connect Embraer E190 mit der Registrierung XA-ALP ebenfalls die Freigabe zur Landung auf derselben Piste. Diese widersprüchlichen Anweisungen der Flugverkehrskontrolle führten zu einer hochgefährlichen Situation, einem sogenannten „Loss of Separation“. Als die Aeromexico-Maschine die Delta-Maschine überflog, die sich noch im Startvorgang befand, mußte der Pilot der Delta-Maschine den Start bei einer Geschwindigkeit von 60 Knoten (etwa 111 Kilometer pro Stunde) abbrechen. Das Aeromexico-Flugzeug konnte nach dem Beinahe-Zusammenstoß in geringer Höhe sicher landen.
Ein Sprecher von Delta Air Lines erklärte gegenüber „Simple Flying“: „Da nichts wichtiger ist als die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter, wird Delta vollumfänglich mit den Behörden kooperieren, während die Umstände dieses Fluges untersucht werden. Wir schätzen das Vorgehen der Flugbesatzung, die Situationsbewußtsein bewahrt und schnell gehandelt hat – ein Teil des umfassenden Trainings von Delta.“ Diese Aussage unterstreicht das Engagement der Fluggesellschaft für die Sicherheit und das Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Piloten. Die schnelle Reaktion der Piloten in einer solchen kritischen Situation ist ein Zeugnis der intensiven Ausbildung und des Crew Resource Managements (CRM), das darauf abzielt, die Zusammenarbeit im Cockpit und das Situationsbewußtsein zu optimieren.
Die Tatsache, daß das Verkehrs- und Kollisionswarnsystem (TCAS) in solchen Situationen eine entscheidende Rolle spielen kann, ist hierbei von großer Bedeutung. TCAS-Systeme sind darauf ausgelegt, Piloten vor potenziellen Kollisionen zu warnen und gegebenenfalls Ausweichempfehlungen (Resolution Advisories – RAs) zu geben, die von Piloten in der Regel über den Anweisungen der Flugverkehrskontrolle priorisiert werden sollten. Ob und in welcher Form das TCAS in diesem spezifischen Fall eine Warnung aussprach, wird Teil der Untersuchung sein.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die betroffenen Flugzeuge
Nach dem sicheren Abbruch des geplanten Starts kehrte die Delta Air Lines Boeing 737-800 zum Gate zurück. Dort, so ein Delta-Sprecher, habe die Besatzung „zusätzlichen Treibstoff aufgenommen und sich mit Sicherheits- und Flugbetriebsverantwortlichen von Delta beraten“, bevor sie erneut abhob. Der Zwischenfall führte nicht zur Annullierung des Fluges, doch die Daten von „Flightradar24“ zeigen, daß der Flug erheblich verspätet war. Flug DL590 verließ Mexiko-Stadt erst um 10:05 Uhr, drei Stunden nach der planmäßigen Abflugzeit von 07:05 Uhr. Die Ankunft in Atlanta erfolgte ebenfalls mit mehr als zwei Stunden Verspätung, um 14:58 Uhr anstatt um 12:43 Uhr. Die Boeing 737-800 mit der Registrierung N3766 ist laut ch-aviation 23,7 Jahre alt und bietet 160 Sitzplätze.
Auch der Aeromexico Connect Flug AM1631, der von einem 17,6 Jahre alten Embraer E190 mit 99 Sitzplätzen und der Registrierung XA-ALP durchgeführt wurde, war von den Ereignissen betroffen. Trotz des Dramas der Beinahe-Kollision mit dem Delta-Jet erfolgte die Ankunft des Aeromexico-Flugzeugs in Mexiko-Stadt pünktlich, sechs Minuten vor Plan um 07:35 Uhr. Der Weiterflug der Maschine als AM650 nach Managua hatte jedoch eine Stunde Verspätung (Abflug um 09:48 Uhr anstatt um 08:40 Uhr), konnte aber bis zum Ende des Tages wieder in den regulären Flugplan zurückkehren.
Solche Zwischenfälle, auch wenn sie glimpflich ausgehen, verursachen erhebliche operationelle Kosten für die Fluggesellschaften, darunter zusätzliche Treibstoffkosten, Entschädigungen für verspätete Passagiere und die Notwendigkeit, Flugpläne anzupassen. Sie können auch das Vertrauen der Passagiere in die Flugsicherheit beeinträchtigen. Die finanzielle und reputationale Belastung, selbst bei Beinahe-Kollisionen, ist ein deutlicher Anreiz für die Fluggesellschaften und Aufsichtsbehörden, solche Ereignisse gründlich zu untersuchen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Eine Reihe von Beinahe-Kollisionen bei Delta Air Lines und die globale Perspektive
Der Vorfall in Mexiko-Stadt ist nicht die erste Beinahe-Kollision, in die ein Delta-Flug in jüngster Zeit verwickelt war. Bereits in der vergangenen Woche, am 18. Juli, ereignete sich ein ähnlicher Vorfall, wenn auch unter anderen Umständen. Damals mußte ein Embraer E175 der SkyWest Airlines, der als Delta Connection Flug DL3788 von Minneapolis nach Minot operierte, einen sogenannten „Go-Around“ (Durchstartmanöver) durchführen, kurz bevor er landen konnte.
Der Grund für dieses Manöver war, daß die Besatzung des Delta-Fluges, obwohl sie die Landefreigabe erhalten hatte, feststellte, daß sich ein B-52 Stratofortress-Bomber der US Air Force auf ihrem Flugweg befand. Die Federal Aviation Administration (FAA) und SkyWest Airlines haben umgehend eine Untersuchung dieses Vorfalls eingeleitet. Nach diesem Zwischenfall kursierte online Filmmaterial, das einen der Piloten des Fluges zeigt, wie er den Passagieren die Situation erklärt.
Diese Häufung von Beinahe-Kollisionen mit Beteiligung von Delta-Flügen, auch wenn sie durch Partnerairlines betrieben werden, wirft Fragen nach der Häufigkeit solcher Ereignisse im globalen Luftverkehr auf und nach der Effektivität der aktuellen Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit der Flugverkehrskontrolle. Statistiken zeigen, daß es weltweit jährlich zehntausende von sogenannter „Airprox“ oder „Loss of Separation“-Ereignissen gibt, die jedoch nur in einem kleinen Bruchteil tatsächlich zu Kollisionen führen. Diese Zahlen variieren je nach Erfassungs- und Meldewesen der jeweiligen nationalen Luftfahrtbehörden. Die meisten dieser Vorfälle werden durch das Zusammenspiel von menschlichem und technischem System aufgefangen und gelöst. Dennoch ist jede Beinahe-Kollision ein ernstzunehmendes Ereignis, das auf potenzielle Schwachstellen im System hinweist.
Die Untersuchung von Beinahe-Kollisionen ist von entscheidender Bedeutung, da sie wertvolle Informationen über Systemfehler oder menschliche Fehler liefern kann, die, wenn sie unbeachtet bleiben, zu tatsächlichen Unfällen führen könnten. Die Luftfahrtindustrie ist stolz auf ihre hohe Sicherheitsbilanz, die durch kontinuierliche Analyse von Zwischenfällen und die Implementierung von Verbesserungen aufrechterhalten wird.
Herausforderungen in der Flugverkehrskontrolle und Sicherheitsmaßnahmen
Beinahe-Kollisionen wie die in Mexiko-Stadt oder Minot unterstreichen die immensen Herausforderungen, denen sich die Flugverkehrskontrolle weltweit gegenübersieht. Fluglotsen arbeiten unter hohem Druck, um Tausende von Flügen täglich sicher zu leiten. Fehler können auf verschiedene Weisen entstehen:
- Menschliches Versagen: Dies kann Müdigkeit, Streß, Ablenkung oder eine fehlerhafte Interpretation von Informationen sein. Die Ausbildung von Fluglotsen ist extrem anspruchsvoll, um solche Fehler zu minimieren. Sie umfaßt umfassende Kenntnisse in Flugverkehrskontrolle, Sprechfunk, Navigation, Meteorologie und den Einsatz modernster Technik. Regelmäßige Fortbildungen und Eignungstests stellen sicher, daß Fluglotsen auch unter Streß ihre Aufgaben erfüllen können.
- Technische Probleme: Fehlfunktionen von Radarsystemen, Kommunikationsausrüstung oder Software können zu fehlerhaften oder widersprüchlichen Informationen führen.
- Komplexität des Luftraums: Insbesondere in belebten Flughäfen mit mehreren Start- und Landebahnen oder in der Nähe von Militärbasen, wo ziviler und militärischer Verkehr aufeinandertreffen, ist das Management des Luftraums äußerst komplex. Die parallelen Bahnen in Mexiko-Stadt mit geringem Abstand (weniger als 300m) sind ein Beispiel für eine solche Komplexität, die gleichzeitige unabhängige Operationen erschwert.
Die zuständigen Behörden, wie die mexikanische Federal Civil Aviation Agency (AFAC) und die Servicios a la Navegación en el Espacio Aéreo Mexicano (SENEAM), die für die mexikanische Luftraumverwaltung zuständig ist, haben in Zusammenarbeit mit der FAA die Aufgabe, solche Vorfälle umfassend zu untersuchen. Dies umfaßt die Analyse der Sprachaufzeichnungen des Towers, der Radardaten, der Flugschreiberdaten (insbesondere des Flugdatenrekorders und des Cockpit Voice Recorders) und die Befragung aller beteiligten Personen – Piloten, Fluglotsen und technisches Personal. Ziel ist es, die genaue Ursache der „Loss of Separation“ zu ermitteln und Maßnahmen zur Prävention zu ergreifen.
Mögliche Verbesserungen könnten umfassen:
- Verbesserte Automatisierung: Einsatz von fortschrittlicheren Systemen zur Konflikterkennung und Warnung für Fluglotsen, wie Short Term Conflict Alert (STCA), um menschliche Fehler zu kompensieren.
- Optimierung der Verfahren: Überprüfung und Anpassung der Start-, Lande- und Rollverfahren, insbesondere bei gleichzeitiger Nutzung von Pisten, um klarere Anweisungen und größere Sicherheitsabstände zu gewährleisten.
- Zusätzliche Schulungen und CRM-Programme: Spezifische Trainings für Fluglotsen und Piloten, um das Situationsbewußtsein zu erhöhen, effektiver auf komplexe Verkehrssituationen zu reagieren und die Kommunikation (Crew Resource Management) zu verbessern.
- Infrastrukturelle Anpassungen: Eventuelle bauliche Maßnahmen an Flughäfen zur Verbesserung der Rollwege oder Pistenkonfigurationen, auch wenn dies in bestehenden, städtisch umgebenen Flughäfen wie MEX oft schwierig ist.
- Klare Kommunikation: Betonung der Bedeutung klarer, prägnanter und unzweideutiger Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten, möglicherweise durch verstärkten Einsatz der englischen Sprache als Standard in der internationalen Luftfahrt.
Die Luftfahrtindustrie ist stets darauf bedacht, die Sicherheit an erster Stelle zu setzen. Jeder Zwischenfall, selbst wenn er glimpflich ausgeht, dient als wichtige Lehrstunde. Der Vorfall in Mexiko-Stadt unterstreicht, daß trotz hochentwickelter Technologien und strenger Protokolle die menschliche Komponente – sei es in der Pilotenkabine oder im Kontrollturm – und die präzise Koordination zwischen verschiedenen Akteuren entscheidend für die Vermeidung von Unfällen bleiben.
Die haarscharfe Kollision zwischen einer Aeromexico Connect und einer Delta Air Lines Maschine am Flughafen Mexiko-Stadt, hervorgerufen durch widersprüchliche Freigaben der Flugverkehrskontrolle, unterstreicht die immensen Herausforderungen in der Sicherung des globalen Luftverkehrs. Der Vorfall, der sich in eine Reihe ähnlicher Beinahe-Kollisionen einreiht, betonte die kritische Bedeutung präziser Anweisungen und der schnellen Reaktion der Flugbesatzungen. Während die laufenden Untersuchungen der FAA und mexikanischen Behörden die genaue Ursache ermitteln werden, bekräftigt dieser Vorfall die Notwendigkeit fortwährender Investitionen in Technologie, Schulung und Verfahren, um die Sicherheit am Himmel zu gewährleisten und das Vertrauen der Passagiere zu erhalten. Die Aufrechterhaltung der hohen Sicherheitsstandards erfordert eine kontinuierliche Analyse und Anpassung aller beteiligten Systeme und menschlichen Faktoren.